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DonJuanDeCat
30.11.2016 - 14:58 Uhr
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Top Rezension
8Duft 7Haltbarkeit 6Sillage 7Flakon

Die wohlduftende Gewürzroute

Mit As Sawira komme ich heute zum zweiten Duft aus der Trade Routes Collection von Penhaligon’s. Vom Konzept her finde ich es ganz interessant, dass diese Düfte vom Londoner Hafen des 19. Jahrhunderts inspiriert wurden, weil an diesen Docks eben alle möglichen Waren aus allen Ecken der Welt gehandelt wurden und dementsprechend ja auch die Luft voller verschiedener Düfte war.

Für euch Parfumas und Parfumos wäre dieser Ort sicher das Paradies, etwa so ähnlich, wie wenn man ein Dufthaus betritt und auf einem gleich die verschiedensten Düfte „einschlagen“. Natürlich mit dem Unterschied, dass im Hafen wohl auch „andere, nicht sonderlich wohle“ Düfte duften würden. Da wäre einmal der Abfall der Schiffe, der Duft von Fischen, die hoffentlich aber frisch sind (glauben wir hier einfach mal den ständigen Ausrufen von Verleihnix, dem Fischhändler aus der Asterix-Reihe, der wiederholt betont, sein Fisch wäre frisch und hoffen mal, dass keine Hämmer und Fäuste in seiner Nähe fliegen!), aber auch… nun ja, der Geruch von ähm… schmutzigen Menschen, da die Hygiene noch im 19. Jahrhundert noch nicht gänzlich beim einfachen Arbeiter angekommen war und selbst höher bzw. besser gestellte ihren Körpergeruch durch starke Düfte zu kaschieren versuchten (deswegen also sind Parfumhäuser erfolgreich gewesen und sind aufgestiegen he he).

Wie dem auch sei. Der erste Duft dieser Reihe, Empressa, konnte mich nicht so recht überzeugen. Jetzt komme ich zu As Sawira, die von der Handelsroute nach Essaouira (Marrakesch) inspiriert wurde und demnach ein orientalischer Duft ist.

**Der Duft:**
Der Duft beginnt würzig und leicht medizinisch (was hier wohl am Absinth liegt) und ist dennoch irgendwie recht angenehm, sofern man auf orientalisch-würzige Düfte steht. Safran sorgt für die würzig-krautige Note, daneben darf, wie bei den meisten arabisch orientierten bzw. eben orientalisch orientierten Düften, die Rose nicht fehlen, die hier sehr gut rüberkommt und weder zu stark noch schwach geraten ist. Die Nelken sorgen für einen leicht schärferen „spicy“-Faktor wohingegen Kardamom (hier mal nicht abstoßend riechend :D) für das würzige sorgt. Vom Labdanum strahlt eine gewisse Süße aus, wobei ich mir natürlich nicht so ganz sicher bin, wie Labdanum nun wirklich riecht und ich ihn nur anhand Duftbeschreibungen den Duft zu den süßlichen Noten zuordne, da er ähnlich wie Amber riechen soll, was man hier auch durchaus etwas wahrnimmt (wobei ich hier auch eher unsicher bin, da der amberartige Duft auch vom Amber selbst kommen könnte, da dieser Duftstoff in der Basis aufgelistet ist).
Das medizinische bzw. der Absinth ist zur Basis fast verschwunden. Die Gewürze bleiben, der Duft ist leicht süßlich und nun kommt auch Oud dazu, welcher eindeutig riechbar ist, aber dennoch dezent eingesetzt wurde. Er trägt gut zur orientalischen Duftrichtung bei, ohne aber stechend und aufdringlich zu sein und wird daher auch Oud-Nicht-Liebhaber nicht stören. Ansonsten gibt es noch schwaches, erdiges Patchouli sowie Hölzer als Basis-Grundlage. Vanille kann man übrigens kaum wahrnehmen.

**Die Sillage und die Haltbarkeit:**
Die Ausstrahlung ist zunächst gut und der Duft ist daher gut an einem riechbar. Das Niveau wird allerdings leider nicht sehr lange aufrecht erhalten, so dass man später schon etwas näher ran muss, um ihn weiterhin bei einem riechen zu können. Eine kleine Duftwolke bleibt aber zurück.
Bei der Haltbarkeit kam ich auf acht bis zehn Stunden, wobei der Duft auch später in deutlich abgeschwächter Form noch ein wenig länger haftet.

**Der Flakon:**
Der Flakon an sich ist sehr simpel, da er einfach nur zylindrisch und klar ist. Dafür aber wird er vom schönen Etikett aufgewertet. Dieser ist schwarz und hat goldene, gemusterte Ränder, die aussehen wie typisch orientalische Teppichmuster. Weiterhin sieht man natürlich auch den Namen des Duftes sowie das Logo der Marke. Der Deckel ist am unteren Bereich zylindrisch und am oberen Bereich rund. Außerdem trägt er eine große, goldene Schleife/Fliege.
Ein schöner Flakon.

Das nenne ich mal Fortschritt gegenüber dem ersten Duft, welcher Empressa war. Natürlich ist dieser Ausdruck jetzt nur meine persönliche Meinung, da mir Empressa gar nicht wirklich gefallen hatte und er für mich ein ganz normaler, durchschnittlicher und fast schon langweiliger Duft ist.

Aber As Sawira ist wirklich gelungen. Ein würziger Duft mit leichten, süßen Anklängen sowie orientalisch typischen Oud. Ihr wisst, dass ich Oud nicht so sehr mag, aber wenn er so wie hier eingesetzt wird, dann gefällt er einem schon und passt natürlich auch sehr gut zu dieser Duftrichtung. Hier kann man sich also wirklich gut die Gewürzhandelsroute von damals vorstellen. Ein Schiff, der vollbeladen mit kostbaren Gewürzen und anderen orientalischen Waren aus Essaouira im Londoner Hafen eintrifft und schon von weitem aus die Käufer mit seinen exotischen Düften anlockt.

Na jedenfalls ist As Sawira ein Duft, der gut im Herbst ankommt von seiner Duftrichtung her. Normalerweise würde ich auch Winter sagen, aber dafür knickt die Sillage doch etwas zu sehr ein später, jedenfalls, wenn man sich draußen in der Kälte aufhalten sollte. Für Anlässe wie Essen gehen etc. ist er aber sehr gut geeignet, da er einen selber bzw. die anderen nicht erdrückt. Zum Feiern ist er allerdings weniger geeignet.

Auf jeden Fall ist der Duft sehr testenswert und ich hoffe, dass die anderen Handelsrouten-Düfte von Penhaligon’s ebenfalls gut riechen.
3 Antworten
HyazintheHyazinthe vor 8 Jahren
Er ist f.mich definitiv der schönste, interessanteste der Vier. Und, Überraschung, das Oud stört nicht, was ich selten erlebe! Wer weiche Orientalen mag, ist hier richtig. Auch der Absinth war zahm, Gewürze erschlagen nicht. Schöner tragbarer Orientale
ElmarElmar vor 9 Jahren
Schöner Kommentar. Klingt interessant, macht neugierig...
KovexKovex vor 9 Jahren
Das hört sich sehr interessant an. Wieder mal ein klasse Kommentar von dir.