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Top Rezension
Schade...
Schade, dass solche Düfte selbst von einer relativ bekannten Marke wie Jovoy so wenig Verbreitung finden. Irgendwie stellt sich bei mir gerade die Sinnfrage bezüglich dieses Hobbys. Ohne, dass ich z. B. einen Duft aus der Gruppe tragen würde, ist mir letzte Woche das fünfte oder sechste Spicebomb-Derivat über die Nase gelaufen. Und dazwischen bleibt auch kaum mehr was hängen, was nachhaltig fasziniert. Was suche ich eigentlich noch? Und noch viel schlimmer: Was kann den überhaupt noch entdeckt werden? Nicht falsch verstehen! Es gibt viele Düfte, die mir sehr gefallen und die dabei keinen mir bekannten Duftzwilling haben. Aber der gewisse "Aha-Effekt" in der Kombination mit ausgesprochenem Wohlgefallen ist ab Duftprobe 1.000 doch wirklich eher die Ausnahme.
Obwohl ich schon drei bis vier Jovoys probiert habe und mir alle gut gefielen reichte es, wie bei den meisten der anderen 8.207 Marken (Stand 15.10.2018) auch, nicht zur Verkostung des gesamten Sortiments. Und dennoch bleibt die Aufmerksamkeit eher an den Düften hängen, von deren Marke man schon was kennt. Und genau so war es beim Konsum von einem Video des Parfumo Sebjar (https://www.youtube.com/watch?v=MBtFMMlIdRU). Dieser mir grundsympathische und angenehm zurückgenommene Baseballkappenträger Sebastian fand den Duft erwähnenswert und äußerte dabei seine Begeisterung so beiläufig, dass mein Interesse deutlich geweckt wurde. Natürlich war, wie häufig in solchen Fällen, im Souk keine Probe, Abfüllung oder gar Rest-Flakon zu finden. Also musste/durfte ich auf die überwiegend sehr gut funktionierende Gemeinschaft, in diesem Fall namentlich auf PanicRoom, zurückgreifen. Ein drittes DANKE! auf diesem Weg an dich, mein Lieber!
Selten war die Bestellung eines Flakons so klar wie hier. Eines vorweg: Es ist nicht der Heilige Gral. Es ist nicht die Offenbarung. Aber es ist ein mir bis dato unbekannter Ansatz von Frische, Würze, Rauch und Leder gewesen, der einfach verfängt. Und das Faszinierende: Rauch und Leder lassen sich hier noch nicht mal in der Pyramide finden bzw. erahnen. Möglicherweise führt auch diese positive Überraschung zu einer un(ter)bewußten Heraufstufung meiner Bewertung?
Im Übrigen bin ich nur in wenigen Punkten in Übereinstimmung mit Yatagans Beschreibung in seinem Kommentar "Bittere Lektion". Patchouli ist hier für mich so weit hinten, dass ich ihn eigentlich gar nicht erwähnen würde. Der doppelte Vetiver hingegen ist zu keiner Zeit zu verheimlichen. Obwohl ich ein unbewusster Vetiver-Anhänger bin, muss ich es oft erst lesen, bevor ich es rieche, was hier aber eben nicht der Fall ist. Was ich sonst noch von Yatagan übernehmen würde ist die Mandarine, die für die beinahe gleißende-beißende Schärfe/Frische sorgt und damit tatsächlich für die beschriebene Kühle und das Metallische verantwortlich ist. Eine erwähnenswerte Verwandtschaft zu Sycomore verneine ich. Encre Noir kann da schon eher in den Zusammenhang gesetzt werden. Denn für mich ist es eben auch ein eher technisch, klarer (= Encre Noir), denn ein warmer, natürlicher (= Sycomore) Duft.
Insgesamt liefert Incident Diplomatique eine beeindruckende Kombination, die zwar nicht eine besondere Variabilität im Tagesverlauf vollzieht, dafür im Jetzt und Hier eine konkrete Festlegung unterlässt und somit perlmuttartig schillert. Für mich ein sehr männlicher und moderner Duft, der Sportivität und Understatement verbindet. Haltbarkeit und Sillage sind, wie bei Jovoy üblich, auf hohem Niveau. Der Flakon ist zwar schwer und schön anzusehen, dafür aber klobig und unhandlich. Verpackung und Zerstäuber sind vorbildlich und entsprechen dem damit transportierten Image.
Obwohl ich schon drei bis vier Jovoys probiert habe und mir alle gut gefielen reichte es, wie bei den meisten der anderen 8.207 Marken (Stand 15.10.2018) auch, nicht zur Verkostung des gesamten Sortiments. Und dennoch bleibt die Aufmerksamkeit eher an den Düften hängen, von deren Marke man schon was kennt. Und genau so war es beim Konsum von einem Video des Parfumo Sebjar (https://www.youtube.com/watch?v=MBtFMMlIdRU). Dieser mir grundsympathische und angenehm zurückgenommene Baseballkappenträger Sebastian fand den Duft erwähnenswert und äußerte dabei seine Begeisterung so beiläufig, dass mein Interesse deutlich geweckt wurde. Natürlich war, wie häufig in solchen Fällen, im Souk keine Probe, Abfüllung oder gar Rest-Flakon zu finden. Also musste/durfte ich auf die überwiegend sehr gut funktionierende Gemeinschaft, in diesem Fall namentlich auf PanicRoom, zurückgreifen. Ein drittes DANKE! auf diesem Weg an dich, mein Lieber!
