Die Sache mit der Haltbarkeit
Haltbarkeit hier, Haltbarkeit da, das ist schon eines der prominentesten Themen, wenn man sich ein bisschen mit Düften beschäftigt.
Ich bin kein Freund von Düften, die ewig auf der Haut kleben bleiben und sich überhaupt nicht überzeugen zu lassen, endlich zu verfliegen. Da hilft kein Schrubben mit Seife, man kann dreimal duschen gehen und trotzdem krallen sich immer noch hartnäckige Duftmoleküle auf der Haut fest (I'm looking at you Baccarat Rouge!). Wenn mir dann auch noch der Duft nicht gefällt oder sogar für Kopfschmerzen sorgt, ist das Ganze noch furchtbarer.
Aber auch Düfte, bei denen kurz die Kopfnote hervorlugt, dann die Herz- und Basisnote kurz Hallo sagen und nach insgesamt 30 Minuten wieder einen Abgang machen sind mir nicht die liebsten. Da hat man einen tollen Duft gefunden und schon ist er wieder weg!
Tja, irgendwann habe ich mich gefragt, was mir lieber ist und wo meine Grenze ist, wann ein Duft zu kurz oder zu langlebig ist. So ganz festschreiben kann ich das nicht, es ist hautsächlich vom Duft selbst abhängig.
Mittlerweile habe ich für mich herausgefunden, dass wenn mir der Duft hundertprozentig gefällt, die Haltbarkeit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Was für eine Erkenntnis!
Der Duft, der mir geholfen hat, das zu realisieren war Cruel Gardenia (Guerlain). Als ich den das erste Mal gerochen habe, hat er mich völlig verzaubert, er hatte fast eine magische Wirkung auf mich und war einfach traumhaft schön. Und dann war ich ganz verdutzt, als er nach ca. 2 Stunden schon komplett weg war. (nachdem ich mir dann den Flakon gekauft habe hält der Duft jetzt lustigerweise ganz gut, bis zum Nachmittag kann ich ihn gut wahrnehmen). Ich habe dann sehnsuchtsvoll meinen Arm abgeschnüffelt und gleich nochmal neu gesprüht. So war die erste Probe sehr schnell leer, die zweite und dritte ebenso. Mein Entschluss stand dann fest: der Flakon muss her. Als ich den Preis gesehen habe, bin ich fast vom Stuhl gekippt (das war noch relativ am Anfang meiner Duftreise ;)) und dann ging das Gedankenkarussell los. Lohnt es sich wirklich, für so wenig Haltbarkeit einen so großen Batzen Geld auszugeben? Nein, ja, nein ... Nun ist er wie gesagt in meiner Sammlung vertreten, neben anderen Exklusivlingen von Guerlain und wird heiß geliebt.
Kleine Anmerkung: Das andere Extrem ist auch nicht mein Fall. Wenn ein Duft selbst nach dem Duschen noch sein Aroma versprüht, ist mir das meistens zu viel. Besonders bei Kopfschmerzkandidaten ist das ein absolutes No Go für mich.
Letztlich habe ich gemerkt, dass der richtige Duft auch nicht zwingend lang halten muss. Wenn er das tut, ist das zwar schön, aber ich würde nicht auf den Duft meines Herzens verzichten, nur weil er bloß kurz hält. Wenn mich ein Duft begeistert, wird er gekauft auch trotz kurzer Haltbarkeit. Solange ich mich nicht dabei verschulde, komme ich damit klar. Trotzdem habe ich Gewissensbisse, wenn ich einen Haufen Geld in duftende Wässerchen investiere. Aber sie bereichern und versüßen mein Leben, lösen Emotionen aus und sind Begleiter durch alle Lebenslagen. Lieber ein Duft, der all diese Dinge erfüllt, als einer, der nur durchschnittlich ist, aber mit seiner Haltbarkeit überzeugt. Und ist es nicht das, was eigentlich zählt?


Gerade befindet sich auf meinen Handrücken je ein Duft, der einfach nicht wieder gehen will ...
Und ich verstehe anhand meiner langen Reise durch die Parfumwelt (und anhand meiner Zunahme an Lebensjahren), dass ich mich immer mehr zu den feinen und zarten Düften hingezogen fühle. Für mich zählt mehr der ganz private Dufteindruck, der vielleicht zur Liebe wird, als das, was er vielleicht projiziert oder auch nicht.