ParfumoBlog Neues & Interessantes aus der Welt der Parfums - Parfumo Blog

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Tiere in ihrem natürlichen Habitat - ihre Gewohnheiten, ihre Duftstoffe, ihr Sein in Düfte zu verwandeln; mit diesem Konzept rief Victor Wong seine Marke Zoologist ins Leben, welche sich mittlerweile großer Beliebtheit bei Duftfans weltweit erfreut. Verschiedene Independent Parfümeure gestalten für ihn einen Duft, der von einem bestimmten Tier inspiriert ist oder diesem zugeordnet werden kann. Für mich als Biologen und Tierliebhaber ein wundervolles Thema, welches ich von Anfang an mit Freude verfolge.



Was ist dein Lieblingstier (außer deiner Katze)?

Das ist in der Tat eine sehr schwierige Frage. Ich habe viele Lieblingstiere. Ich mag speziell kleine, süße und flauschige Tiere. Mein Schwachpunkt sind Kaninchen.

Ich neige dazu meine Parfümeure davon überzeugen zu wollen Düfte für mich zu kreieren, die von süßen Tieren inspiriert sind, aber meistens nehmen wir am Ende doch Tiere, die nicht zwingend süß aussehen. Kürzlich sagte ein Parfümeur zu mir, dass „er keine süße Person sei“. Nun gut, dann schätze ich werde ich mir den Duft Quokka (Kurzschwanzkänguru) für jemand anderen aufheben.

Was sind deine Gedanken zu Zoologists bisheriger Reise?

Es ist wirklich so als ob einige Träume wahr geworden sind, obwohl ich manche davon eigentlich gar nicht hatte. Ich hätte niemals gedacht einen Art and Olfaction Award zu gewinnen, doch ich habe einen gewonnen. Als ich anfing, war mein Ziel die Düfte nur über den Onlineshop meiner Seite zu verkaufen. Ich hätte nicht gedacht, dass Geschäfte meine Düfte führen würden, doch mittlerweile gibt es sie in einigen lokalen und internationalen Boutiquen.

Ich hätte auch nie gedacht, dass ich den Job mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdiene aufgeben würde, um mich mehr um Zoologist kümmern zu können. Das war der zweitmutigste Schritt, den ich seit der Gründung meiner eigenen Marke vor vier Jahren, getätigt habe. Das bedeutet nicht, dass ich jetzt das große Geld verdiene, ich konnte einfach nicht mehr beide Jobs parallel ausführen. Es gab Tage an denen ich versucht habe zwei Händlerbestellungen gleichzeitig zu erfüllen und bis spät in die Nacht gearbeitet habe. Ich mache alles selbst - Verdünnen, Filtern, Abfüllen, Einschweißen, Versenden, Social Media etc. - teilweise bin ich mit Alpträumen aufgewacht, dass sich Kunden über kaputte oder verlorene Ware beschweren und eine Stunde später musste ich wieder zu meinem regulären Job. Das ging so nicht weiter.

Ein weiterer Meilenstein für mich ist, dass Luckyscent nun meine Düfte führt. Ich denke sie haben für Zoologist nun endgültig den Stein ins Rollen gebracht, weil sie der erfolgreichste Online-Handel in den USA sind und einem breiten internationalen Kundenstamm haben.

Ich wusste wirklich nicht wie bekannt meine Marke bereits ist, bis ich kürzlich die Esxence in Italien besuchte. Ich habe dort nicht ausgestellt, doch während ich mir die Ausstellung angeschaut habe, kamen einige Leute auf mich zu, die mich erkannten und mir mitteilten, dass sie sehr gespannt seien meine Düfte zu testen. Ich bekam auch einige Anrufe von mir unbekannten Händlern, die auch dort waren und mich treffen wollten um mehr über meine Düfte zu erfahren. Ich habe auch Parfümeure getroffen, die großes Interesse daran zeigten, Düfte für mich zu designen. Dafür bin ich natürlich sehr dankbar, doch es ist ein großer Kontrast zu der Zeit als ich anfing und eigentlich überhaupt niemanden in der Branche kannte. Damals musste ich so oft die Daumen drücken, dass Deals überhaupt zustande kamen.

Gibt es Konzepte für Tiere, die wohl niemals das Licht der Welt erblicken werden, weil sie einfach nicht funktionierten oder die Zusammenarbeit mit dem Parfümeur nicht zufriedenstellend verlief?

Ja, ich habe ein paar Projekte eingestampft, weil sie zu nichts führten. „Civet“ wurde ursprünglich nicht von Shelley Waddington designt. Es war ein sehr herausfordernder Duft, obwohl klar war, dass Zibet enthalten sein wird. Die Frage war nur: Wie viel Zibet? Nur ein bisschen? Nur mit was fülle ich dann den Rest von dem Duft? Der ursprüngliche Parfümeur wollte eine Zibet-Bombe daraus machen, nur mir war klar, dass diese keiner tragen wollen würde. Das ist in etwa so wie die YouTube “Cinnamon Challenge” – wer möchte ernsthaft einen Haufen Zimt auf einmal essen, nur um damit angeben zu können es getan zu haben und ein paar Lacher zu erzeugen?

Dann gab es ein Projekt, das ich canceln musste, weil die Düfte, die dieser Parfümeur macht einfach zu leicht duften und sehr flüchtig sind. Die Düfte von Zoologist sind schließlich berühmt (oder besser berüchtigt) für ihre Wirkungsstärke. Von dem Duft an sich war es ein Volltreffer. Es hat meine Vorstellungen genau erfüllt, roch für mich aber wie ein 5%-iges Eau de Toilette, obwohl es ebenfalls 22% Parfum-Konzentration hatte. Das tat mir sehr leid und ich hoffe der Parfümeur vergibt mir.

