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Contre Pouvoir (Eau de Parfum) von Brecourt

Contre Pouvoir 2011 Eau de Parfum

Apicius
27.01.2011 - 17:52 Uhr
13
Top Rezension
8Duft 5Haltbarkeit

Tee trinken und Lakritze essen!

Mit Contre Pouvoir hat sich Brecourt des Themas Lakritze angenommen. Süßholznoten werden gelegentlich in Duftpyramiden genannt, sind aber selten. So etwas bietet die Gelegenheit, sich vom Mainstream zu unterscheiden.

Die Lakritze ist sofort da, und sie ist unangenehm! Glücklicherweise haben wir sie vor allem in der Kopfnote, sie integriert sich aber dann sehr schnell und ist nach einer halben Stunde fast weg. Wiederum treten Noten in den Vordergrund, die an Tee, insbesondere an Schwarztee erinnern. Auch das ist keine allzu häufige Sache. Neben Eau Libre hätte Brecourt damit ein weiteres Tee-Parfum im Angebot der Herrendüfte. Doch während Eau Libre definitiv Mainstream ist, hat man bei Contre Pouvoir nicht den Eindruck, dass man ähnliches in jeder Douglas Filiale bekommt. Statt ozonischem Frische-Kick sollen hier aromatische, maskuline Noten den Ton angeben, Leder, Tabak, auch Vetiver. Ich denke, im Drydown tritt eine dezente Holzigkeit hinzu, und eine gute Portion Coumarin fände ich ebenfalls schlüssig.

Auf der Brecourt Webseite wird Contre Pouvoir mit Zigarre und Cognacschwenker illustriert. Das allerdings weckt ganz falsche Assoziationen - denn Contre Pouvoir ist überhaupt kein kräftig-intensives Ledermonster, das bestens in einen Rauchsalon passen würde. Ganz im Gegenteil! Contre Pouvoir wirkt schlank und dezent, vielleicht ein wenig zu dezent. Ich musste beim Testen nochmal nachlegen, weil die übliche Menge nicht ausreichte. Immerhin ist etwas Projektion vorhanden, die merkwürdigerweise 10 Minuten braucht, um sich zu entwickeln. Ansonsten verläuft die Duftentwicklung eher rasch.

Besonders fällt mir bei Contre Pouvoir auf, dass das Parfum auf Haut etwas anders riecht, als in einigem Abstand. Es scheint, als blieben Kopf- und Herznoten - insbesondere das Süßholz - näher am Körper als einige Bestandteile der Basis. Damit hat man unmittelbar auf der Haut die pikanten Anteile, doch andere Menschen werden eher eine helle Note an einem wahrnehmen. Die hat Ähnlichkeit mit Zigarettentabak, erinnert aber auch entfernt an Vanille. Sowas finde ich spannend, denn damit entzieht sich der Duft der Neugier, die ihn sofort umfassend erkennen will. Solcherart zweigeteilte Parfums haben für mich eine exoterische und eine esoterische Seite: exoterisch, denn was ich mir aufs Handgelenk sprühe, kann ich dort sofort riechen - esoterisch, denn die Duftnoten, die sich in der Projektion zusammenfügen kommen und gehen, wann sie wollen - als ein Hauch, der nur manchmal die Nase streift und dann die Aufmerksamkeit des Trägers voraussetzt.

Contre Pouvoir ist kein großer Duft, doch als Alltagsparfum finde ich es hochinteressant. Wir haben hier wirklich ungewöhnliche und seltene Duftnoten, und mit diesen geht der Parfumeur sehr verantwortlich um: Weniger ist mehr! Ich denke, an Contre Pouvoir kann man lange Freude haben. Denn an diesem Parfum stört nichts weiter, was man natürlich so oder so bewerten kann. Mich überzeugt dieser Widerspruch zwischen ungewöhnlichen Noten und geringer Intensität.

Angesichts des günstigen Einführungspreises wird Contre Pouvoir möglicherweise in meine Sammlung wandern. Ich gestehe - noch vor einem Jahr wäre mir das alles zu langweilig gewesen. Wer laute, intensive und extravagante Parfums bevorzugt - der lässt besser die Finger davon. Wer die neuen puristischen Düfte mag, z.B. Bulgari Man, Eau de Gentiane Blanche, Wonderwood oder Bang, dem sei Contre Pouvoir empfohlen.
4 Antworten
ParfumissimoParfumissimo vor 15 Jahren
Ich habe die Proben heute erhalten, und contre-pouvoir gefällt mir am besten.
Es ist wirklich ein interessanter Duft!
Ich überlege noch ob ich ihn mir bestelle.
Andi136Andi136 vor 15 Jahren
Das ist doch 1:1 Voyage D'Hermes, oder? Also grosse Ähnlichkeit besteht hier definitiv. Aber trotzdem ein guter Duft...
TrueBloodTrueBlood vor 15 Jahren
Super Kommentar. Mir gefällt Contre Pouvoir auch am besten von den Brecourt Düften.
FranFran vor 15 Jahren
Das mit der unterschiedlichen Duftwahrnehmung/Projektion bei "nah" und "fern" klingt spannend. Toll, was du hier wieder für interessante Aspekte rausfindest!