Augusto
22.06.2018 - 16:42 Uhr
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Top Rezension
7.5Duft 4Haltbarkeit 4Sillage 9Flakon

Feder. Leicht

Kopfnote frisch und schon sehr zart, ich nehme Bergamotte wahr, fein, und deutlich an die Bergamote des gleichnamigen TDC Duftes (ehem. Bergamote Divine) erinnernd. Einer meiner Lieblingsdüfte in all seiner Monothematik, das nur nebenbei. Hinzu kommt etwas Mandarine und Orange, wenn man es weiß, ja, aber die Schale, nicht der Saft. Schön.
Die Richtung des Duftes wird schnell offenbar - es ist kein lauter Duft, sondern ein intimer feiner Schleier, der sich auf die Haut und um den Träger bzw. die Trägerin hüllt. Ein Duft, der einen nicht heftig anmacht, wie so manche kopfnotengesteuerte Duft-Cash-Cow es tut, oder von mir aus auch aufregende, tolle, überwältigende Duftkraftprotze beispielweise aus dem Orientalischen Lager, sondern ein Duft, der einen ganz sanft mitnimmt.

Es ist gleich eine eigene Stimmung, die der Duft verbreitet, sobald man ihn zum ersten Mal eingeatmet hat. Natürlich und zugleich abstrakt, luftig und ätherisch. Dabei bleibt er materiell im Hier und Jetzt, aber ganz zart eben. Poetische Verheißung höchstens, wie ein Gedicht, das man auf dem Papier sieht, aber noch gar nicht ganz gelesen hat.
Das sind die schönen ersten 10-15 Minuten.

Der Duft wärmt sich nach und nach an, es ist als ob der Morgentau verschwindet. Blumig, leicht zitrisch und ein duftig-fruchtiger ganz spezieller Duftfaden erscheint, dem ich gerne folgen würde, wenn der Duft nicht so unglaublich leicht wäre. Er läßt sich kaum einfangen.
Ob das die typische Duftnote von Osmanthus ist?
In Asien, besonders bei den Chinesen wird der Osmanthus geschätzt und verehrt. Er dient der Aromatisierung von Tee. Bei Gärtnern wird seine pfirsichsüße Duftblüte angepriesen. Süß ist dieser Duft für mich nicht, aber harmonisch und mild. Vielleicht rieche ich sie doch, eine leichte Fruchtsüße, ganz ohne Säure oder Zuckerigkeit. Vielleicht Aprikose oder Pfirsich.

Grünlich, zart hellgelb, blumig, sanft fruchtig. Zartschmelzend liegt der Duft auf der Haut. Er überbrückt das Auseinander von pflanzlichen und synthetischen Duftstoffen und menschlicher Haut ganz leicht, schwebend. Ich könnte jetzt was über chinesische Feen schreiben oder dergleichen, aber das würde nur bedingt passen, vom Kitschfaktor mal abgesehen. Eine nur zurückhaltend colorierte China-Porzellan-Teetasse scheint ähnlich gegen das Licht wie dieser schöne Duft, wenn das ein besserer Vergleich ist. Ja, die Teeassoziation kommt durch, wo gar keiner ist. Kühl-warmes Porzellan, Porzellanhaut.
Jetzt malt er wieder, der Jean-Claude.

Der Duft ist in seiner Struktur aber auch grünlich, seine Zartheit wächst als Pflanze auf der Erde, in einem Garten. Geschützt von starken Winden, erwärmt von milden Sonnenstrahlen. Später Vormittag.
Osmanthus, verwandt mit Jasmin, aber anmutiger als die vergleichsweise wilde Schwester.

Es ist ca. eine Stunde nach dem Aufsprühen des Duftes.

In der zweiten und dritten Stundes wird der Duftfaden immer feiner, bald ist er so dünn, dass er sich gegen Gerüche im Umfeld für meine Nase nicht mehr durchsetzt. Ich suche den Duft, versuche, ihn in der Nase zu behalten, die Nasenflügel blähen sich, aber es will mir nicht mehr recht gelingen. Mein Hals bekommt so langsam einen unschönen Knick, weil ich immerzu versuche, dem Duft entgegenzuriechen.

Hin und wieder erwischt er mich, wenn es außenrum ganz ganz leise ist. Es macht sich auch der Moschus bemerkbar, leider ein bisschen wie eine heiße Dampfwolke, die man zu heftig eingeatmet hat. Das passiert mir bei einigen Moschusarten, es kratzt im Hals und auf der Brust. Der Duft ist also gar nicht nur weich, sondern auch ein wenig bedrängend. Mit der richtigen Hautchemie könnte das sehr interessant sein.

Alles in Allem geht mir der federleichte Duftfaden aber letztlich verloren. Nach ca. 3 Stunden bin ich im Wesentlichen fertig mit dem Duft oder er mit mir. Auch wenn ich Transparenz und Leichtigkeit sehr schätze, dieser Duft ist selbst mir zu flüchtig, um dran zu bleiben. Ihm hinterher zu riechen habe ich offenbar einfach nicht genug Geduld. In den nächsten Stunden kommt immer mal wieder ein Hauch des Duftes, er ist schön, er erregt meine Aufmerksamkeit, aber er bleibt zu leise. Zurück bleibt immerhin eine Art Sehnsucht, ein Verlangen nach mehr, das der Duft nicht befriedigt, vielleicht spielt er auch damit, aber da bin ich dann schon weg. Und es bleibt die Ahnung, dass es ein ganz wunderbarer Duft ist.

Es hätte so schön sein können, findet AugustA.
Aktualisiert am 22.06.2018 - 16:47 Uhr
5 Antworten
OooniddaOoonidda vor 6 Monaten
Tolle Beschreibung, ich kenne das Gefühl, der schwermütige Wunsch nach mehr, Frischlinge sind so flüchtig in ihrer Schönheit. Habe es sehr genossen deine Rezi zu lesen während ich meinen Flakon sehnsüchtig erwarte :)
AugustoAugusto vor 6 Monaten
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Oh, freut mich und federleichtes Duftvergnügen!
ElysaShadesElysaShades vor 7 Jahren
Der ist richtig fies. riecht so wunderbar aber ist so leicht und flüchtig. Ich will mir da immer am liebsten die ganze Flasche überkippen.
MissKittyMissKitty vor 7 Jahren
Was für ein wunderbarer Kommentar! Mir geht es mit diesem Duft leider ebenso wie dir - er wird auch mit mir zu schnell fertig. Vielleicht spart er sich für ganz besondere Menschen auf? Oder er ist sich einfach selbst genug und kommt nur mal kurz gucken?
YataganYatagan vor 7 Jahren
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Mich hat er auch nicht restlos überzeugt, aber die ätherische Anmutung vieler Different Company-Düfte mag ich eigentlich gerne.