Und dann gibt es noch jemanden, der darauf bestand ein Parfum mit dem Namen „Toad“ (Kröte) zu machen. Selbst ich als offener Mensch hatte nicht das Gefühl, dass ernsthaft jemand einen Duft mit diesem Namen tragen möchte. Glücklicherweise fand ich für diesen Parfümeur ein interessanteres, herausforderndes Projekt und er ist gewillt es zu designen. Puh!

Was genau hat die Überarbeitung von Beaver und Panda bewirkt? Und wieso nur diese zwei?

Das ist ein kompliziertes Thema.

Ich bat Chris Bartlett Beaver zu überarbeiten mit der Begründung er hätte schlechte Verkaufszahlen. Aber um ehrlich zu sein - wie die meisten Leute - fand ich Beaver zu gewagt und ich wollte das ändern. Man muss sagen, dass Beaver technisch gesehen absolut in Ordnung war und in meinen Augen gut gemacht. Ich habe niemals Beschwerden darüber erhalten, das es unausgeglichen oder beißend riecht. Es war nur nicht das, was die meisten Leute - inklusive mir - tragen wollten. Nach der Reformulierung ist es wesentlich gefälliger und ich fühle mich sexy, wenn ich es trage. Um bei der Wahrheit zu bleiben, der Absatz ist nicht besser geworden, vermutlich wegen dem Namen und dem Dufttyp, aber das stört mich nicht. Denn mir ist wichtig, dass mir meine Düfte gefallen und das tut Beaver jetzt. Also kann ich den Leuten auch selbstbewusst sagen, dass es vielleicht einfach nicht ihr Fall sein wird.

Panda hingegen ist eine andere Geschichte. Ich habe sehr viel negatives Feedback erhalten und es hat eine Weile gedauert darüber hinwegzukommen und die Sache mit einem objektiven Auge zu betrachten um zu sehen, was damit nicht stimmen könnte. Ich stimme mit den meisten Leuten überein, dass Panda sehr streng ist, zu aquatisch, zu grün. Manche finden ihn sogar metallisch. Als Panda auf den Markt kam, war ich unerfahren und auch ungeduldig. Ich konnte nicht erkennen, was damit nicht stimmt. Ich dachte, das ist bei dem Duft eben so, das ist sein Stil, aber letztlich ein nettes Parfum. An einem Punkt versuchte ich sogar die Konzentration von 20% auf 15% herabzusetzen um es weniger streng und sumpfig zu machen, aber es half nichts. Ich habe dann Paul Kiler gefragt, ob er Panda überarbeiten kann, indem er es in seine Bestandteile zerlegt und die Akkorde, die den Leuten nicht zusagen, rausfiltern kann. Nachdem das geschehen war ist jedoch die gesamte Formel zusammengebrochen und übrig blieb ein charakterloses Parfum. Daher habe ich diese Idee verworfen und nach jemanden gesucht, der Panda komplett neu interpretieren kann.

2016 bei den Art and Olfaction Awards traf ich den Parfümeur Christian Carbonnel. Er war ebenfalls ein Finalist in meiner Kategorie und saß neben mir. Er sagt mir, dass er gerne einen neuen Duft für mich kreieren möchte. Er arbeitete sehr schnell - er macht Düfte, indem er die einzelnen Inhaltsstoffe bereits in den nötigen Verhältnissen aufschreibt und sie dann an seine Mitarbeiter zur Erstellung weitergibt - und innerhalb weniger Monate gab es einen neuen Duft. Ich fragte ihn, ob er eventuell dem Redesign von Panda eine Chance gibt. Ich bat ihn einen Duft zu machen, der zu dem Bild des Pandas im Smoking passt. Das Resultat ist ein Duft, der absolut nicht wie die ursprüngliche Version von Panda riecht, obwohl es die meisten Duftnoten mit dem ursprünglichen Panda gemein hat.

Ist die Idee verschiedener Merchandise-Produkte interessant für die Marke?

Die Illustrationen auf den Labeln der Düfte sind sehr attraktiv und wichtig für meine Marke. Ich denke der meistgewünschte Merchandise-Artikel sind Poster/Drucke. Ich habe darüber nachgedacht, aber die Bilder in hoher Auflösung zu drucken bringt ein Problem mit sich: Piraterie. Wusstest Du, dass es nachgemachte Zoologist-Düfte gibt? Sie werden wohl im Nahen Osten verkauft, ich glaube man findet sie an iranischen Flughäfen. Ich habe keinen dieser Düfte gerochen, aber Zoologist Fans aus dem Nahen Osten haben mir Bilder gesendet und man hat definitiv unseren Look und unser Packungsdesign geklaut. Ich glaube es gibt Deer, Bear und Panda. Man hat nicht nur Bilder von Zoologist gestohlen, sondern auch von einigen Etsy-Anbietern. Absolut dreist.

Für die Lancierung von Civet habe ich etwas Neues ausprobiert. Es gab 30 Exemplare eines Seidenschals mit der Illustration von Civet als Testlauf. Sie waren recht teuer zu produzieren, aber ich habe es für die Fans gemacht. Ich habe daran nichts verdient. Merchandise-Artikel sind schwer einzuschätzen. Fans sagen zwar, dass sie welche wollen, aber wenn es nicht das richtige Produkt ist, kaufen sie es doch nicht und man bleibt auf einem Haufen Ware sitzen, der nur in der Ecke rumsteht. Daher habe ich kürzlich darüber gedacht für die Fans kleine Untersetzer zum Sammeln zu produzieren, wenn man eine große Flasche bei mir kauft.

Gibt es bekannte Personen, deren Fan Du eventuell selbst bist, von denen Du weisst, dass sie Zoologist kennen und ein Fan der Marke wurden?

