Sunset In Tennessee von Jinkoh Store

Sunset In Tennessee 2024

TheBasti
18.11.2024 - 10:50 Uhr
18
Top Rezension
9Duft 8Haltbarkeit 7Sillage 8Flakon 8Preis

Ich und mein (Whisky-) Holz

Heute möchte ich in dieser Rezension einen Duft beschreiben, denn ich tatsächlich schon sehnsüchtig erwartet habe, da er für mich nicht nur auf der Ebene Parfüms interessant ist, sondern auch noch ein anderes, wirkliches Herzblutthema damit in Verbindung bringt, nämlich den Whisky. Seit nunmehr gut 12 Jahren setze ich mich damit auseinander, habe diese edlen Tropfen kennen und lieben gelernt, wodurch auch wunderbare Freundschaften entstanden sind, lange Nächte beim philosophieren über das ein oder andere Glas und auch meine liebe zu Düften wurde in gewisser Weise durch das "Wasser des Lebens" auch geweckt.
Daher ist es mir schon beinahe eine Herzensangelegenheit diesen Duft hier vorzustellen, aber alles der Reihe nach.

Dieses Mal entführt uns Marius also mitten in die USA nach Tennessee, der Wiege des Blues, des Rock ´n Roll (Besonders Elvis sei hier zu erwähnen), der Country-Musik und eben auch der Hauptort der amerikan. Whiskyproduktion, bes. des Bourbon-Whiskys. Laut meinen letzten Zahlen wird ca. 90% des gesamten Bourbons in Tennessee produziert. (Ich denke eine Marke wie Jack Daniels ist jedem ein Begriff.)

Aber bevor das ganze hier jetzt zum Whisky-Blog verkommt sprühen wir den Duft mal auf. Gleich zu Beginn rückt der Duft eigentlich auch schon in gewissen Akzenten vom amerikanischen Thema ab.

Ich war sehr gespannt, als Marius bekanntgab, dass er für seinen Duft Holz aus alten Whiskyfässern verwendet, in denen zuvor rauchiger Whisky lagerte, was auch genau mein Forte ist :D Ich mag meinen Whisky am liebsten rauchig, dreckig, kantig. Am Beginn des Duftverlaufes fühle ich mich direkt aus den USA nach Schottland auf die Insel Islay versetzt, dem Hort des rauchigen Whiskys. also ein gewisses Kontrastprogramm, da Bourbon bzw. amerikanischer Whisky bei weitem nicht für seine Rauchigkeit bekannt ist. Der Duft hat hier wirklich etwas raues, wildes, ursprüngliches, mit gewisser Ungeschliffenheit.

Der Duft eröffnet mit einer schier erschlagenden Welle an Zitrik. Schlagartig, bombastisch, Raum erfüllend, aber auch irgendwie erfrischend, vorbereitend, quasi der Aperitif :D
Sobald sich der Zitrusschleier lüftet, tritt darunter altehrwürdiges angekohlte Holz hervor, noch mit deutlichen Spuren von Asche vom letzten Auskohlvorgang und gesegnet von den vielen Jahren seiner Verwendung. Hach, welch tolle Tropfen es wohl im Laufe seines Lebens aufnehmen und zur Vollendung führen durfte!

Der Rauch balsamisch, phenolisch, leicht medizinisch, peated Whisky at its finest! eine subtile und leicht salzige Meeresbrise mit algigem Einschlag gesellt sich in den Hintergrund, ganz leichte BBQ-Speck-Noten in der Momentaufnahme, man könnte fast meinen man stünde in einem alten Keller in dem die edelsten dunkel-dreckigsten Tropfen heranreifen, oder, als hätte der gute man da ne Pulle guten, schottischen Whisky reingekippt ! :D xD
Wenn man genauestens hinriecht, lassen sich, für mein Empfinden, sogar noch homöopathischste Dosen Whisky erriechen. Ich lehne mich jetzt sogar mal ganz extrem aus dem Fenster und behaupte, dass es, sofern man sich mit dem Thema Whisky auskennt, durchaus möglich wäre den Whisky, der in den Fässern mal geruht hat, im Kopf ansatzweise nachzubauen. Aber um zu beruhigen, ohne jetzt irgendwie in die Kategorie "Booze" abzurutschen! Hier im Duft ist der Fokus, nach meiner Festestellung, klar auf dem Holz!

