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He Wood Silver Wind Wood von Dsquared²

He Wood Silver Wind Wood 2011

Apicius
17.06.2011 - 17:49 Uhr
10
Sehr hilfreiche Rezension
8Duft 7.5Haltbarkeit

Totgeglaubte leben länger!

Immer interessant ist das, was Daphné Bugey für die He Wood Serie kreiert. Die Frau kann was, und das stellt sie auch bei dem neuesten Release von Dsquared unter Beweis. Allerdings komme ich erst bei genauer Betrachtung zu diesem Urteil, denn Silver Wind Wood ist eigentlich ziemlich scheußlich.

Der Duft startet mit einer seltamen Fruchtigkeit und mit floralen Einsprengseln. Ich hatte hier den Gedanken an Trockenfrüchte mit viel Zimt! Zimt ist nun überhaupt nicht ausgewiesen – mag sein, dass ich da einer Illusion erliege. Ich jedenfalls empfinde den Auftakt als würzig-gourmand!

Die Überraschung gelingt – ein netter Gimmick – doch was kommt dann? Ich lese hier vor allem Moschus und Vanille, und ich rieche jene Variante von Moschus, die diesen benzinartigen, süßen, erdigen Touch hat – wenn es denn überhaupt ein Moschus ist. Das überrascht doch sehr. Nur die besten Vertreter ihrer Art – Le Mâle, Fleur du Mâle, Body Kouros – vermochten sich zu halten. Die Mehrzahl der Varianten, die diese inzwischen wirklich ausgelutschte Duftrichtung thematisieren, tummeln sich im Drogeriemarktbereich. Mangel an Mut kann man Dsquared hier also nicht vorwerfen. Während Dsquared mit den Vorgängerdüften Ocean Wet Wood und Rocky Mountain Wood versuchte, ganz oben mit zu spielen und wirklich aktuelle Trends zu gestalten, setzt man mit dem neuen Silver Wind Wood nun in gewisser Weise ganz unten an.

Das ist ein gefährliches Pflaster, und die Frage drängt sich auf, was denn im Fall von Silver Wind Wood den Mehrpreis rechtfertigt? Nun, richtig interessant wird das nach einer halben Stunde. Dann bereits ist die Duftbasis erreicht. Hier haben wir diesen süßlichen Benzin-Vanille-Akkord in voller Breite, aber auch - und das ist durchaus neu – eine ganz verhaltene aquatische, etwas gurken- oder melonenartige, vielleicht auch krautige Note, die jenen in Schach hält. Ein außergewöhnlicher Kontrast, der einen nicht so schnell loslässt. Das wirkt sehr lebendig, und zumindest ich bin hin- und hergerissen. Einerseits - dieser Billig-Le Mâle-Akkord – das geht gar nicht! Andererseits: die aquatisch-krautigen Anteile machen das zu einem ganz neuen und eigenständigen Erlebnis. Mit Silver Wind Wood demonstriert uns Frau Bugey dieses Mal ihre Fähigkeit, einen ganz alten Hut wieder aufzumöbeln.

Silver Wind Wood ist somit durchaus ein Parfum, mit dem man sich als Parfumfreund auseinandersetzen kann. Beide Haupkomponenten der Basis sind schon für sich genommen recht anspruchsvoll und fordernd: sie bauen einen Spannungsbogen zwischen Opulenz und Frische. Ein wenig Amber wäre zu erwähnen: der sorgt nach meinem Eindruck wohl für verhaltene Rauchigkeit und einen eher dunklen Stil. Silver Wind Wood ist in meinem Empfinden alles andere als ein belangloses, süßes Drogeriewässerchen, das man mal so nebenbei tragen kann. Ob sich dieses gewagte Experiment auszahlt?
5 Antworten
SisyphosSisyphos vor 13 Jahren
Vegetabile Aromen habe ich nicht, aber diese aquatische Note ist wirklich interessant.
JensemannJensemann vor 14 Jahren
Ich find' ihn auch völlig in Ordnung, gestern angefangen den mal anzutesten, ich war zufrieden. Hab' nun auch wieder 'n Pröbchen aufgelegt.
TomLavenderTomLavender vor 14 Jahren
Also Monsieur: Wie beschrieben doch eine "leichte Brise" eben!
LotusLotus vor 14 Jahren
Ich ahtte auch eine Probe , das war schneller weg , als drauf, ne nix was die Welt braucht, nicht für mich da gibt es billigers, das auch so billig riecht.
MonsieurMonsieur vor 14 Jahren
Also ich war nach den beiden ausgefallenen Vorgängern und der einfallsreichen Beschreibung (leichte Windbrise blablablubb) doch etwas enttäuscht; mit Wood ist hier auch nicht mehr wirklich so viel los, ist eher ein verdünnter Orientale...