Gut, ich weiss nicht, ob er ein Fan ist, aber ich bin glücklich, dass er Zoologist kennt und mir persönlich schon guten Zuspruch und Feedback zu Zoologist auf der Esxence 2016 und den Art & Olfaction Awards 2017 gegeben hat. Ich spreche von Parfumkritiker Luca Turin. Er hat eine sehr positive Rezension über Bat geschrieben. Auf der Esxence sagte er zu mir, dass es in der Musik (ich vermute er meint klassische Musik) selten sei, wenn man lustige und humorvolle Stücke hört. Und Zoologist sei für ihn das Äquivalent in der Parfümwelt. Bei den Art & Olfaction Awards sagte er zu mir, dass es für einen Künstler nicht einfach sei, ein guter Creative Director zu sein, aber ich einen guten Job mache. Er sagte auch, dass Nightingale ein sehr interessantes Kunstwerk sei. Nun, ich möchte die Gelegenheit nutzen anzumerken, dass es ohne Luca Turins Buch “Perfumes, the A-Z guide” Zoologist gar nicht geben würde. Sein Buch war einer der Katalysatoren zur Kreation meines Projekts. Ich fühlte mich etwas komisch, als ich ihm direkt ins Gesicht sagte er wäre mein Idol. Ich glaube er fühlte sich auch seltsam, als er das hörte.

Wie glaubst Du würde eines der Tiere auf seine Interpretation von Zoologist reagieren?

Der natürliche Geruch von Moschus und anderen stinkenden Sekreten und Gerüchen ist sehr komplex und ich denke ein echter Biber oder eine echte Zibetkatze würden wohl kaum positiv auf die synthetischen Duftstoffe reagieren und sie anziehend finden.

Ich arbeite gerade an zwei Düften mit Tomoo Inaba („Nightingale“) und einer dieser Düfte ist ein “Gourmand”. Menschen werden ihn wahrscheinlich nicht wirklich lecker finden, aber ich kann mir vorstellen, dass er dem kleinen Tier auf dem er basiert gefallen könnte. Ich fand es amüsant, dass Tomoo es erfolgreich geschafft hat einen Akkord zu erschaffen, der sehr nah an der Leibspeise dieses Tieres ist.

Wie ist dein aktueller Plan für die Erweiterung der Marke? Gibt es bspw. einen festen Zyklus für neue Veröffentlichungen? Oder sagst Du: „Nach X Düften fühlt sich meine Kollektion für den Moment komplett an“ und deswegen schaust Du dir dann erstmal an, ob sich der Erfolg in den kommen Jahren halten kann?

Die Leute werden mir zustimmen, dass es das Beste für ein Parfümhaus wäre ein bis zwei neue Düfte pro Jahr zu veröffentlichen. Dies schafft das Bewusstsein, dass die Marke noch am Leben ist und ermöglicht den Kunden mit gebührendem Abstand die neuen Kreationen zu verfolgen und zu verarbeiten. Für einen Parfum-Snob gibt es sowieso schon zu viele neue Düfte auf dem Markt. Wenn ein Dufthaus zu häufig, zu viele Düfte auf einmal veröffentlicht, fühlt man sich überwältigt und finanziell gestresst, weil man nicht weiss was man noch kaufen soll und gibt womöglich auf Düfte dieser Marke zu sammeln (bei mir bspw. Penhaligon’s). Natürlich sind wenige Neuveröffentlichungen auch für kleine Händler gut, weil sie ihr Geld dann nicht an dich binden, weil sie kontinuierlich deine Neuveröffentlichungen aufstocken müssen.

Im Moment habe ich ein paar Bedenken, dass ich zu viele offene Projekte auf einmal habe und dadurch in die Gefahr komme zu viele Düfte pro Jahr zu veröffentlichen. Schließlich arbeite ich hauptsächlich mit Independent Parfümeuren zusammen und die meisten von ihnen haben auch einen Hauptjob.

Man kann sich dabei auch stark vertun. Vermutlich aus der Angst heraus keine neuen Düfte veröffentlichen zu können, bin ich wohl an zu viele Parfümeure gleichzeitig herangetreten; vermischt mit der Unsicherheit, dass man nie weiss wie viele Überarbeitungen ein Duft braucht bis er als „fertig“ angesehen werden kann. Der Stress beginnt dann, wenn ein Duft plötzlich unerwartet fertig ist und man aber noch andere Düfte in der Warteschlange hat, die auch noch nicht lanciert wurden. Man möchte den Parfümeur dann auch nicht enttäuschen, indem man ihm sagt, man kann seinen Duft erst in zwei Jahren veröffentlichen, aber es sieht so aus als hätte ich manchmal keine andere Wahl.

Abgesehen davon ist es mein Ziel 20 Düfte in meiner Kollektion zu haben. Wenn ich dies erreicht habe, werde ich das Ganze evaluieren. Möglicherweise werde ich einige von ihnen auch wieder einstellen. Aber ganz im Sinne der Biodiversität würde sich Zoologist im Moment einfach nicht komplett anfühlen, wenn es keine Reptilien, Meerestiere und Insekten gäbe. Bezüglich Duftgenres habe ich noch keinen Fougère-Duft und keinen aquatischen Duft im Repertoire und es gibt noch einige wichtige Moschusverbindungen und andere Duftingredienzen für die ich noch nicht das richtige Tier gefunden habe, um sie zu repräsentieren.

Das Interview führte Franfan20 - Vielen Dank!

11 Antworten
Vor 163 Tagen
5 Auszeichnungen

Josh Meyer ist der kreative Kopf hinter Imaginary Authors, einer Nischenmarke deren Konzept den Verstand fasziniert. Er und seine Marke überraschen mit durchdachten Düften, die Spaß machen und Geschichten erzählen sowie die Personen hinter ihnen offenbaren. Alles imaginär, doch gleichzeitig so detailliert und kreativ, dass die eigene Vorstellungskraft während dem Entdecken seiner Welt angeregt wird.


Das Thema deiner Marke sind Romane, Fiktion und Geschichtenerzählen sowie die Personen dahinter… Bist Du folglich ein Bücherwurm und welche Art von Literatur magst Du?

