
SebastianM
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SebastianM
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Natürlich, absolut!
Osmanthus (Osmanthus fragrans, zu Deutsch "Süße Duftblüte") hat einen unverwechselbaren Duft mit weich-cremig-floralen, aprikosen- bis pfirsichartigen und an Tee erinnernden Facetten. Echte Osmanthus-Essenz wird meist durch Extraktion mit Hexan, Alkoholwäsche und Filtration gewonnen, es handelt sich also um ein Absolue. Da der Ertrag gering ist, begegnet man in Parfüms häufig Akkorden, die den Eindruck von Osmanthus rekonstruieren, unter Verwendung von auch in natura vorkommenden Komponenten (wie Laktonen, Iononen, Damascone). Große Dufthersteller wie Givaudan oder Firmenich bieten fertige Osmanthus-Basen an. Diese Nachbildungen überbetonen leider oft die fruchtig-cremigen Aspekte von Osmanthus (daher die weit verbreitete Osmanthose - liebe Grüße an S.) und sind tendenziell linearer. Ihr Vorteil - neben Verfügbarkeit und Preis - liegt in der gleichbleibenden Qualität, während Blütensorte, Erntezeitpunkt, Temperatur und Reifung beim Absolue für Schwankungen sorgen.
Auch ein gutes Absolue fängt den Geruch der Osmanthus-Blüte - wer nicht nach Asien reisen will, dem empfehle ich einen Besuch im botanischen Garten! - nicht naturgetreu ein. Die Blüten duften leicht, elegant, sonnig und transparent. Bei der Herstellung des Absolues werden vor allem schwerere, weniger flüchtige Moleküle gewonnen, während zartere, flüchtigere und grünere Töne verloren gehen. Dafür kommen ledrige Noten zum Vorschein. Ein Absolue wirkt daher stets dichter, wärmer und satter als der Blütenduft. Man kann das aber in einem Parfüm durch weitere Duftnoten teilweise ausgleichen.
Was mich darauf bringt, wie gut das in diesem Parfüm gelungen ist! Es ist ein reines Naturparfüm mit echtem Osmanthus-Absolue - und zwar einem sehr guten. Die Aprikosennote erscheint hier ganz fein, rund und weich. Sie ist harmonisch eingebettet in einen samtigen Schleier anderer Töne. Der Auftakt bringt für wenige Minuten noch eine grüne Frische, eine Kleinigkeit medizinisches Harz ist dabei, auch die Myrrhe ist sofort zu riechen, gefolgt von einer etwa einstündigen fruchtig-blumigen Phase, dann kurz ein bisschen Tee und Leder, schließlich für ca. drei Stunden ein harzig-holziger Ausklang. Gegen Ende seines Verlaufs verliert dieser Ausklang an Interesse und erscheint nurmehr als Grundlage, die man am liebsten mit einem anderen Duft kombinieren würde. Fixative scheint das Parfüm kaum zu enthalten. Es wird rasch hautnah und ist bei 4 Sprühstößen aus TZ bei 26 °C nach gut 4 Stunden vollständig verschwunden. Es erscheint mir daher besonders für gemäßigte Frühjahrs- und Sommertage geeignet. Bei Hitzewellen würde es vermutlich zu schnell verdunsten, bei Kälte hingegen vermutlich zu wenig abstrahlen.
Was außer den aufgeführten Noten noch enthalten ist, kann ich nicht sagen. Manche Quellen nennen Cade und Benzoe - das glaube ich sofort im Drydown, wobei Cade hier nicht zum Verrauchen dient, sondern zur Erdung. Außerdem tippe ich auf weitere Blüten im Herzen, vielleicht minimal Jasmin und/oder Rose. Die Bergamotte-Kopfnote besteht nach meiner Meinung zum Teil aus Petitgrain. Der Hersteller erwähnt außerdem eine Olivennote - und tatsächlich taucht in der Tee/Leder-Phase eine schwach bittere, herbe Nuance auf, die an grüne Oliven denken lässt. Diese Note wirkt nicht aufgesetzt: Osmanthus gehört botanisch zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae), genau wie die Olive, was plausibel macht, dass beide Pflanzen bestimmte Duftmoleküle teilen. Es handelt sich definitiv nicht um Suggestion, aber eine große Rolle spielt es auch nicht. Ohne den Hinweis hätte ich es wahrscheinlich nicht bemerkt. Doch sowieso glaube ich, dass auch unterschwellige, unbewusste Wahrnehmungen unseren Gesamteindruck von einem Parfüm mitbestimmen. Sehr überzeugend finde ich, wie minimalistisch dieser Duft einerseits daherkommt, und wie gekonnt er gleichzeitig die Komplexität seines Hauptdarstellers in Szene setzt.
Bemerkenswert finde ich die kundenfreundliche Geschäftspolitik von Porcelain: Es gibt nicht nur ein Probenset, dessen Preis auf einen Flakon angerechnet wird, sondern man kann sogar angebrochene Flakons gegen eine Teilerstattung zurückgeben. Porcelain ist eine interessante Marke: artisanale Naturparfüms ohne Hexenküchen-Vibes. Drei der von mir getesteten Düfte (Cedarté, Gerain und Myristica) wirkten allerdings noch unausgereift, fast so, als seien sie nicht ganz fertig geworden. Anders hingegen Jasmâda und No. 1 Osmanth: beide empfand ich als stimmig und ausgewogen. Die Parfümeurin und Gründerin dieses dänischen Independent-Labels heißt nebenbei bemerkt Stine Hoff - eine Information, die bei diesem Duft überraschenderweise nicht genannt wird.
