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Oranges and Lemons, say the Bells of St. Clement's von Heeley

Oranges and Lemons, say the Bells of St. Clement's 2010

Bertel
16.10.2013 - 15:05 Uhr
13
Top Rezension
10Duft

What's in a name?

Ich kann mir nicht helfen - seit ich "Oranges and Lemons..." vor gut zwei Jahren zum ersten Mal getestet hatte mag ich ihn einfach, ganz irrational, wie einen Freund an dem man auch die weniger exaltierten Seiten schätzt.

Für mich ist "Oranges and Lemons, say the Bells of St. Clement's" mit der coolste Name einer Parfumkreation die ich kenne, ich muss immer wieder grinsen wenn ich mir diesen vorsage :-) Was für eine wunderbare Idee diese ganz zentrale Zeile aus dem Gedicht welches der (Anti-)Held in "1984" als sehnsüchtige Erinnerung an die tiefe, von Details und Wahrheiten getragene Vergangenheit zu sammeln und zu komplettieren versucht mit der Benennung der beiden zentralen zitrischen Bestandteilen dieses Duftes zu kombinieren, dergleichen finde ich ja absolut toll :-) (Gut, die beiden trinken in ihrem Rückzugsort Kaffee und nicht Tee wie hier im Duft als weiterer Bestandteil verbaut, aber das sind Details ;-) )

"Oranges & Lemons" ist sicherlich kein komplexer schwerer Duft, da haben meine Vorredner natürlich recht, aber für mich ist es deutlich mehr als ein schlicht-plattes Kölnisch Wässerchen, vielmehr eine mögliche Weiterentwicklung. In seiner Kopfnote fächert "Oranges & Lemons" den gesamten dunkleren, herberen Teil der zitrischen Bandbreite mit den deutlich nebeneinander wahrnehmbaren Orange, Zitrone, Mandarine, Bergamotte sowie Neroli und Petitgrain auf und stellt diesen einen wundervollen (mit Bergamotte ohnehin schon assoziierten) Earl-Grey-Ton über den Verlauf zur Seite. Ganz klare, transparente, von hell bis dunkel schimmernde kraftvolle Noten in höchster Qualität und Orchestrierung, denen sich gegen die Basis zu eine sanfte Note von Ylang Ylang sowie ein ganz zuverlässig und dennoch sanft stützender und abrundender Vetiver zugesellt. Der wie ein Uhrwerk sich sanft vollziehende Duftverlauf und die perfekte Architektur der Komposition faszinieren mich jedesmal aufs Neue. Ich nehme diesen Duft als in sich selbst in Erhabenheit und Strenge ruhend war, als kristallin glitzernd und glänzend, kühl, faszinierend, herb spröde und doch gleichzeitig auch wieder warm anziehend.

Somit ist dieser Duft meinem Empfinden nach nicht nur eine ausgezeichnete moderne und charaktervoll in höchster Qualität umgesetzte Interpretation des klassischen Cologne-Themas die auf Grund der dunklen Anteile auch hervorragend jetzt im Herbst funktioniert - auch trägt mir dieser Duft ganz wie das Bemühen von Winston Smith in "1984" die einzelnen Bestandteile wieder zusammen, ich erinnere mich an viele große Cologne-Interpretationen, die einzelnen zitrischen Komponenten werden wie die Gedichtzeilen erkennbar einer neben die andere gestellt und glänzen im Detail, und so spricht auch der Name des Duftes zu mir. Ich mag ihn sehr.

Diesem Duft schlägt hier ja nicht gerade überschwängliche Liebe und großes (Kauf-)Verlangen entgegen, aber ich werde dennoch mal ein Sharing versuchen, er ist es wert.
3 Antworten
FittleworthFittleworth vor 7 Jahren
Sehr interessanter, sehr informativer Kommentar zu einem in der Tat sehr interessanten Duft.
YataganYatagan vor 12 Jahren
Schön, dass Du wieder kommentierst!! Welcome back!
ScentistScentist vor 12 Jahren
Er ist klasse und ich freue mich, dass diesen Duft endlich mal jemand so versteht und wahrnimmt und die passenden Worte dazu findet. Pokal bleibt hier für dich zu diesem tollen Duft!!