Ich liebe so viele! Ich liebe John Barth, Nabokov, David Foster Wallace, Donna Tartt & John Irving... Aber vor kurzem habe ich auch angefangen viel über Malerei, Kunst und Kochen zu lesen, da diese Themen auch Parallelen zu Parfum und Parfumkunst aufweisen. Eine Menge Köche bspw. veröffentlichen sehr fesselnde Bücher darüber ein Restaurant zu betreiben und gleichzeitig an ihrer Kreativität zu feilen um mit ausgefallenen Nahrungsmittelkonzepten ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen. Das ist sehr inspirierend für mich, da dies ebenfalls wichtig für Imaginary Authors ist.

Ich liebe es zu lesen, aber für mich war meine Markenidee mehr ein neuer Weg die Welt der Nischenparfumerie zu erklären. Viele meiner Lieblings-Nischenmarken von vor 7 oder 8 Jahren verwenden keine Farbe auf ihren Etiketten und veröffentlichen keine einfachen Notenlisten. Das pure Lesen von Webinhalten auf deren Seiten ermöglicht oftmals nicht die Stimmung oder den Ton eines Duftes einzufangen, um eine Vorstellung davon zu erhalten, wie er tatsächlich riecht. Das macht es sehr schwer zu wissen, welchen Duft man kaufen soll. Mit IA wollten wir etwas schaffen, das lebendig die Geschichte des Duftes erzählt und haben gleichzeitig versucht, etwas Einzigartiges auf den Markt zu bringen. Die einzige Regel von meiner Seite aus, war es zu erreichen, dass jeder Aspekt des Konzepts auf Spaß basiert und dem spaßigen Konzept trotzdem etwas Anspruch zu geben.

Wie ist der Ablauf, wenn Du einen neuen Duft erstellst? Wie stellst Du dir einen Autoren, die Geschichte um ihn herum und seine Arbeit vor? Lässt Du es einfach auf dich zukommen oder hast Du zuerst ein bestimmtes Konzept vor Augen?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Für uns kommt der Duft vor allem anderen. Die Geschichte, die Bilder für das Etikett und die Box und die Notenliste kommen alle nachdem Duft der Duft fertig gestellt ist. Das Drumherum wird geschaffen, um die Geschichte über den Duft zu erzählen, seine Atmosphäre zu untermalen und Details darüber zu verraten wo die einzelnen Zutaten ihren Ursprung haben. Im Allgemeinen benutze ich 3 bis 4 Hauptakkorde, um einen Duft zu gestalten. Jedes Parfum besteht aber aus etwa 20 bis 50 Zutaten. Doch die Konzepte sind in der Regel viel einfacher und jede Note und jede Zutat ist ein Teil des Ganzen und wirkt sich auf einen der Hauptakkorde aus.

So hat zum Beispiel Memoirs of a Trespasser eine Menge an Vanille-Noten, die mit einer kräftigen Dosis Guajakholz verschmelzen. Es ist aber das Zusammenspiel des Trios aus Myrrhe, Benzoin und Ambrette, die der gesamten Komposition erst ihre Wirkung verleiht. Es ist nichts, was ich in der Natur gerochen habe oder aus meiner Erfahrung heraus entstanden ist, sondern vielmehr nur der Versuch mit einer einzigartigen Kombination von Noten, etwas Neues zu schaffen.

Ich nehme an, Bull's Blood ist wahrscheinlich der Parade-Duft aus deiner Kollektion, der die Menschen wohl mit den umstrittensten Meinungen zurücklässt. Zumindest vom dem, was ich gehört habe, scheinen viele Leute ein Problem mit dem Bild des Stierkampfes zu haben. Und das obwohl es nur imaginär ist. Wie empfindest Du diese Art von Reaktionen auf den Duft und die Geschichte dahinter? Und wie erlebst Du die Reaktionen auf deine Düfte im Allgemeinen?

Sowohl Bull's Blood als auch A City on Fire erwecken in vielen Menschen die gleiche Hass-Liebe. Beide polarisieren ziemlich. Ich denke, dass der Stierkampf mit starken Emotionen behaftet ist und auch etwas Beängstigendes an sich hat und so verhält es sich auch mit dem Duft Bull's Blood.

Düfte sind sehr persönlich. Als ich damit anfing und mir bewusst wurde, dass ich diese Düfte mit der Welt teilen werden, habe ich immer gehofft, dass ich immun gegen Kritik wäre... aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Es ist immer sehr schwierig, wenn jemand etwas gegenteiliges über einen Duft sagt, den du eventuell anders beabsichtigt hast. Auf der anderen Seite… wenn eine Rezension oder einen Kommentar zu einem Duft gemacht wird, der diesen mit Worten beschreibt, die in die selbe Richtung gehen wie ich es mir vorgestellt habe, finde ich das sehr mitreißend. Es ist als ob man gemeinsam eine neue Fremdsprache spricht.



Ist es Dir möglich einen Lieblingsduft aus deiner eigenen Kollektion zu benennen?

Ich mag immer die neuesten Duft. Oder noch besser gesagt? Ich mag immer das, was als nächstes kommt. Das ist immer das interessanteste und dynamischste für meine Nase. Es ist für mich persönlich einfach super wichtig, immer wieder neue spaßige Dinge zu entwickeln. Die Arbeit mit den immer gleichen Düften finde ich nicht inspirierend... Ich finde nicht zwingend, dass es der beste Duft ist, aber wenn ich einen wählen müsste, würde ich sagen, dass mich Every Storm a Serenade mehr erreicht als alle anderen. Der Duft ist sehr teuer zu produzieren und ich liebe die Art und Weise wie er mit mir harmoniert. Er ist einfach sehr gut und angenehm für mich zu tragen.

