Im Hause Diesel gilt wohl auch die Devise: Das Rad muss nicht neu erfunden werden, lassen wir uns lieber ordentlich inspirieren. Übersetzt heißt dies, dass man opportunistisch die Kopiermaschine anwirft. Das mag an sich schon ein Grund sein, um deren Kreationen abzulehnen, aber auch hier gilt es zu differenzieren, weil sich qualitativ mitunter die Spreu vom Weizen trennt.
Während man mit "Only the Brave Tattoo" noch einen auf La Martina macht und das Original, nennen wir es einmal stupide analog, 1:1 minderwertiger kopiert, im Falle von "Tierra del Fuego" eben Creeds "Aventus" und bei dem Diesel-Vertreter Paco Rabannes "Black XS", erweitert man dieses Mal seinen Horizont etwas mehr. Grundsätzlich lebt die Parfüm-Industrie teilweise ja auch von der Inspiration, um es einmal positiver auszudrücken. Armani hat "Dior Hommes" maskuline Iris-Lippenstift-Note neuerdings für sich entdeckt und setzt mitunter darauf - die Ergebnisse sind dabei nicht zu verachten, weil neue Facetten aus dieser Basis heraus entstehen.
So ähnlich verhält es sich bei "Fuel for Life Spirit", der offenkundig zwei Väter hat. Nämlich "One Million" und Viktor & Rolfs "Spicebomb". Schon die Kopfnote deutet dies an. Grapefruit und Zimt kommen sehr gut durch und erzeugen diese markant elegante Aura von Spicebomb. Das erreicht vielleicht nicht ganz das feine Niveau des Originals, aber teilweise mag ich diese Mischung sogar lieber. Wo die würzige Granate nachhaltig noch überraschend schwach auf der Brust ist, setzt Diesel komplementär auf jenen Hauch von "One Million" - und der ist bekanntlich recht stark. Fast aufdringlich bei einem Sprüher zu viel. Dennoch hat diese süße, leicht pralinenartige Mixtur einen interessanten Charakter, der hier ja nur zum Teil auftritt und durch die würzige Handgrante light unheimlich gut ergänzt wird. So ist "Fuel for Life Spirit" im Endeffekt sogar fast genauso gut wie Paco Rabannes Original. An Viktor & Rolfs Charisma kommt man wie erwähnt nicht ganz heran, aber das wäre ja auch noch schöner aus dieser wenig kreativen Haltung heraus.
Letztendlich kann man "Fuel for Life Spirit" als dreiste Kopie beschimpfen, die Inspiration mit Recht idealistisch verabscheuen und das Flakon in die Tonne treten. Allerdings wäre das auch irgendwie schade, denn so entgeht einem eine wirklich gelungene Kombination aus zwei bekannten Düften und kopieren muss auch erst einmal gelernt sein bzw. wurde schon wesentlich dreister praktiziert. Es ist wirklich sehr gut und das Rad muss nicht immer neu erfunden werden, wenn man es innovativ dreht. Das ist hier der Fall.
Aqvatic, das mag schon sein, den kenne ich aber noch nicht und aus dieser Sicht ist es geschrieben. Er riecht definitiv nach einem Mix aus diesen beiden Düften. Das Original "Fuel for Life" wohl scheinbar auch, eine Probe habe ich schon einmal hier.
Starker Kommentar. Spiegelt meine Gedanken dazu wieder. Ich finde ihn im Sommer tragbarer als Spicebomb, da er nach knapp 2 Stunden leicht wird und nicht zu süß bleibt...:)