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Beaver (2016) von Zoologist

Beaver 2016

Version von 2016
Yharnam79
31.08.2019 - 12:12 Uhr
10
Top Rezension
8.5Duft 7Haltbarkeit 7Sillage 10Flakon

Wenn ich ihn nackt tragen würde, würde ich mich mit Beaver trotzdem noch perfekt gekleidet fühlen

Beaver in seiner Neuformuliereung ist für mich zweifelsohne der gefälligste, ruhigste und nicht zuletzt der - per Definition - "schönste" Zoologist-Duft.

Um zu erklären, wie ich das meine: Tyrannosaurus Rex beispielsweise ist bei mir noch ungeschlagen und ich empfinde ihn auch als "schön" - er ist aber wohl weit von dem entfernt, was man - per Definition des Wortes - als "schönen Duft" bezeichnen würde. Beaver kommt dem "schön" wesentlich näher.

Beaver bringt mit dem ersten Sprühstoß die Imaginationen von einem Frühlingsmorgen an einem Bächlein, der lauwarme Wind streift durch Haare und Gesicht und trägt einen Hauch von ernsten Blumenaromen in sich. Holzspähne abgeschlagener Bäume liegen umher und es macht leise "Platsch" als das kleine, pelzige Ding sich in das sonst ruhig stehende Wasser begibt. Die Wasserlilien schwenken dabei hin und her und es sammeln sich Wassertropfen auf ihren Blättern. Ah... ein ganz leicht animalischer Geruch versteckt sich auch im Wind an dem besagten Bächlein.
Nicht schmutzig und unangenehm - eher vertraut, warm und wunderbar natürlich anmutend.
Auch ein bißchen wie der Geruch von vom Wind fast getrockneter Wäsche auf einer riesigen Wiese, neben der ein kleiner Bach fließt. Die Wäsche blütenweiß.

Ich habe gerade beabsichtigt von "fast" getrockneter Wäsche (und natürlich dem ab jetzt immer wiederkehrenden Bach) gesprochen, denn der Wind, der in Beaver weht ist feucht. Nicht regenfeucht und auch nicht kühlfeucht. Eher ein Hauch von.
Man stelle sich vor, man läge an einem derartigen Bächlein und (um beim Duftnamen zu bleiben) ein Bieber sprünge ins Wasser, welches dabei ein paar Sprenkler in der Luft verteilt. Der Geruch den man dann für einen Bruchteil von Sekunden wahrnimmt, weil der sanfte Wind ihn an einem vorbeiträgt. So etwas in der Art meine ich und entschuldige mich für meine diesmal tatsächlich methapherngeschwängerte Beschreibung.
Dass ich mich bisher auf Umschreibungen und Metaphern festgelegt habe, zeigt auch mir gerade, dass es schwierig ist, Beaver zu beschreiben oder gar zu klassifizieren.

Ja, Beaver ist ein Duft, ein Parfum und trägt diese Bezeichnungen auch zurecht. Beaver ist allerdings ebenso ein Gefühl, eine Wahrnehmung und lebt von den Bildern und Assoziationen die dieser, ich nenne ihn mal beabsichtigt 'Geruch' mit sich bringt.

Es riecht nach: nicht ganz klarem, jedoch nicht schmutzigem Wasser; wie ein kleiner Bach oder Tümpel. Ganz sachte nach Blüten, die nicht verspielt sondern ernst daherkommen. Ernst aber schön - und sehr schön dezent dosiert. Ich denke, es ist die Lindenblüte, die hier hervorsticht. Nach Holz, ja tatsächlich etwas nach den Sägespähnen aus Papas Werkstatt. Den trockenen und den etwas feuchten. Nach frischem Wind, dessen getragene Duftbruchstücke immer wieder die Bächlein-Assoziation hervorrufen. Und auch nach Natur und Tier.

Allerdings (für alle, die nun die Nase rümpfen) auch das dezent bis minimal dosiert. Von schmutziger Animalik oder sogar fäkaler Animalik ist Beaver Welten entfernt. Auch von der Animalik der anderen Zoologists. Wer also was diesen Punkt angeht Befürchtungen hat oder an Civet oder Hyrax denkt, oder an Düfte wie Stercus oder Fortis, der lasse sich gesagt sein, dass dies auf Beaver nicht ansatzweise zutrifft. Die animalische Note in Beaver ist so zahm und sanft, dass man mit ihr kuscheln könnte/möchte.
Ebenso verhält es sich übrigens damit, dass ich Beaver als einen eher frischen Duft beschreiben würde. Frisch meint hier aber alles andere als sportlich, aquatisch, zitrosch oder was man sonst mit frischen Düften in der Parfumwelt in Verbindung bringen würde. Auch hier meine ich eher die natürliche Frische von wassersprenkelgetränktem Wind.

Beaver wirkt an sich in seiner Ruhe und frühsommerlichen Trägheit fast schon meditativ.
Als Stadtmensch ein guter Duft, um sich in den Park ins Gras zu legen und das Kopfkino den Rest machen zu lassen. Bumms, liegt man am Bieberbächlein.

Um nun zum Ende hin nochmal alles zu ordnen und rund zu bekommen:
Ein Duft, der eher auf die Haut als auf die Kleidung gehört und auf der Haut spanenderweise eine wesentlich interessantere Entwicklung macht.
Ein Duft, der eher ein Nude-Duft als eine Duftbombe ist.
Ein Duft, den man nicht aufsprüht und auf sich trägt; er verschmilzt mit der Haut des Trägers.
Ein Duft, der Gelassenheit, Natur und ebenso zahmste Animalik ausstrahlt.
Und Natürlichkeit - eine echte und anziehende Natürlichkeit. Selbst wenn ich ihn nackt tragen würde, würde ich mich mit Beaver trotzdem noch perfekt gekleidet fühlen.
Ein absoluter Unisex-Duft.
Nachtrag:
Nachdem ich diesen Kommentar geschrieben und nochmal gelesen habe blieb eigentlich nur eine Konsequenz, nämlich, dass ich meine Bewertung (die habe ich schon vor ein paar Monaten abgegeben) nachträglich ändern musste. Nach oben.
Aktualisiert am 31.08.2019 - 13:30 Uhr
2 Antworten
MeggiMeggi vor 6 Jahren
Ich finde den Dino wohl trotzdem interessanter.
KovexKovex vor 6 Jahren
Nach diesem tollen Kommentar werde ich mir den nochmal zur Brust nehmen, wobei ich mir jetzt schon sicher bin, dass Du ihn perfekt beschrieben hast.