An den ersten Baldessarini kann ich mich noch außerordentlich gut erinnern: klassisch, elegant mit raffinierter süßlichen Würzigkeit, die mich sofort in den Bann zog. Seltsamerweise hatte ich den Duft auch recht flott wieder über. Irgendwie war man davon ordentlich übersättigt und Baldessarini Wässerchen kamen mir nicht mehr ins Haus. Noch heute wird mir beim Gedanken daran etwas flau im Magen – warum auch immer.
Doch eins muss man den Leutchen von Baldessarini absolut lassen. Feine Flakons können sie für ihre Produkte gestalten lassen. So finde ich den Auftritt von Nautic Spirit im Bootsplanken-Design definitiv stylish und passend zum nautischen Konzept. Schade nur, dass der Inhalt diese Linie nicht genauso konsequent durchzieht. Statt aquatisch, spritzig frisch oder gar trendy, schlägt der Duft einen vollkommen anderen Kurs ein.
Anfangs vernimmt man zwar noch ein angenehmes Kuddelmuddel aus süßen exotischen Früchten, die stark in Richtung Hubbabubba gehen, jedoch noch ihren Charme haben, sofern man es mag. Später entwickelt sich unser Süßwassermatrose leicht herb mit dumpfen Nuancen und einer kleinen Marzipannote. Im Prinzip ist das gar nicht mal sooo übel, auch wenn ein Hauch von Synthetik die Wellen höher schlagen lassen, als sie müssten. Das hat dann allerdings auch nicht mehr die Geschmeidigkeit und Klasse einer schnittigen 12 Meter-Yacht vor Saint-Tropez sondern eher die Behäbigkeit eines Obstdampfers im Duisburger Containerhafen.
Zum Schluss schippert Nautic Spirit mit seinen warmen Basisnoten etwas verloren im Einerlei des Duftozeans herum, ohne beeindruckende Zeichen zu setzen. Dabei möchte ich betonen, dass Baldessarini seine Hausaufgaben ganz ordentlich gemacht hat, ohne irgendwo abzuschreiben (oder sich dabei erwischen zu lassen), aber das Thema wurde gründlich verfehlt. Dafür muss man den Parfumeur nicht gleich Kiel holen lassen, denn in letzter Zeit habe ich von einigen Mainstreamern weitaus übleres vernommen. Und Charles Schumacher, das Baldessarini „Maskottchen“, muss sich dafür keine grauen Haare wachsen lassen - auch wenn die angepeilte Zielgruppe jünger, weniger wohlhabend und eher festen Boden unter den Füßen gewohnt ist.