Imaginary Authors ist in den letzten 4 Jahren durch verschiedene Phasen von Flakongrößen gegangen. Du hast mit 60 ml angefangen und einige Zeit später 30 ml eingeführt. Inzwischen sind beide Größen nicht mehr erhältlich und die großen Flakons wurden auf 50 ml reduziert. Vor kurzem wurden dann die Travel-Sprays eingeführt sowie Kartonagen für die Düfte. Wie wichtig sind diese Veränderungen für eine eigenständige Marke wie deine auf der einen Seite und wie schwierig sind sie auf der anderen Seite?

Ja, jede Phase war ein großer Lernprozess. Die neueste Charge von 50ml Flaschen ist um einiges höher als die vorherige Version, was sie in Verbindung mit den schönen Etiketten nicht nur ästhetischer wirken lässt, sondern ihnen auch insgesamt eine bessere "Buchform" gibt... die Etiketten sind buchstäblich 8x dicker als die vorherige Version. Auch die Zerstäuber sind viel schönere und haben hochwertigere Pumpen. Unsere Deckel sind nun mit dem IA-Logo gekennzeichnet. Die Einführung der Boxen und der Travel-Sprays sind jeweils nur unsere eigene Art, die Marke wachsen zu lassen und Spaß mit dem zu haben, was wir der Welt anbieten. Die Welt der Verpackung ist nicht einfach zu navigieren, wenn man nach etwas Einzigartigem sucht. Aber ich bin froh über das, was ich gelernt habe und hoffentlich können wir weiterhin neue und interessante Dinge schaffen.

Mit deiner Arbeit an der Duftlinie von The Sum hast Du auch mal etwas anderes gemacht. Gibt es noch andere Marken, die Du als möglichen Kollaborationspartner siehst? Oder kommen die Leute eher direkt auf dich zu und fragen nach einer Zusammenarbeit?

Ich liebe es, Parfum zu machen. Ich wünschte wirklich, ich könnte meine ganze Zeit damit verbringen, Düfte zu schaffen und anzupassen. Ich arbeitete mit The Sum, weil er meine Vision liebte, wie seine Düfte funktionieren könnten, ganz zu schweigen davon, dass seine Linie ganz anders ist als alles, was Imaginary Authors je gemacht hat und noch tun wird. Ich finde es gut auch mal in der Lage sein zu können, etwas anderes mit einer fremden Marke zu machen. Ich habe erst vor kurzem mit Sam Rader von Dasein zusammengearbeitet und Winter Nights geschaffen, welcher auf 400 Flaschen limitiert und fast sofort ausverkauft war.

Ich werde oft gebeten, personalisierte oder exklusive Düfte zu machen, aber dazu brauche ich einen speziellen Moment, in dem ich die Energie den Willen habe, diesen Duft zu schaffen. Ich möchte nämlich an das glauben können, was ich tue und an dem ich arbeite. Ich bin sehr glücklich, die Möglichkeit zu haben auch genau das zu tun.




Bist Du ein Duftsammler und wenn ja, wie groß ist deine Sammlung? Gibt es einen Duft, den Du sehr magst und regelmäßig trägst neben deinen eigenen?

Ich habe eine riesige Sammlung! Ich trage vor allem eine Menge meiner eigenen Formeln... und der Kauf von Parfums hat sich mittlerweile in den Kauf neuer Rohstoffe verwandelt. Doch ich liebe den animalischen Amberduft „LuiWinter Nights für eine lange Autofahrt bei kaltem Wetter, „SadanneWinter Nights von Montale ist ein Langzeitfavorit von mir. Lubin's „Vetyver“ ist mein liebster Vetiver-Duft, Czech & Speake's „Oxford & Cambridge“ ist ein exquisiter und einzigartiger Lavendel-Duft, über den nicht zu oft gesprochen wird. Ich könnte eigentlich endlos weiter machen… YSL „Rive Gauche“ war für eine lange Zeit mein Favorit, als ich jünger war.

Gibt es Pläne für eine breitere internationale Vermarktung von Imaginary Authors oder ist das nach wie vor schwierig?

Ich liebe es mit dem Einzelhandel zusammen zu arbeiten, und ich bin immer auf der Suche nach guten Boutiquen rund um die Welt. Wir sind langsam dabei neue internationale Einzelhändler hinzuzufügen. Ich möchte, dass auch unsere Handelspartner eine gute Erfahrung mit Imaginary Authors haben und ich würde gerne mehr hinzufügen, wenn eine gute Handelsbeziehung geschaffen werden kann.

Was ist dein aktueller Bestseller? Immer noch Memoirs of a Trespasser?

Memoirs ist vielleicht unser Flaggschiff, aber Cape Heartache, Every Storm a Serenade und Slow Explosions verkaufen sich auch gut... Die Leute sind auch weiterhin auf der Jagd nach A City on Fire, von dem wir entsprechend viel verkaufen.

Gibt es bereits irgendwelche News für 2017 zu verraten?

So viel spannendes wird kommen! Wir haben ein paar Lancierungen für 2017 geplant, sowie die Veröffentlichung unter ersten Linie von Duftkerzen, deren Entwicklung sehr lange gedauert hat. Ich bin so begeistert, sie endlich mit der Welt zu teilen! Das Beste ist einfach sich in den Newsletter einzutragen um auf dem neuesten Stand zu bleiben!

Ein Teaser?

“Tomorrow I will fight, but tonight, I recline into a dream of muddled mint and ice” - Milton Nevers

Das Interview führte Franfan20, vielen Dank!

Carlos Huber ist der Gründer und Creative Director von Arquiste, einer der jüngeren Nischenmarken in der Duftszene. Huber, der Architekur studierte, lässt Aspekte seiner zwei Leidenschaften - Architektur und Geschichte - in seine Duftkreationen einfließen. Eine olfaktorische Momentaufnahme bestimmter Zeitpunkte in der Geschichte, abgefüllt in Flaschen und aufgebaut wie ein Gebäude.

