Muss ich erwähnen, dass der Flacon ein Handschmeichler ist? Satiniert, mit „Mae West“ Formen, mag man ihn gar nicht aus der Hand legen… der goldene, geriffelte Kragen wird von einem transparenten, tief-purpurfarbenen Verschluss gekrönt, der wie in Falten gelegter Chiffon geformt ist. Couture halt.
Und dann der Duft – reif, saftig, üppig mit Honig übergossene Früchte, Trockenfrüchte. Der Rum ist bescheiden im Hintergrund, kommt nicht „spritartig“ vor. Eine feine Note entwickelt sich nach der Marmeladen-Ouverture, Osmanthus vom Allerseidigsten. Hmmm! So edel wie ein feiner Stoff, gleitend, schmeichelnd, schmelzend auf der Haut. Lange bleibt diese feminin-elegante Note, umhüllt die Trägerin wie ein Gewand. Die Ausstrahlungskraft dieses Duftes ist hoch, das EdP erfüllt den Raum und mein Mann, ca. 15m entfernt, murmelte was von: „….möchte mal wieder Pflaumenkompott mit Streusel haben!“…angeregt durch das fruchtig-süße „Kompöttchen“ in meinem Flacon, offensichtlich.
Wenn das Obst geht, bleiben die Frühjahrsblüher und lagern sich zu Honig und Obstsaft. Köstlich ist diese Mischung und keineswegs zu süss oder zu aufdringlich. Cremig und wohlwollend, passt sich dieser Duft der Gelegenheit an.
Irgendwo hinter der Orgie aus Blüten und Früchten lauern erotische Viecher, wenn auch in der Pyramide nicht genannt. Ich vermute ein lüsternes Moschustierchen und eine streitsüchtige Zibetkatze, die sich um die Obstreste keilen. Die Basis ist hautnah und ausstrahlend, warm und verführerisch, naschkatzig und lockend.
Ein Duft, der zeittypisch ist für die 90er – aber bedauerlicherweise nicht ins neue Jahrhundert durfte, obwohl er mehr „gourmand“ ist als so manches Wässerchen heute, das ausser extensiver Klebrigkeit und artifiziellem Fruchtaroma kaum etwas zu bieten hat. Ich freue mich -wie ein Tier- über meinen ergatterten Flacon !