Wer diese exotisch anmutenden, sich intensiv bemerkbar machenden "Herrlichduftkompositionen" liebt, in denen ein Event der Opulenz stattfindet über wunderbare Fruchtigkeit, verhaltene Süße, Blumen, Holzigkeit und Würze, welche harmonisch miteinander verbunden ein von Gold funkelndes Fest feiern, der ist bei diesem Grossmith sofort eingeladen, mit zu feiern !
Flankiert vom nahen Eichenwald, weht zu dieser handverlesenen Gesellschaft ein herb-würziger Hauch herüber - all´das öffnet die Sinne für jede Phantasie - und man schwelgt in der Nacht dieses rauschenen Festes, währenddessen von irgendwo Klarinettenklänge von Gershwins "Summertime" den wunderschönen Eindruck abrunden. - Es ist Hochsommer - Lebensfreude in purer Form !
(Dank Deiner Beigabenphiole, liebe Sweetsmell, durfte ich mich zu diesem Ereignis eingeladen fühlen.)
Zum Duft:
Zugegeben, er fängt nicht leise an - überrascht mit exzellenter Fülle, ist sofort präsent, ein zitrisch-floral-holzig-würziges Dufterlebnis - wird sanfter, etwas pudriger und entwickelt sich mit den vergehenden Stunden zu einer dezent hell schillernden Aura, die Farbe des Goldes! Fantastisch ! Wie allerdings Patchouli in diesem Fall auf den Duftverlauf wirkt, kann ich als "Riechanfängerin" noch nicht so recht bestimmen. Evtl. weiß das jemand in den unüberschaubaren Weiten von Parfumo und könnte insofern dozierend eingreifen.
Vielleicht trägt er/es das Erdige und Erotische bei, das hier unbedingt mitschwingt.
Sillage/Haltbarkeit:
Für meine Begriffe ausreichend weitreichend; umgarnt die Umwelt aufmerksamkeitsheischend, um sich dann unaufdringlich edel beizeiten (nach etwa 4-6 Std.) diskret an den Körper anzuschmiegen.
Für mich gibt es ja eigentlich nicht wirklich die Aufteilung in Sommer- oder Winterduft. Diesen hier würden manche wohl schon als schwer einstufen; ich empfinde ihn als einen sehr anschmiegsamen Chypre, trotz des erstaunlich präsenten Anfangs, und tragen würde ich ihn zu jeder Jahreszeit. Mein Credo ist allerdings: Erlaubt ist was gefällt, wann´s gefällt und wo´s gefällt. Dezente Verwendung ist eh´erste Bürgerpflicht! Und - der Anlaß macht den Duft !
Fazit hier: Für Menschen, die keinerlei Scheu vor Düften haben, die verhältnismäßig ausgeprägt, mit Charakter versehen und sehr gut vernehmbar sind.
P.S.: Wusste gar nicht, das dieses Parfum schon 1888 kreiert wurde - "an der Schwelle zur modernen Parfümerie". Ein Duft aus einer anderen Zeit - ja -, warum nicht auch heute noch etwas vom Hauch der Belle Epoque in unsere lassen!
Mitnichten altmodisch. Ich finde ihn betörend!
Ein wunderbarer Duft für die Seele, die mal im Vorgestern, Gestern oder im Heute schwingt 🍃