Wenn man sich deinen Lebenslauf anschaut, sieht man eine Menge verschiedener Berufe und Fertigkeiten. Wusstest Du bereits in jungen Jahren, was Du später beruflich machen möchtest?

Tatsächlich ja, ich hatte schon immer die Liebe zur Architektur und der Geschichte in mir, deshalb wusste ich früh, dass ich etwas machen will, was mit diesen Themen zu tun hat.

Um kurz auf deinen Hintergrund in Architektur einzugehen, gibt es ein bestimmtes deutsches Bauwerk, dass du magst oder hast du einen speziellen Lieblingsort in Deutschland?

Obwohl ich kein Experte in deutscher Architektur bin und es womöglich nicht das schönste Gebäude der Welt ist, mag ich Schinkels Bauakademie in Berlin. Ich war sehr gespannt es in natura zu sehen, als ich zum ersten Mal Berlin besuchte, weil ich es intensiv in der Architekturschule studiert hatte. Ich finde, dass die deutsche Architektur eine der besten der Welt ist und es in Deutschland viele schöne Orte gibt. Ich empfand z. B. Hamburg als sehr schöne Stadt. Ich hoffe daher, dass ich in naher Zukunft mehr durch Deutschland reisen kann.

Deine Parfummarke Arquiste gibt es mittlerweile seit 4 Jahren und sie erfährt viel positive Resonanz. Hast Du dich in der Branche sofort willkommen gefühlt? Wie würdest Du deine Reise mit wenigen Worten beschreiben?

Natürlich gab es Höhen und Tiefen, aber ich hatte das Glück meine Marke in New York starten zu können und deshalb bereits im frühen Stadium viel Unterstützung erhalten. Ich konnte mit Zeitschriften und anderen Medien, Geschäften und Einzelhändlern - national und international - sowie dem Parfum-Haus Givaudan in Verbindung treten. Das alles half mir sehr Arquiste relativ schnell zu veröffentlichten und einer breiteren Masse an Publikum präsentieren zu können. Das Konzept meiner Marke ist für mich etwas ganz Besonderes und Teil meiner Authentizität. Aber eine Sache, die man lernen muss, ist ruhig zu bleiben und geduldig zu sein, denn Wachstum und Bekanntheitsgrad brauchen Zeit, besonders dann, wenn man ein gutes Produkt auf den Markt bringen möchte. Man muss entsprechend hart arbeiten. Und vor allem ist es auch ein kontinuierlicher Prozess, bei dem ich fortlaufend lerne.

Die Sozialen Netzwerke sind heutzutage ein sehr wichtiger Teil des Alltags im Allgemeinen. Auch viele Parfummarken verwenden sie für Marketing und die Vorstellung von neuen Produkten. Würdest Du sagen, dass die Möglichkeit, den Menschen regelmäßigen Einblick in deine Arbeit zu geben, es für eine Marke wie Arquiste einfacher macht bekannt zu werden und die Popularität zu steigern, besonders zu Beginn?

Definitiv, ja. Es unterstützt mich darin zu zeigen, dass Parfum für mich eine Leidenschaft ist, in die ich mein Herz und meine Seele stecke. Ich würde sagen, dass die Menschen so in der Lage sind zu erkennen, dass es hinter einer Marke tatsächlich echte Menschen gibt, die eine gewisse Hingabe an den Tag legen und dass es ein absoluter Full-time Job ist. Meine Intention in den Sozialen Netzwerken ist es, die Aufmerksamkeit der Menschen auch auf den Prozess der Parfumherstellung zu lenken. Es gibt natürlich wie überall positive und negative Seiten, die dabei zum Vorschein kommen. Es ist immer schön, Feedback zu deinen Kreationen zu hören, aber Kritiker können dich auch zerreißen. Ich lese das Feedback zu meiner Marke, weil ich der Überzeugung bin, dass die Interaktion mit den Menschen, die die Entwicklung meiner Marke verfolgen, auch wichtig ist. Ich bin aufmerksam und lese in regelmäßigen Abständen, um meinen Fans und Kunden etwas zurückgeben zu können. Doch wenn jemand etwas kritisiert, nur um es niederzumachen, denke ich, ist es besser, überhaupt nichts zu sagen.

Du hast erwähnt, dass Rodrigo Flores-Roux und Yann Vasnier enge Freunde von dir geworden sind und du viel über das Parfumhandwerk von ihnen gelernt hast. Ich nehme an, eure Freundschaft beeinflusst eure Arbeit auf eine Art und Weise, die anders ist als wenn du mit irgendwelchen Menschen zusammenarbeiten würdest. Würdest Du sagen, dass die Arbeit mit deinen Freunden immer harmonisch verläuft oder gibt es auch manchmal Meinungsverschiedenheiten?

Das Besondere an unserer Arbeit ist, dass wir zuerst Freunde wurden und dann beschlossen haben, zusammen zu arbeiten. Wir arbeiten zusammen gerade weil wir Freunde sind. Natürlich sollte man dann sensibler sein und die Dinge entsprechend sorgfältiger bewerten, aber wie bei jedem kreativen Prozess gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten, aber niemals Streitigkeiten. Rodrigo und Yann wissen sehr genau, was sie tun und dank Givaudan können wir die besten Zutaten verwenden, die wir bekommen können, so dass ich sehr stark von ihrer Erfahrung profitiere. Ich als Entwickler und Creative Director weiss viel über Marketing und wie man einer Marke ein Gesicht gibt. Ich habe mitunter die Möglichkeit mit anderen Leuten zu sprechen als Rodrigo und Yann es tun und kann ihnen so Feedback von anderen Bereichen des Marktes geben, die sie normalerweise vielleicht nicht hören würden. Ein ebenfalls wichtiger Punkt für unsere Zusammenarbeit ist, dass sie mich perfekt verstehen. Ich habe in der Regel für meine Düfte eine bestimmte Vision im Kopf und ich würde nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die nicht in der Lage wären, meine Vision in einen Duft zu übertragen. Ich muss eine gewisse Verbundenheit fühlen.

