Bloodxclat
08.09.2021 - 22:26 Uhr
89
Top Rezension
9
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Worte über viel Geld, viel Oud und viel Parfum

Ist es nötig sich mit so teuren Düften abzugeben? Wann ist das Limit erreicht?

Wir reden hier von 30ml / 485$. Warum ist das Zeug so teuer?

Ensar, der Mann der echtes Oud salonfähig gemacht hat. Hochachtung von meiner Seite. Er hat immer an sein Oud geglaubt und ist weiterhin monatelang durch jeden Dschungel Asiens gekrochen, auf der Suche nach DEM besonderen Adlerholz.

Mittlerweile ist er so gross geworden, dass ich nicht denke, dass er noch alles alleine managen kann. So viele diverse Oud-Releases, so viele neue Parfums. Ich denke er hat ein fundiertes Team zusammen, welches für das Label die Düfte baut. Ensar's Wissen über Oud und seine Sammlung an Oud-Destillaten ist natürlich ein riesen Vorteil in der Oud-Nische.

Nun aber, zum Duft!

EO Green startet mit einem bemerkenswert bitteren Yuzu Akkord, fleischig, stark und schrill. Eine Art Wassernebel begleitet das ganze, wie eine subtile Aqua-Note. Das könnte der Lotus sein. Das Eichenmoos weht noch mehr grüne Feuchtigkeit rein, ich rieche auch Kräuter, Moose, grüner Tee. Ganz fein und etwas versteckt, blickt sich Jasmin im feuchten grün um.

Über all dem schwebt eine frische, ätherische Note, wie Minze oder Kampfer mit etwas Zitrus. Das riecht für mich wie ein heller, zitrischer Weihrauch. Etwas erdig-scharfes schwingt jetzt mit, es erinnert etwas an frischen Ginger. Hier setzen die Ouds an und lenken den Duft in dunkelgrünere Ebenen. Dunkle Hölzer, nasse Hölzer, alte Hölzer. Wurzeln sind da, festgetretene Erde, Lehm. Aceton-Sandelholz.

Ein Dufterlebnis sondergleichen. Hier ist nichts fäkal oder animalisch, da sind wunderschöne Oud-Destillate drin verbaut. Die anderen sehr hochwertigen Stoffe (ich schwöre fast da sind noch andere Sachen drin als angegeben) unterstützen die verschiedenen Oud Charakteren perfekt und holen das Maximum heraus. Bei sovielen verschiedenen Ouds ist es schwierig, dass der Duft nicht in sich zusammenklappt und sich die Inhaltstoffe nicht gegenseitig das Licht ausblasen.

Nun die Frage, ist es das Geld wert? Das muss jeder selbst entscheiden. Hier ist alles Natural (so riecht es zumindest) und die Komponenten sind alle First Class. Vom Oud brauchen wir nicht zu sprechen, bei Ensar wird das Beste Oud der Welt verbaut. Das alles ist extrem kostspielig, ausserdem ist die Konzentration an Öl hier beträchtlich hoch. Aber wie immer, der Preis wird durch den Marktpreis und die Zahlungswilligkeit des Kunden generiert. Ich denke also nicht, dass Ensar am Hungertuch nagen muss.

Sicherlich wirft es, auch für alte Parfumhasen, einen neuen Blickwinkel auf Parfum. Insbesondere auf Naturparfum. Vor Jahren noch als Esoterik- und Reformhausdüfte abgestempelt, erleben Naturparfums gerade eine Blütezeit. Und Ensar war einer der Pioniere. Er hatte die Eier, ein Naturparfum auf die Welt zu setzen das einfach mal 500 Öcken kostet. Quasi unter die klassischen Attare Alkohol zu setzen und das ganze in Sprayflaschen zu füllen. Und es geht immer weiter für Ensar. Er hat nun das Klientel erreicht, welches Ihm bald für 1500$ die Flakons aus der Hand reissen wird. Hut ab!

------- NACHTRAG ------

da es ein paar besorgte User gibt, welche den Raubschlag von Oud anprangern (was auch absolut richtig ist) hier ein paar Informationen zur Oud-Gewinnung:

Das ist sehr richtig, dass es in vielen Staaten von Südostasien, in denen es vor 20 Jahren noch wilde Adlerholzbäume gab, diese nicht mehr zu finden sind. Sämtliche "Sorten" sind bedroht bis fast ausgestorben. Es gab viel illegalen Wildschlag, man muss sich nur die Touri Shops in Laos, Vietnam, Thailand anschauen. Da gibts tonnenweise Adlerholz als Figürchen, Souvenirs usw. Deshalb ist Wildschlag von Adlerholzbäumen seit ca. 20 Jahren verboten. In fast allen Asiatischen Ländern laufen seit Jahren Projekte zur Aufforstung von Halb-Wilden Adlerholzbäumen. Exportieren kann man Adlerholz nur mit der CITES - Zertifikation.

Wildes Oud:

Ein lebender Baum bringt dem Adlerholzjäger nichts. Es sind die toten und sehr stark vom Pilz befallenen Holzteile, Bäume, welche Interessant sind. Irgendwann gegen Ende des Baumlebens, wird der Baum von einem Pilz angegriffen (das geht über Jahre/Jahrzehnte) als Gegenreaktion produziert der Baum die wertvollen Harze. Erst wenn der Baum "tödlich" befallen ist, oder schon tot ist, lohnt es sich den Baum mitzunehmen. Einen toten Adlerholzbaum zu finden ist mit wochenlanger Suche im Dschungel verbunden. Die Wildhüter bzw. Präfekturen welche für den Waldteil zuständig sind, erheben Steuern / Schmiergelder pro Kilo / Baum (je nach Region und Land) 

Plantagen Oud:

Wie auch andere Plantagenhölzer welche für die Parfumölherstellung verwendet werden (Sandelholz, Guajakholz, jegliche Tropenhölzer) gibt es mittlerweile tausende von Adlerholzplantagen im ganzen Asiatischen Raum. Die Bäume werden mit dem Pilz "geimpft" und können dann nach ca. 8-10 Jahren geerntet werden / angezapft werden. Auch hier braucht es die CITES-Zertifikationen von welchen Plantagen das Holz stammt.

Diese Informationen habe ich im Laufe der Jahre gesammelt und können nicht auf eine bestimmt Quelle verwiesen werden.
55 Antworten

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