A*Men / Angel Men von Mugler

A*Men
Angel Men
1996

Farneon
13.07.2024 - 11:36 Uhr
16
Sehr hilfreiche Rezension
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft

Würziger Erinnerungs-Kaffee zur Partytime

Ich habe A*Men eher aus nostalgischen Gründen hier im Souk getauscht. Denn Ende der 1990er hatte mir meine damalige Freundin diesen Duft geschenkt. Ich war schon damals ein kleiner Parfum-Junkie, aber machte hier "gute Miene zum bösen Spiel"! ;-) Süße knallige Gourmand-Düfte kannte ich nicht. Ich würde sogar sagen, dass sie damals eher eine Seltenheit waren. Und so erschlug mich A*Men irgendwie. Ich trug es nur selten abends beim gemeinsamen Ausgehen, kam mir aber schon nach 2-3 Sprühern olfaktorisch "overdressed" vor. Ich hätte es damals instinktiv eher der Kölner Schwulenszene zugeordnet. Tja ...

Jetzt wollte ich wissen, wie ich fast 25 Jahre später auf A*Men reagiere. Denn inzwischen kann ich süßen Düften durchaus etwas abgewinnen, solange sie nicht allzu eindimensional daherkommen. Die damalige Zeit hatte ja auch nocht nichts im Stil von 1 Million oder Baccarat Rouge zu bieten (die ich beide nicht besonders mag). A*Men war seiner Zeit also durchaus voraus und wird fast überall mit dem 4x teureren Klian's Intoxicated vergleichen, der bei fast derselben Anzahl an Bewertungen hier auf stolze 8,2/10 kommt. Hier macht sich wohl (wie immer öfter) der Unterschied zwischen der teils wahnwitzig überschätzten Nische und den mittlerweile oft schon als minderwertig geltenden Designern bemerkbar. Aber das ist ein anderes Thema, das mir ehrlich gesagt immer mehr auf den Zeiger geht. Wie dem auch sei: Wenn sich hier jemand etwas abgeschaut hat, dann Kilian von Mugler.

Jetzt endlich zum Duft: Die Kopfnote von A*Men wirkt auch heute noch beinahe erschreckend auf mich, ist aber tatsächlich nach wenigen Sekunden bereits verflogen. Direkt kommt der Kaffee zum Tragen wie ein stark gesüßter Mokka. Das hat durchaus etwas Verführerisches an sich. Dazu gesellt sich ein würziger, sogar leicht frischer Überbau, der den Duft in seiner Gesamtheit tatsächlich besonders interessant macht. Lavendel und Minze im Kaffee? "Igitt" würden wohl die meisten sagen, aber wir wollen ja nichts Leckeres trinken, sondern lecker riechen! ;-) Und das tue ich ersteunlicherweise wahrhaftig. A*Men entpuppt sich als ein auffällig lauter Genuss, den ich seinerzeit nicht wertgeschätzt habe. Er braucht sicherlich die späten Abendstunden oder die kältere Jahreszeit, um nicht als deplatziert durchzugehen, aber dann zeigt er eine starke Ausgehqualität. Wenn man sich die gourmandigen Noten wegdenkt, erinnert mich A*Men ein wenig an Ultraviolet von Rabanne, das sich ebenfalls in meiner Sammlung befindet und aus derselben Ägide stammt. Und so klar die gourmandigen Noten wahrnehmbar sind, sie lassen mich (und das ist das Positive) nicht unmittelbar an etwas zu essen oder zu trinken denken.

Kurzum: A*Men ist ein gelungener und starker Duft fürs Karussellfahren oder Popkonzert, für verrauchte Kneipen (dies es ja so nicht mehr gibt), die bebende Tanzfläche oder die ausgelassene Hochzeitsfeier.
4 Antworten
ChevalierChevalier vor 10 Monaten
1
Die ach so tolle Nische geht mir auch auf den Senkel. Wunderschön passender Kommentar, danke.
ElianteEliante vor 1 Jahr
Tolle Rezension, hat Spaß gemacht die zu lesen!
Der kleine Seitenhieb gegen die -ach so tolle- Nische gefällt mir ;)
SummermicSummermic vor 1 Jahr
Ganz starke Rezi zu diesem tollen Duft, den auch ich erst jetzt zu schätzen weiß!
BehaviourBehaviour vor 1 Jahr
oh und gerade die Kopfnote liebe ich so, den Drydown mit patchouli auch. Ich fand das Showergel und die Bodytonic vom Duft nochmal besser, Lavendel erdiges Patchouli war das