Air Tiger Marc Gebauer 2021
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Top Rezension
Auf den Gipfeln der Verzweiflung
Die Jagd auf der ultimativen Sillage-Projektions-Haltbarkeits-Skala scheint einen neuen Maximalwert erlangt zu haben, wobei ich die Zuschreibungen schon ein wenig übertrieben finde. Es gibt nicht wenige Düfte, die ähnlich stark sind wie Air Tiger und deutlich geringer bepunktet werden was die Performance betrifft. Aber die Beast-Mode-Denke liegt ja voll im Trend, die Parfum-Influencer geben auch in dieser Hinsicht alles. Hauptsache: Es hält wie Pattex und der Geigerzähler wird zum Zerbersten gebracht.
Mich befördert das in neue Höhen der Verzweiflung. Ganz ohne E. Cioran. Dabei bin ich kein Cologne-Fan im strengen Sinne oder will ständig Nachsprühen. Aber Air Tiger schafft es auch so gar nicht, mit einem klar herausgearbeiteten Thema oder einem besonders ansprechenden Duftverlauf zu überzeugen. Dabei startet der Duft zunächst mit einer durchaus einnehmenden und fast charmanten Zitrus-Würze (Kardamom, Zitrone), um dann zügig in eine tiefdunkle und deprimierende Leder-Labdanum-Starre zu verfallen. Auch das Patchouli trägt hier dazu bei, dem Ganzen einen gruftigen Gewölbekeller-Charakter zu verleihen.
Dabei fällt mir eine Diskrepanz zwischen Teststreifen und Haut auf. Air Tiger bleibt auf dem Papier etwas beweglicher und zugänglicher, verwischt und vermischt sich bei mir auf der Haut schnell und stark zu einem recht undefinierbaren, groben und respektlos wirkenden Holz-Mix. Und der wirkt auch noch ungewaschen. 3/10 für die ersten 10 Minuten (auf Papier) und den (Hoch-)Mut, einen solchen Klotz in die Landschaft zu stellen. Das Vorrecht der Jugend. Wobei M. Gebauer auch Mitte 30 ist.
Man lerne vom Meister. Bei Leder und voll Karacho. Und das ist immer noch Duro von Nasomatto. Air Tiger kommt aus der Werkstatt, Duro hingegen direkt aus der Apotheke: Geschliffenes Holz, Politur, helles Leder, unbeugsam und geradeheraus, dabei doch tröstend wie ein Pflaster (mit Elefanten und Giraffen drauf).
Mich befördert das in neue Höhen der Verzweiflung. Ganz ohne E. Cioran. Dabei bin ich kein Cologne-Fan im strengen Sinne oder will ständig Nachsprühen. Aber Air Tiger schafft es auch so gar nicht, mit einem klar herausgearbeiteten Thema oder einem besonders ansprechenden Duftverlauf zu überzeugen. Dabei startet der Duft zunächst mit einer durchaus einnehmenden und fast charmanten Zitrus-Würze (Kardamom, Zitrone), um dann zügig in eine tiefdunkle und deprimierende Leder-Labdanum-Starre zu verfallen. Auch das Patchouli trägt hier dazu bei, dem Ganzen einen gruftigen Gewölbekeller-Charakter zu verleihen.
Dabei fällt mir eine Diskrepanz zwischen Teststreifen und Haut auf. Air Tiger bleibt auf dem Papier etwas beweglicher und zugänglicher, verwischt und vermischt sich bei mir auf der Haut schnell und stark zu einem recht undefinierbaren, groben und respektlos wirkenden Holz-Mix. Und der wirkt auch noch ungewaschen. 3/10 für die ersten 10 Minuten (auf Papier) und den (Hoch-)Mut, einen solchen Klotz in die Landschaft zu stellen. Das Vorrecht der Jugend. Wobei M. Gebauer auch Mitte 30 ist.
Man lerne vom Meister. Bei Leder und voll Karacho. Und das ist immer noch Duro von Nasomatto. Air Tiger kommt aus der Werkstatt, Duro hingegen direkt aus der Apotheke: Geschliffenes Holz, Politur, helles Leder, unbeugsam und geradeheraus, dabei doch tröstend wie ein Pflaster (mit Elefanten und Giraffen drauf).
7 Antworten


Aber 'Duro' klingt fein, werde ich testen...
Aber diese Content Creators, wie man Influenzer aktuell nennt, lassen ja alles den Bach 'runtergehen: von traumhaft schönen, ehemals wenig besuchten Landstrichen, über "Style"-Diktate mit unsäglich hässlicher (beigebeigebeige) Kleidung, alle-gleich-machender Body-pseudo-Optimierungs-Wahn, etc.
Warum nicht auch Parfums zu Statussymbolen hochjazzen und ihnen damit die Schönheit, Subtilität und das Individuelle nehmen?