Belle Chérie (Eau de Toilette) von Fragonard

Belle Chérie 2012 Eau de Toilette

Ttfortwo
12.11.2017 - 13:51 Uhr
12
Top Rezension
4Duft 4Haltbarkeit 5Sillage 9Flakon

Gerade so? Nicht einmal das.

Was ist nur mit Fragonard los?

Natürlich war Fragonard nie einer der ganz großen in der Branche und einer der innovativsten ganz bestimmt auch nicht.

Aber es gab eine Zeit, da kamen aus dem Hause Fragonard echte Parfums und ich meine NICHT die Konzentration. Ich meine: Wohl durchkomponierte Düfte nach den Regeln der Parfumeurskunst, Düfte mit Aussage, Wiedererkennungswert - und Haltbarkeit. Und zwar sowohl die beim Tragen als auch die in der Flasche.

"Fragonard" ist so einer, selbst in der Eau de Toilette-Version ein toller weißer Blütencremeduft mit jederzeit stilvoller und harmonischer Entwicklung, einem gewissen Wumms und sehr ordentlicher Haltbarkeit, auch auf der Haut. Die Flasche Eau de Toilette, die ich noch in Benutzung habe, ist sicherlich 15 Jahre alt und nicht gekippt. Das Extrait habe ich auch und das ist mindestens eine Klasse besser. "Emilie" gehört auch zu den guten, in beiden Konzentrationen ein sehr schönes und vollendetes Parfum. Und auch da sind beide Flascherl (Eau de Toilette und Extrait) schon älter, ohne wahrnehmbare Veränderung.

Es gab tatsächlich eine Zeit, in der ich Fragonardflaschen entsorgt habe, weil sie leer waren!

Lang ist's her. Jetzt tue ich es, weil die Düfte gekippt sind. Und zwar innerhalb kürzster Zeit. "Eau des Vacances" ist so einer, eher ein Düftchen denn ein Parfum, aber ein prima Sommerwässerchen, zitrisch, leichte Ingwerbizzeligkeit und dezentes Holz. Gekippt innerhalb nicht einmal zweier Jahre. Ja gehts noch? Eine noch nicht einmal halbleere Flasche "Rose de Mai": Hinüber, nach ebenfalls kaum mehr als zwei Jahren. "Vrai": Gut, da war nur noch ein Rest drin, aber: Weg, hinüber, gekippt, entsorgt.

Soviel dazu. Jetzt zu den Düften, den neueren - was kommt jetzt seit Jahren aus dem Hause? Generische Wässerchen, Mainstreamdüftchen, wogegen nicht so viel zu sagen wäre, wenn sie wenigstens gut gemacht wären. Leider finde ich die meisten davon in jeder Hinsicht armseelig. "Violette"? Blaßsüßlichfrüchtlich, unentschlossen vor sich hindüftelnd und nach einer halben Stunde auf der Haut verloren. "Mimose", ich kenne den Duft von blühenden Mimosen und konnte ihn nur mit Mühe in dem Düftchen wiederfinden. Haltbarkeit? Von 12 Uhr bis Mittag. "Pois de Senteur"? La même chose.

Unter all den Neuerscheinungen finde ich tatsächlich keinen Duft mehr, den ich haben und tragen wollte; der letzte neuere Fragonard-Duft, den ich als wirklich gelungen betrachte, ist "Encens Fève Tonka", eine unerwartete Ausnahme, weil ein wirklich fein orchestrierter Nelkenkracher mit Bumms, Sillage und ordentlicher Haltbarkeit.

Das war jetzt eine lange Einleitung für einen kurzen Verriss. "Belle Chérie" steht stellvertretend für so gut wie alles, was ich in den letzten Jahren getestet habe: Laaaaangweilig.

Das fängt mit einer kräftigen Ananas an, die für einen kurzen Moment gar nicht so schlecht ist, dann aber in eine dünne Fruchtbonbonnote aussuppt. So bleibt es auch, man könnte es mit viel Liebe frischlich-wässrig nennen. Ich nenne es blassfad. Und das war es auch schon und mehr kommt nicht.

Ende der Vorstellung, Vorhang, kein Applaus.
Aktualisiert am 13.11.2017 - 11:39 Uhr
3 Antworten
IngerInger vor 8 Jahren
Der hat mich auch nicht vom Hocker gerissen.
FvSpeeFvSpee vor 8 Jahren
Schöne Abrechnung, das!
SeeroseSeerose vor 8 Jahren
Den fand ich ebenfalls belanglos.