Beswingter Post-Milleniums-"HR" mit besonderem, dezentem Haselnuss-(Nutella?)-Hauch
Irgendwie, muss ich sagen, hat jede mir bisher in die Hände geratene Variation von "Habit Rouge" was.
Das Original aus den roaring sixties bleibt für mich unangefochten die Messlatte schlechthin. Die Komplexität, Vielschichtigkeit, atmosphärische Besonderheit bleibt einmalig, das Opulente, auch Barocke dabei macht es aber fraglos zu einem Duft, der schlicht und einfach nicht jeden Tag geht und der Träger muss auch schon in der entsprechenden Stimmung sein.
Das noch recht junge "Eau de Parfum" ist blumiger, zugänglicher, aber auch etwas flacher, letztlich massentauglicher.
Die etwas unsportliche "Sport"-Variante mag den Namen "Habit Rouge" am weitesten dehnen, ihn vielleicht sogar etwas ausleiern, geht der Spagat zum Asiatischen mit Bambus durchaus weiter, als vielen Klassikerliebhabern recht sein mag.
Das noch ziemlich neue "L´Eau" nun bekommt einen erstaunlich guten Bogenschlag in die Moderne hin, ohne das Original zu verleugnen oder gar dessen DNA zu beschädigen. Mühelos erkennbar ist das Pudrige, Orangige, etwas Bonbonartige, das so typisch für den 1965er-Klassiker ist.
Weniger animalisch und ledrig zeigt das "L´Eau" sich allerdings, es wirkt etwas frischer, lebhafter, wobei der Sonntagsnachmittagsspaziergang immer noch der ideal denkbare Einsatzweck als Assoziation im Kopf herumgeistert.
Es bleibt stilistisch pudrig, leicht fruchtbonbonartig, butterweich, nur eben etwas heller, sommerlicher als im Original. Was fraglos das Besondere an dieser Variante ist? Für mich die Akzentverschiebung zur Haselnuss. Leimbacher erkennt sie nur mit viel Mühe, ich meine aber, dass tatsächlich, nachdem die Startorange etwas abflacht, sich ein behutsamer, minimal süßlicher Haselnusston dazugesellt, der einem vielleicht eher auffällt, wenn man mal über ein Nutellaglas rüberriecht.
Hier kokettiert Guerlain mit einem Gourmanddrift, der einen neuen Akzent verleiht und sich perfekt in das Zusammenspiel von gepuderter Orange, leicht blumiger Jasmin und butterweich sinnlicher Vanille einfügt.
Der Duft ist europäischer, südländischer geraten als das Original und das Parfum, die beide stärker mit orientalischen Einflüssen liebäugeln. Zugleich verschiebt die Gebrauchsjahreszeit sich mehr in Richtung der Sommermonate, vorzugsweise Früh- und Spätsommer. Für brachial heiße Tage mag das "L´Eau" dann doch immer noch eine Tick zu pudrig und lieblich zu sein. Ansonsten aber wirklich eine absolut gelungene Variation.
Ich kann mich in allem nur anschließen! Gransios treffender Kommentar! Eine wunderbare leichtere Interpretation dieses Meilensteins!
Mich macht er einfach nur glücklich... :-)
Jetzt bist Du nach Leimbacher schon der zweite, der von dem Duft so schwärmt, jetzt muss ich ihn endlich mal testen, auch wenn ich ihn noch nirgends gesehen haben!
Mich macht er einfach nur glücklich... :-)