Ich habe mal gelesen, dass es über hundert verschiedene Arten gibt, einen Krawattenknoten zu binden. Ich beherrsche vier, wenn ich scharf nachdenke, vielleicht fünf - und ich vermute, damit gehöre ich schon zu den Fortgeschrittenen. Im Alltag - in meinem Fall: fünfmal die Woche - tatsächlich verwenden tue ich zwei - und auch das, so schätze ich mal, ist 100% mehr als der deutsche Durchschnittsmann.
Der hierzulande populärste Knoten ist der sogenannte Windsor. Er ist symmetrisch, gilt als leicht zu binden und passt zu den meisten Gesichts- und Kragenformen. Weil ihn aber nun jeder trägt - Männer, die nur ganz selten Krawatte tragen, können meistens auch nur den - und er aufgrund seiner dreieckigen Symmetrie immer ein bisschen bieder und langweilig aussieht, nennt man ihn auch 'Sparkassenknoten'.
Spannender und gleichermaßen leichter wie viel schwieriger zu binden ist der sogenannte Four-in-Hand. Ihn technisch zustande zu bringen, ist einfach - ihn gut aussehen zu lassen, hingegen nicht. Der Four-in-Hand ist asymmetrisch und fältelt - wenn denn gut gebunden - die Seide in einem Winkel und mit einem leichten Seitenschwung, der die Hemdbrust viel lebendiger aussehen lässt - und von der Könnerschaft seines Träger kündet. Das Geheimnis ist dabei, dass er - wenn gut gebunden - zwanglos aussieht, fast ein bisschen nachlässig. Dass man im gerade richtigen Moment den Finger wegnehmen muss, bevor man den Knoten anzieht, und dass es - an schlechten Tagen - manchmal drei oder auch vier Versuche braucht, bis er denn richtig sitzt, darf man ihm nicht ansehen. Mit guten Krawatten gelingt er leichter, aber man muss es schon beherrschen: den Schwung, das Loslassen im richtigen Moment. Und ihn sofort, nachdem man ihn gebunden hat, vergessen.
Wieso erzähle ich das? Einerseits, weil ich die Kunst, eine Krawatte zu binden, schätze (weniges sieht besser an einem Mann aus als ein souverän gebundener Knoten zu einem guten Hemd). Und zweitens, weil es mit den zitrischen Colognes ein bisschen so ist wie mit Krawattenknoten. Es gibt von ihnen hunderte, viele sind sich vordergründig ähnlich. Und doch sind manche einfach ein bisschen besser als die anderen.
Geo F. Trumpers West Indian Extract of Limes ist ein Duft so wie ein perfekt gebundener Four-in-Hand. Zwanglos und scheinbar fast ein bisschen nachlässig - doch liegen genau darin sein Charme und seine Souveränität. Er spielt den Zitrus von Anfang an mehrstimmig - nicht nur Limette, wie sein Name vermuten ließe - gibt etwas Grünes hinzu und etwas beinahe bläulich Frisches, einen Augenblick lang in der Kopfnote fast laut. Und dann - weil er ja ein Cologne ist - zieht er sich auch schon zurück, bleibt spürbar, aber doch so federleicht, dass man vergessen könnte, dass man ihn trägt. Der Four-in-Hand ist der wohl englischste unter den Krawattenknoten (wobei man ihn auch häufig an - gutgekleideten - Italienern und Franzosen sieht; Amerikaner und Deutsche bevorzugen jedoch den Windsor) - dazu ein urenglisches Wässerchen wie West Indian Extract of Limes - and I guess it doesn't get any better than that...
Fazit: einen guten Four-in-Hand zustande zu bringen, empfehle ich jedem Mann zu üben. Und West Indian Extract of Limes mindestens mal zu probieren, auch.
So unterschiedlich die Menschen... Ich habe immer davon geträumt, eines Tages ohne Krawatte zu leben. Mit 39 Jahren habe ich dies erreicht. Von 219 Krawatten ~ auf 0 reduziert. Ich gehe auch "den letzten Weg" mit mir lieben Menschen... ohne. // Ganz allgemein: weniger geübte Knotenbinder, kommen meist mit gefütterten Krawatten besser zurecht, bzw. sieht das Ergebnis "brauchbarer aus". ~ Ich finde, ein sehr schöner Duft! - danke.
sowieso und schon immer war und bin ich froh, kein mann zu sein - aber jetzt erst, puh...! hundert verschiedene arten, verrückt. wieder einmal bildungsprogramm für mich - danke schön !