Ich muss gestehen, dass ich vermute, dass dieser Teil die meisten bereits abschrecken könnte, hat es mich anfangs auch ein kleines bisschen, aber es lohnt sich definitiv dranzubleiben!

Rosenholz und Zeder beruhigen den Duft im weiteren Verlauf etwas, bändigen das "wilde Biest" und führt ihn gut über, schaffen gewisser Weise eine geerdete Basis. Ich empfinde, dass es das Rosenholz hier im Duft nicht unbedingt gebraucht hätte, aber im Endeffekt nimmt es dem Duft so auf´s Gesamte gesehen nichts weg. Jetzt gesellen sich Noten von getrockneten Früchten, allem voran Rosinen hinzu, man könnte fast meinen, das hier noch ein Sherryfass mit eingebaut wurde, besonders PX Sherry ist bekannt für seinen sirupartigen Trockenfruchtnoten. Spannend :D Flankiert wird das Ganze von Honig und malzigen Noten, mit einer Spur Ahornsirup. Leichte Blumigkeit wabert subtil im Hintergrund, ist aber eher zu vernachlässigen. die Rauchigkeit nimmt immer weiter ab, bis sie sich schließlich ganz verzieht.

Nun sind wir in den USA angekommen, die Noten werden etwas feiner, nicht mehr ganz auseinander dividierbar, aber im Paket dennoch schön umgesetzt. Jetzt kommen die Bourbon-Aromen bestens zum Tragen. Vanille gibt eine leichte, subtile Süße, leicht wachsige Noten, die die typische "Klebstoffnote" eines guten, klassischen Bourbons ganz gut abbilden (Aber keine Angst das Ding riecht wirklich 0 nach Klebstoff!) und dem Duft dadurch etwas mehr Bodenhaftung verleihen. Apropo Tabak ist hier fein dosiert und gibt nochmals ein paar trockene und holzige Einschläge mit in den Verlauf. Auf dieser fein holzig-trockenen Tabaknote schwingt der Duft dann auch ganz langsam und gemächlich aus.
Biber nehme ich persönlich jetzt nicht großartig war, aber ich meine im Mittelteil ab und an mal ein paar schokoladig anmutende Momente wahrzunehmen.

Alles in allem ein Duft, der mich auf beiden Seiten meiner liebsten Hobbies mehr als zufriedenstellt. Ist aber glaube ich insgesamt doch recht speziell der Duft, gerade auch, weil zumindest für die Sunset-Reihe von Jinkoh recht ungewohnt, komplett ohne Oud, oder zumindest ohne Oud-ähnliche Einflüsse. Aber wer guten Whisky schätzt, oder einfach einen Faible für Holz hat ist glaube ich hier gut aufgehoben :)
Aktualisiert am 18.11.2024 - 16:29 Uhr
6 Antworten
IschgelroiIschgelroi vor 1 Jahr
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Ich finde Jinkoh eine sehr gute Marke die mich momentan mehr abholt als Ensar oder Areej.
TheBastiTheBasti vor 1 Jahr
Dito, mir geht's haargenau so
SchoeibksrSchoeibksr vor 1 Jahr
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Na dann Prost, schöne Rezension 😅👍🏼
FloydFloyd vor 1 Jahr
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Ah verdammt, den Whiskey würd ich gerne auch mal trinken ;-D Danke für's Schmackhaft machen, mein Lieber!
SeejungfrauSeejungfrau vor 1 Jahr
Nach deiner Rezension bereue ich ein wenig, dass ich Tennessee nicht habe.
OlivialilaOlivialila vor 1 Jahr
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Wunderbar geschrieben, danke dir!