Selten war die Bestellung eines Flakons so klar wie hier. Eines vorweg: Es ist nicht der Heilige Gral. Es ist nicht die Offenbarung. Aber es ist ein mir bis dato unbekannter Ansatz von Frische, Würze, Rauch und Leder gewesen, der einfach verfängt. Und das Faszinierende: Rauch und Leder lassen sich hier noch nicht mal in der Pyramide finden bzw. erahnen. Möglicherweise führt auch diese positive Überraschung zu einer un(ter)bewußten Heraufstufung meiner Bewertung?
Im Übrigen bin ich nur in wenigen Punkten in Übereinstimmung mit Yatagans Beschreibung in seinem Kommentar "Bittere Lektion". Patchouli ist hier für mich so weit hinten, dass ich ihn eigentlich gar nicht erwähnen würde. Der doppelte Vetiver hingegen ist zu keiner Zeit zu verheimlichen. Obwohl ich ein unbewusster Vetiver-Anhänger bin, muss ich es oft erst lesen, bevor ich es rieche, was hier aber eben nicht der Fall ist. Was ich sonst noch von Yatagan übernehmen würde ist die Mandarine, die für die beinahe gleißende-beißende Schärfe/Frische sorgt und damit tatsächlich für die beschriebene Kühle und das Metallische verantwortlich ist. Eine erwähnenswerte Verwandtschaft zu Sycomore verneine ich. Encre Noir kann da schon eher in den Zusammenhang gesetzt werden. Denn für mich ist es eben auch ein eher technisch, klarer (= Encre Noir), denn ein warmer, natürlicher (= Sycomore) Duft.
Insgesamt liefert Incident Diplomatique eine beeindruckende Kombination, die zwar nicht eine besondere Variabilität im Tagesverlauf vollzieht, dafür im Jetzt und Hier eine konkrete Festlegung unterlässt und somit perlmuttartig schillert. Für mich ein sehr männlicher und moderner Duft, der Sportivität und Understatement verbindet. Haltbarkeit und Sillage sind, wie bei Jovoy üblich, auf hohem Niveau. Der Flakon ist zwar schwer und schön anzusehen, dafür aber klobig und unhandlich. Verpackung und Zerstäuber sind vorbildlich und entsprechen dem damit transportierten Image.
6 Antworten
Jazzbob vor 7 Jahren
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Ich schließe mich des Lobes an - für deinen Kommentar und für Sebastian, der auch mein Interesse für diesen Duft geweckt hat. Private Label besitze ich ebenso und der ist schon eine Ansage!
Salmix vor 7 Jahren
Zum Duft, den ich dank Deines Sharings kennenlernen konnte: ich werde nicht so hundertprozentig warm mit ihm aufgrund einer bitter-süßlichen Note, die ich tatsächlich dem Patchouli zuschreiben würde - ähnlich dem in "Psychédélique" derselben Marke.
Salmix vor 7 Jahren
Sebastian ist auch mein Lieblings-Youtube-Reviewer - sympathisch, ruhig, gute Duftauswahl, wenn auch seine Beschreibungen oft etwas zu oberflächlich sind - andererseits besser als ausufernde Monologe. Er ist mir von seiner Art her irgendwie am nächsten, könnte aus meinem Freundeskreis sein. Tatsächlich haben wir uns aber auch schon mal getroffen - ich konnte ihm bei seinem Aufenthalt in Düsseldorf eine Abfüllung GpH1, den er bis dahin tatsächlich noch nicht kannte, überreichen. War sehr nett!
Caligari vor 7 Jahren
@ Nurmalso: Ich vermute, dass ich mit dem Etikett "Duftzwilling" etwas großzügiger umgehe als du. Auch ich habe im direkten Vergleich immer wieder nach anfänglichem Verdacht Unterschiede feststellen können. Doch was bring mir das, wenn mein Gedächtnis mit einem zeitlichen Abstand von, sagen wir mal, 2 Wochen zwei Düfte als einen zusammenfasst? Dies liegt hier mit Sicherheit nicht, aber es kommt vor.
Kovex vor 7 Jahren
Sehr schöner und informativer Kommentar. Nachdem mir Private Label schon sehr gut gefallen hat, wird auch dieser Jovoy-Duft auf meiner Merkliste landen :)
ExUser vor 7 Jahren
Sehr gerne gelesen. Was die angeblichen Duftzwillinge betrifft, habe ich inzwischen für mich rausgefunden, dass das häufig aus der Luft gegriffen ist. Beispiel: Nur weil zwei Menschen behaupten, One Love würde wie Chanel N°19 riechen, wird der hier als Zwilling erwähnt. Und das ist einfach nur Quatsch. Vielen Dank für den informativen Kommentar.