Mittlerweile gibt es auch Düfte speziell für andere Outlets wie J. Crew und zuletzt El Palacio de Hierro. Wie kam es dazu? Gab es den Anspruch, dass sich die Düfte deutlich von dem Arquiste-Konzept unterscheiden sollen?

Mit diesen Veröffentlichungen kann ich an etwas leicht abgewandeltem von Arquiste arbeiten. Die Arquiste-Kollektion ist sehr konsequent in ihrem Ansatz jedem Duft eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort zuzuordnen. Jeder Duft erzählt eine Geschichte, die von Herzen kommt und gewissenhaft recherchiert wird. Die Düfte müssen jeden Aspekt davon widerspiegeln können. Das macht die Düfte komplexer. Bei den Kollaborationen mit J.Crew, El Palacio de Hierro oder St. Regis Hotels können wir an Konzepten arbeiten, die etwas anders sind, auch wenn sie immer etwas von dem „Geschichtenerzähl“-Aspekt von Arquiste innehaben. In diesem Fall erzählen sie dann eine Gesichte, die die spezifische Marke betrifft, mit der wir zusammenarbeiten. Wir können so auch eine andere Art von Kunden in einem anderen Markt erreichen. Die J. Crew und El Palacio de Hierro Düfte haben einen anderen Stil als Arquiste. Mit den Düften für El Palacio de Hierro, die im Wesentlichen Soliflores sind, sind wir zum Beispiel in eine Richtung gegangen, die von natürlichen Akkorden geprägt ist, mit einem Gefühl von Frische und Leichtigkeit, mehr wie ein Eau de Cologne. Sie sind fröhliche, liebliche Düfte, was nicht bedeutet, dass es ihnen an Eleganz fehlt. Sie stellen eine leichtere, zugänglichere Art von Kollektion dar.


Hast Du jemals darüber nachgedacht, einen Duft komplett auf eigene Faust zu schaffen?

Ich bin eine Nase und ein Duftentwickler, aber kein Parfumeur. Ich habe nicht die formale, berufliche Ausbildung und das Diplom, die ein Parfumeur durchlaufen muss. Allerdings habe ich das Handwerk ein wenig studiert und entsprechende Erfahrung als Entwickler, welcher einen wesentlichen Part bei der Kreation eines Duftes einnimmt. Ich habe nicht das Bedürfnis einen Duft ganz allein zu schaffen, weil ich das Talent und die Sachkenntnis, die ein Parfumeur hat, respektiere. Er ist derjenige, der an der Formel arbeitet... als Entwickler bin ich derjenige, der mit dem Konzept kommt, den Prozess leitet und den Duft letztlich bewertet. So ist es ein kollaborativer, kreativer Prozess. Man kann nicht vorgeben, alle Rolle abzudecken und ich würde niemals so anmaßend sein, das zu tun.

Welche anderen Düfte trägst Du? Gibt es irgendwelche spezifischen Düfte oder Marken, die Du magst?

Natürlich trage ich auch andere Düfte. Ich mag Sycomore von Chanel zum Beispiel sehr gern und ich habe auch eine Duft-Sammlung. Ich trage ab und an verschiedene Düfte, aber meistens doch meine eigenen. Manchmal ist das gar nicht so einfach, da ich kontinuierlich am Vermarkten und Evaluieren einer Marke bin. Die Leute sollen erkennen, dass ich Düfte nicht einfach auf den Markt werfe, nur weil ich es kann. Ich bin nicht derjenige, der lediglich schaut wo es hinführt und wenn es nicht erfolgreich wäre dann fallen lässt. Ich glaube wirklich an meine Arbeit, deshalb wäre es keine Option für mich meine eigene Marke nicht zu tragen und in meinen Augen einfach nicht authentisch.

Abgesehen von deinen Düften kommt auch dein Mode-Stil sehr gut an. Du schaffst es, immer perfekt auszusehen, besonders jetzt, da du beschlossen hast dein Aussehen ein paar Mal zu verändern. Machst Du dein Styling komplett allein?

Ja, das stimmt. Ich mache alles alleine. Für mich geht es dabei aber weniger um die Mode selbst, ich lege meinen Fokus auf den Stil. Ich trage das, wovon ich denke, dass es am besten für mich funktioniert und ich denke ich weiß, was ich tue. Natürlich fühle ich mich geschmeichelt von solchen Komplimenten, aber ich würde mich nicht als eine Art Mode- oder Stil-Ikone bezeichnen. Manchmal ist die Welt ein bisschen zu besessen von Image und dem Druck perfekt sein zu müssen.

Kannst Du mir ein Ziel nennen, dass Du gerne dieses Jahr oder in naher Zukunft persönlich oder beruflich erreichen möchtest?

Ich möchte Arquiste als Marke noch weiter etablieren und wachsen lassen. Ich möchte in naher Zukunft gerne eigene Arquiste-Filialen haben, so dass das Geschichts- und Architekturkonzept auch visuell dargestellt werden kann. Ich möchte dieses Konzept, das mir sehr am Herzen liegt beibehalten und in der Lage sein, die bestmögliche Qualität meiner Produkte zu halten. Ich wünsche mir sehr, dass meine Marke als etwas Authentisches und Langlebiges erkannt wird.

Das Interview führte Franfan20, vielen Dank!

8 Antworten

Sehr verehrte Madame Delacourte, lange Jahre waren Sie Teil der Guerlain-Familie, genauso wie Thierry Wasser. Nun gibt es eine zusätzliche Leidenschaft in Ihrem Leben: Die Veröffentlichung einer eigenen Duftlinie hat einen ebenso hohen Stellenwert gewonnen! Wie kam es zu diesem Schritt?

