Nach meiner Begegnung mit Bergamask einem Duft, der roch wie ein synthetisches Experiment im Limetten-Labor hatte ich Orto Parisi innerlich eigentlich schon abgehakt. Zu schräg, zu laut, zu künstlich. Doch irgendetwas liess mich nicht los. Vielleicht war es genau diese Radikalität, die mich trotz aller Kritik neugierig machte. Terroni stand schon länger auf meiner Liste, doch seine Beschreibung klang so übertrieben, dass ich skeptisch blieb. Ein Duft, der wie glühende Erde riechen soll? Wirklich?
Und trotzdem: Ich konnte nicht widerstehen.
Ich sprühte mir also Terroni auf den Unterarm und sofort kam mir ein anderer Duft von Alessandro Gualtieri in den Sinn: Black Afgano Extrait de Parfum . Irgendetwas erinnerte mich daran, zumindest vom Gefühl her. Leider konnte ich es nicht ganz einordnen, da ich meine Black Afgano Extrait de Parfum Abfüllung vor Jahren verschenkt habe und seitdem nicht mehr gerochen habe. Der Vergleich bleibt also unklar, aber die Assoziation war auf jeden Fall da.
Was mir beim ersten Riechen ebenfalls auffiel: Auch Terroni wirkt auf mich relativ synthetisch. Ähnlich wie Bergamask hat auch dieser Duft einen klar künstlichen Einschlag. Doch seltsamerweise stört mich das hier überhaupt nicht. Während Bergamask versucht, Natürlichkeit vorzutäuschen und dabei ins Unheimliche kippt, hat Terroni gar nicht erst den Anspruch, "echt" zu wirken. Er will nicht nach einem Wald, einer Blume oder einer Frucht riechen – sondern nach etwas Elementarem, Grobem, fast schon Mythischem. Und da passt die künstliche Note irgendwie ins Bild.
Der erste Eindruck von Terroni war gar nicht schlecht. Nur konnte ich mir absolut nicht vorstellen, wann ich diesen Duft jemals tragen sollte. Er ist so speziell und auffällig, dass er zu keinem Moment wirklich zu passen scheint. Und dann war da dieses Rätsel: Ich konnte einfach nicht sagen, wonach er genau riecht. Vielleicht ein bisschen nussig? Rauchig? Etwas muffig? Aber nichts, was ich klar benennen konnte. Kein "Ah, das riecht nach XY", sondern eher ein Gefühl, das schwer zu greifen ist.
Nach ein paar Tagen Testen hat sich der Duft langsam geöffnet und dann fiel es mir plötzlich wie Schuppen von der Nase: Da war etwas Salziges, fast Metallisches im Hintergrund. Und genau das brachte mich auf die Assoziation. Terroni riecht für mich wie ein leicht verkohltes Laugenbrötli. Oder wie wir in der Schweiz sagen ein "Silserli", das etwas zu lange im Ofen lag. Nicht verbrannt, aber deutlich geröstet mit dieser typischen Mischung aus Lauge, Kruste und einem Hauch von Rauch.
Lustigerweise esse ich genau so ein mit Natronlauge behandeltes Gebäck fast jeden Morgen zum Frühstück. Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages ein Parfum tragen würde, das mich an mein Frühstück erinnert nur eben in wilder, rauchiger, fast vulkanischer Form.
Nach vielen Sharing-Enttäuschungen endlich wieder ein Duft, der es auf meine Wunschliste geschafft hat. Toller, warmer Duft! Die vielleicht vorhandene Ähnlichkeit mit Black Afgano muss ich noch überprüfen. Zum Glück habe ich meine Probe noch.