Die Winterdüfte sind noch im heftigen Gebrauch (wobei ich etliche meiner Orientalen auch im Sommer die Sonne genießen lasse)- aber die Sehnsucht nach Blumen überfiel mich dieses Jahr besonders- und besonders früh. Dabei bin ich nicht einmal ein sonderlicher Fan von Blumendüften. Aber schon seit Dezember plagt mich Blumenlust: "Bas de soie", "Vitriol d OEilette" "Tubereuse criminelle" - und jetzt eben die Würzlilie. Oh-Lilie: Einen Augenblick glaubte ich, Bergamotte zu begrüßen, doch schon pudert es safranbepinselt. Lilie - einen speziellen, überaus typischen Geruch habe ich jetzt nicht erwartet, eher abstrakte, weiß gedachte Blumigkeit. Die Lilie ist eine symbolbeladene Blume: Zeichen der Königswürde, Lichtsymbol,sogar die Pfadfinder bedienen sich ihrer, sie gilt aber auch als Verkörperung der Unschuld, besonders im Zusammenhang mit der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria, um nur einige Bedeutungen zu nennen.
Doch eine weiße Unschuld ist sie nicht,denn sie ist flankiert von der Nelke,die ich jetzt eben auch einfach mal für weiß erkläre - ja, und die beiden jugendstiligen Damen, eine mit dem eleganten,nach oben gezackten Spitzhut, die andere mit leichter Rüschung an der Hutkrempe, haben etwas Pfefferspray bei sich, um gegen Verführer gewappnet zu sein, wenigstens als Alibi.Dabei tuscheln sie miteinander darüber, was sie heimlich-gern so treiben, mit unschuldigster Miene (ich glaubs nicht!) und kokettem Getue.Dabei verströmen sie die verführerischsten Düfte und denken sich gerade wieder etwas Feines aus. Empfängnisbereit- nein! Empfangsbereit- eindeutig ja! Die beiden sind lüsterne Weibsen - dabei aber doch fein auf ihren guten Ruf achtend. Scharfe, erotisch gedopte Nelkigkeit entsteht. Ich muss an raffinierte weiße Spitzendessous denken, die da - natürlich ganz zufällig - hervorlugen. Nach der Koketterie und wer weiß was noch, werden die Freundinnen etwas ruhiger, aber noch immer weht ein verhalten diskretes Gebläse durch die Gegend, moschus- und sanft patchouligeladen, pudrig, ohne schwere Süße. Züchtig-lasziv. Dieses Blumenwässerchen stillt meine Vorfrühlings-Blumen-Gelüste aufs Beste, so schön gewürzt lasse ich mich gern umhüllen und denke an Mörikes Gedicht "Er ist`s", in dem er den Frühling begrüßt, der aber nur als Kopfkino abläuft. Noch deutet nicht viel auf realen Frühling hin, aber die Vorfreude ist groß, auch wenn man sich noch in Geduld üben muss. Der Duft gefällt mir übrigens besser als der romantische Schinken. Für mich ist Lily ein florientaler Puderduft, der zwar ganzjährig tragbar ist, aber eben gerade jetzt besonders gut passt.