Vielen Dank für diese schöne Entdeckung, @Wisivc!
Der bei Parfumo abgebildete Flakon ist übrigens derjenige einer Exklusiv-Ausgabe zu einem höheren Preis. Der reguläre Flakon ist aus Glas und hat nur eine weiße Kappe. Ich hoffe - passend zum Markennamen - aus Porzellan.
Auch ein gutes Absolue fängt den Geruch der Osmanthus-Blüte - wer nicht nach Asien reisen will, dem empfehle ich einen Besuch im botanischen Garten! - nicht naturgetreu ein. Die Blüten duften leicht, elegant, sonnig und transparent. Bei der Herstellung des Absolues werden vor allem schwerere, weniger flüchtige Moleküle gewonnen, während zartere, flüchtigere und grünere Töne verloren gehen. Dafür kommen ledrige Noten zum Vorschein. Ein Absolue wirkt daher stets dichter, wärmer und satter als der Blütenduft. Man kann das aber in einem Parfüm durch weitere Duftnoten teilweise ausgleichen.
Was mich darauf bringt, wie gut das in diesem Parfüm gelungen ist! Es ist ein reines Naturparfüm mit echtem Osmanthus-Absolue - und zwar einem sehr guten. Die Aprikosennote erscheint hier ganz fein, rund und weich. Sie ist harmonisch eingebettet in einen samtigen Schleier anderer Töne. Der Auftakt bringt für wenige Minuten noch eine grüne Frische, eine Kleinigkeit medizinisches Harz ist dabei, auch die Myrrhe ist sofort zu riechen, gefolgt von einer etwa einstündigen fruchtig-blumigen Phase, dann kurz ein bisschen Tee und Leder, schließlich für ca. drei Stunden ein harzig-holziger Ausklang. Gegen Ende seines Verlaufs verliert dieser Ausklang an Interesse und erscheint nurmehr als Grundlage, die man am liebsten mit einem anderen Duft kombinieren würde. Fixative scheint das Parfüm kaum zu enthalten. Es wird rasch hautnah und ist bei 4 Sprühstößen aus TZ bei 26 °C nach gut 4 Stunden vollständig verschwunden. Es erscheint mir daher besonders für gemäßigte Frühjahrs- und Sommertage geeignet. Bei Hitzewellen würde es vermutlich zu schnell verdunsten, bei Kälte hingegen vermutlich zu wenig abstrahlen.
Was außer den aufgeführten Noten noch enthalten ist, kann ich nicht sagen. Manche Quellen nennen Cade und Benzoe - das glaube ich sofort im Drydown, wobei Cade hier nicht zum Verrauchen dient, sondern zur Erdung. Außerdem tippe ich auf weitere Blüten im Herzen, vielleicht minimal Jasmin und/oder Rose. Die Bergamotte-Kopfnote besteht nach meiner Meinung zum Teil aus Petitgrain. Der Hersteller erwähnt außerdem eine Olivennote - und tatsächlich taucht in der Tee/Leder-Phase eine schwach bittere, herbe Nuance auf, die an grüne Oliven denken lässt. Diese Note wirkt nicht aufgesetzt: Osmanthus gehört botanisch zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae), genau wie die Olive, was plausibel macht, dass beide Pflanzen bestimmte Duftmoleküle teilen. Es handelt sich definitiv nicht um Suggestion, aber eine große Rolle spielt es auch nicht. Ohne den Hinweis hätte ich es wahrscheinlich nicht bemerkt. Doch sowieso glaube ich, dass auch unterschwellige, unbewusste Wahrnehmungen unseren Gesamteindruck von einem Parfüm mitbestimmen. Sehr überzeugend finde ich, wie minimalistisch dieser Duft einerseits daherkommt, und wie gekonnt er gleichzeitig die Komplexität seines Hauptdarstellers in Szene setzt.
Bemerkenswert finde ich die kundenfreundliche Geschäftspolitik von Porcelain: Es gibt nicht nur ein Probenset, dessen Preis auf einen Flakon angerechnet wird, sondern man kann sogar angebrochene Flakons gegen eine Teilerstattung zurückgeben. Porcelain ist eine interessante Marke: artisanale Naturparfüms ohne Hexenküchen-Vibes. Drei der von mir getesteten Düfte (Cedarté, Gerain und Myristica) wirkten allerdings noch unausgereift, fast so, als seien sie nicht ganz fertig geworden. Anders hingegen Jasmâda und No. 1 Osmanth: beide empfand ich als stimmig und ausgewogen. Die Parfümeurin und Gründerin dieses dänischen Independent-Labels heißt nebenbei bemerkt Stine Hoff - eine Information, die bei diesem Duft überraschenderweise nicht genannt wird.
Vielen Dank für diese schöne Entdeckung, @Wisivc!
Der bei Parfumo abgebildete Flakon ist übrigens derjenige einer Exklusiv-Ausgabe zu einem höheren Preis. Der reguläre Flakon ist aus Glas und hat nur eine weiße Kappe. Ich hoffe - passend zum Markennamen - aus Porzellan.
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äthiopische Myrrhe
chinesischer Osmanthus
französisches Wacholderholz
italienische Bergamotte