Ich stamme aus einer Unternehmerfamilie, die mich immer unterstützt und angeregt hat. Schon seit langem trug ich mich mit dem Gedanken, eine eigene Marke zu gründen und ein anderer junger Unternehmer verschaffte mir die Flügel, eigene Wege zu gehen und mit viel mehr Freiheit eine eigene Linie ins Leben zu rufen! Unser Ziel ist es, Menschen, die mehr und mehr nach exklusiven Parfums suchen, Authentizität und Wissen über die Düfte, die sie kaufen, zu gewährleisten. Daher auch die Entdeckungsreise, die wir auf unserer Website anbieten.


Als Sie das Thema der Duftlinie wählten, entschieden Sie sich für die Richtung “Muscs” (Moschus) - ein Synonym für weiche, kuschelige Wohlfühldüfte. Wie kamen Sie auf diese Richtung?

Ich wollte mich von anderen abheben und wählte eine Grundidee und einen bestimmten Rohstoff, um daraus 5 verschiedene Düfte zu erschaffen. Viele erwarteten eine Anleihe an die “Guerlinade” oder neue Gourmands, aber ich wollte eine neue Aufgabe, einen Anreiz, darum wandte ich mich dem weißen Moschus zu.

1. In der Nischenparfümerie findet man wenige Düfte zu diesem Thema, und wenn, dann ähneln sie sich sehr im Aufbau.

2. Ist es kompliziert, mit weißem Moschus zu arbeiten, er ist nicht sehr ausdauernd und es ist ein Ansporn, ihn in jedem Duft neu zu erfinden.

Nun findet man in meiner Kollektion 5 verschiedene Interpretationen zu diesem Thema, zum Beispiel: Smeraldo hat eine grüne Facette, während Helicriss eine würzige aufweist. Mein Ziel war es, ihnen eine große Projektion zu geben, sie erinnerungswürdig zu gestalten, aber natürlich auch kuschelig, denn ich nenne sie auch die “Pashminas der Duftwelt”.

Ihre Kollektion umfasst derzeit 5 Parfums in der Eau de Parfum Konzentration: Smeraldo, Dovana, Helicriss, Lilylang und Florentina. Während alle wunderschön, märchenhaft und sehr angenehm zu tragen sind, fragen wir uns, ob Sie auch in andere Richtungen gehen möchten? Zum Beispiel mit der Verwendung von Oud oder in die Kategorien Chypre oder Floriental?

Derzeit denke ich schon an die nächste Kollektion und arbeite auch schon daran, die Richtung zu finden, evtl. Holz, Vanille oder Zitrus.


Derzeit kann man Ihre Düfte nur auf Ihrer website www.sylvaine-delacourte.com bestellen und Sie versenden in alle Welt. Ist geplant, auch in Geschäfte zu gehen?

Wir bieten die “Entdeckungsreise” auf unserer Website an, d.h. für 4 Euro inkl. Versand erhält man Proben aller 5 Düfte nach Hause geliefert und kann sie so kennenlernen. Man kann online Videos schauen, wie die Düfte gemacht werden und ich freue mich über Feedback. Man kann dann auch die Originalgröße des Duftes online bestellen. Im Moment führen wir Gespräche mit Partnern, die die Düfte genauso repräsentieren würden, wie ich es täte und erwarten, dass einige von ihnen diese in 2017 in wenige ausgewählte Geschäfte bringen werden.

Es ist ja auch riskant, einen Duft zu kaufen, von dem man nichts weiß. Daher ist es gut, dass man sie mit Hilfe des Sets testen kann. Ist auch geplant, die Produktpalette zu erweitern, mit Körperpflege o.ä.?

Wir sind ein junges Unternehmen und bauen die Marke Stück um Stück aus, aber der Hauptaugenmerk wird bleiben, Menschen auf eine Duftreise in das Herz des jeweiligen Parfums zu begleiten!

Während die von Ihnen geschaffenen Guerlain-Düfte Ihre ganz eigene Handschrift tragen, gourmand, verspielt und traumhaft sind, werden Sie in Zukunft auch weiter für das Haus Düfte kreieren oder gar noch für andere?

Ich werde keine weiteren Düfte für Guerlain mehr schaffen, aber noch auf dem Sektor “Düfte nach Maß” (Bespoke perfumes, Kreationen nach Kundenwunsch) tätig bleiben und Trainingsprogramme leiten. Auch werde ich weltweit der Botschafter der Marke Guerlain bleiben!

Das Interview führte Chanelle – vielen Dank!

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Die Suche geht weiter! Auch in diesem Jahr gibt es vom 1. – 24. Dezember täglich dufte Preise zu gewinnen.

So nimmst du teil

Trage zunächst deine Postanschrift in den Einstellungen ein, da du sonst nicht mit im Lostopf landest!

Ab dem 01.12.2016 wird täglich ab Mitternacht das Logo von Ludwig Beck auf der Detailseite eines bestimmten Parfums bei Parfumo zu sehen sein. Finde das Parfum, bei dem das Logo groß oben auf der Seite zu sehen ist und klicke auf den Link unter dem Logo!

Ein kleiner Tipp: Der Name des Parfums hat immer etwas mit Weihnachten oder Winter zu tun. ;-)

Hast du am jeweiligen Tag bis spätestens 23:59:59 Uhr den Teilnahme-Link angeklickt, nimmst du an der Verlosung teil.

Unter allen erfolgreichen Teilnehmern des Tages verlosen wir eine dufte Überraschung.

Wichtig: Du benötigst ein Parfumo-Konto mit eingetragener Postanschrift und musst eingeloggt sein, um das Logo zu sehen und teilzunehmen.

Das Gewinner-Parfum des Vortages wird täglich im Forum bekanntgegeben.

Das Parfumo-Team und Ludwig Beck wünschen viel Spaß und Glück beim Suchen!


Nicht vergessen: Auch bei Cosmetio wird gesucht! Hier geht es zum Cosmetio-Gewinnspiel

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