Mit ungarischen Freunden lästerten wir zu sozialistischen Zeiten: Minden potlas - Alles ist Ersatz! Wobei die Ungarn aus unserer Sicht schon ein bisschen weniger Ersatz brauchten als der gemeine DDR-Bürger. Immerhin durften die Magyaren reisen! Tulpen sind meist die ersten Frühlingablumen, die ich mir Ende Februar gönne: Dieses Jahr waren es weiße, ich habe sie mit roten Sträucherzweigen "garniert", ich meine, sie heißem Hartriegel. Tulpen verströmen ja eigentlich keinen blumigen Duft , der aromatisch oder gar lieblich wäre, eher ist es ein stumpfer, nichtsdestotrotz ausgesprochen typischer Duft, ein bisschen wie die "Nichtfarbe" weiß. "La Tulipe" eröffnet mit Freesien, die eben sehr aromatisch-lieblich , ja, und ein wenig künstlich wirken. Vielleicht eine Geizkragenspur Rhabarber, eher blumig überwuchert, nicht so dominant wie in "Le Parfum von Lacroix" im Schneckenflakon. An sich finde ich das nun nicht beklagenwert, hätte mir aber weniger Süße und mehr Tulpe gewünscht. Tulpe - nicht unbedingt als strenges naturalistisches Abbild - sondern stilisiert, dem spartanischen Wesen der Schönen gerecht werdend. Zeitweise kommt statt dessen auch etwas Flieder zum Einsatz - oder Ersatz ? Der Duft ist insofern inkonsequent, als er mit barocker Fülle daher kommt und später durchaus reduzierter wird. Diese letzte Phase ist schön, aber immer noch eine Spur zu süß. Dabei mag ich Süße in vielen Parfums durchaus - nicht aber in Erwartung der minimalistisch-idealen Tulpe. Der Ausklang ist sehr sanft, Vetiver zumindest kommt in Spardosis und passt zu sehr leichten Holzspänen. Nur: Der Ausklang kommt viel zu schnell, die Haltbarkeit ist eher eine Unhaltbarkeit!. Blütendüfte sind immer eine Gratwanderung: Soliflor und zu naturalistisch sollten sie nicht sein. Zu weit daneben geschossen wie bei "Zeta" mit den Linden , deren Blüten auch nur ein Momentchen gewährt wird, um dann in Süße zu versinken, enttäuschen auch. Gelungen dagegen finde ich die Magnolie in "Rumeur", die die Balance von natürlich-abstrakt wunderbar verkörpert.
Dieser Byredo schenkt schöne Momente - aber für die etwas verfehlte Umsetzung würde ich keinen Kranz flechten, obwohl reichlich Tulpen übrig geblieben sind. Meinen Tulpenduft stelle ich mir so wie den Flakon vor, auch wenn der für alle Düfte von Byredo Verwendung findet : Geradlinig, klar, modern - und ein bisschen mehr tulpig. Ich suche noch Ersatz!
Wunderbarer Text! Hab die Tulpe gerade drauf und finde sie wunderschön. Lacroix' Schnecke ist auf die Merkliste gewandert! Die hab ich nur als leeren Flakon in der Sammlung ;-)
Bei mir wird der am Ende zwar nicht süß, sondern sehr grün (da spielen dann eher die Blumenstengel die Hauptrolle), ansonsten bin ich d'accord: schöner spritziger Auftakt, dann Abflachung, dann wech.