DarkWinterCS
19.06.2024 - 05:34 Uhr
4
Hilfreiche Rezension
8.5Duft

Schoko aus dem Hexenkessel

Oud ist gut, zumindest wenn man mal die Reise durch die Varianten und verschiedenen Regionen der Ernte/Produktion gemacht hat. Nur so kann man die wahrliche Qualität des Rohstoffs kennenlernen und entsprechend fundierte Aussagen machen. Allerdings kann man auch mit minimalen Mengen natürlichen Ouds oder synthetischen Äquivalenten einen guten und runden Duft machen. Das kommt weniger häufig vor, aber grundsätzlich ist das möglich.

Nach so vielen Jahren kann man den Duftstoff aber auch als „ausgelutscht“ betrachten. Es kommt wenig wirklich Neues, viele Aufgüsse und uninspirierte DNA´s. Aber ab und zu findet man den einen oder anderen Duft, der entweder neue Nuancen vermischt oder eine perfekte Balance in eine bisher bekannte und uninspirierte Formel steckt.
Mit Mango Aoud hatte ich vor kurzem erst wieder einen Fall, wo Oud nur als unterstützende Komponente verbaut wurde und damit den Duft sehr gut getragen hat. Der riecht nicht nach Oud, aber der Sinn dahinter ist klar, auch wenn die meisten dem Duft einen irreführenden Namen mit falschen Versprechungen attestieren.

Ein weiterer Ableger von Komponenten perfekt verbinden, findet sich nun mit Numero V, der Schokolade, Kaffee und Oud unter einen Hut bringen möchte. Das wird auch sehr gut präsentiert, allerdings werde ich trotz seiner schönen Sillage etwas zwiegespalten zurückgelassen.
Das liegt zum Großteil an der Basis des Duft, denn der Beginn ist schon himmlisch…

Numero V startet mit einer tollen Schokoladennote, die zusammen mit den Röstaromen eines Kaffees bis weit in die Herznoten eine sinnliche und fast kaubare Interpretation abliefert. Herbe Zartbitterschokolade mit den typischen Aromen eine hohen Kakaoanteils, die sich fließend fortbewegt und alles an Oud assimiliert, was ihr in den Weg kommt. Oud spielt zu Beginn eine eher untergeordnete Rolle und wird wie beim oben genannten Gritti als unterstützende Note um der Schoki noch mehr Tiefe und Würze zu geben.
Man riecht es schon, es kommt wie eine Zauberhafte Wolke, eine Eingebung und wahrgewordener Barista-Traum, der Kaffee. Obwohl, es ist eher die Röstung eines Kaffees, das langsame Zermahlen der intensiv-aromatischen Bohnen, die eine wundervolle Sinnlichkeit abgeben und dem Schoko-Oud-Gemisch eine noch dunklere und würzigere Note geben und zusätzlich/gleichzeitig erhellend wirkt. Ein Widerspruch, trotzdem wirkt es so und hat dabei keinerlei animalische Komponente. Extra Virgo hat mit Animal Café eine ähnliche Richtung eingeschlagen, wirkte aber zu wuchtig und derb. Numero V ist dagegen die einsteigerfreundlich Version dessen.

Erst in der Basis merke ich auf meiner Haut die leicht synthetischen Züge des Ouds, welche sich durch die typische Aromatik zeigen, die man in den meisten Düften mit Oud hat. Kann ich darüber hinwegsehen? Vielleicht. Genieße ich ihn trotzdem bis zu diesem Punkt? Auf jeden Fall.

Und doch bleibt am Ende ein schwermütige Gefühl, dass dieser Duft mit den letzten paar Prozent zum absoluten Meisterwerk hätte gedeihen können.
3 Antworten
FloydFloyd vor 1 Jahr
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Klingt richtig klasse. Animal Cafe mag ich sehr. Danke für den Tipp!
MarieposaMarieposa vor 1 Jahr
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Spannende Einordnung. Ich habe erst kürzlich festgestellt, dass ich mit schokoladigen Düften ganz gut kann, wenn sie ein bisschen schnurren.
DarkWinterCSDarkWinterCS vor 1 Jahr
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Miau 😸
Also den hier fand ich wirklich tragbar, bei dem Virgo hat mir diese Tragbarkeit etwas gefehlt. Sicherlich ist meltmyheart nochmal ne Spur schöner, aber der hier geht in eine ähnliche Richtung.