
Medusa00
846 Rezensionen

Medusa00
Sehr hilfreiche Rezension
20
Brennen sollst Du?
Nach langer Zeit schleiche ich mich wieder bei parfumo ein und das mit einer Rezension. Das hat seinen Grund, den dieser Duft mir gab und ich denke der Name dieser Kreation paßt zu meinem eigenen Kreis der Hölle, welchen ich am Anfang des Jahres durchleben mußte. Ob es nun der 8.,9. oder drölfzigste war sei dahin gestellt. Als ich mich da raus gegraben hatte und dachte schlimmer kann es nicht kommen, starb im April meine geliebte Akita Hündin. Also kam es schlimmer!
Doch nun scheint die Sonne wieder und mein neues Glück hat 4 Pfoten. Fumico-San ein rotes Aktita Mädchen und ich finde endlich wieder die Muße mich mit Parfum zu befassen.
Eine ganze Weile habe ich überlegt, warum Nocturne dieser Kreation den Namen „Inferno“ gegeben hat?
Dantes Inferno?
Der schlangenartige Wächter Geryon hat die beiden Jenseitswanderer, Dante und Vergil, zu den Elendsgruben gebracht. Hier sieht man im oberen Graben Kuppler, die von gehörnten Teufeln gepeitscht im Kreis getrieben werden. Jason ist mit einer Krone versehen und büßt dafür, weil er die Liebe von Medea missbraucht hat. In der unteren Elendsgrube sind Schmeichler und Dirnen in einem Sumpf von Kot und büßen ihre ewige Strafe ab. Illustration nach der Dichtung von Dantes Göttlicher Komödie".
Das sind doch Zukunftsaussichten auf die jeder Mensch scharf ist und da gibt es keine Wiedergeburt als Marienkäfer oder Laubfrosch.
Auch Botticelli hat sich an dem Thema versucht. Er malte und zeichnete die Hölle, wie der Dichter Dante sie beschrieben hatte, und brauchte dafür mehr als ein Jahrzehnt. Eines seiner Werke inspirierte den amerikanischen Schriftsteller Dan Brown zu seinem Weltbestseller "Inferno" - die "Mappa dell´ Inferno", der Höllentrichter. Das Werk war über Jahrhunderte verschollen, die Originalzeichnung lag viele Jahrhunderte verschlossen in den Klimakammern des Vatikan.
Für die Dokumentation "Botticelli Inferno" wurden die Tresore des Vatikan geöffnet. Die Autoren erzählen die Geschichte dieses Meisterwerks. Der Weg ins Paradies führt zwangsläufig über neun Stufen durch die Hölle (italienisch "Inferno") und das Fegefeuer. Nur wer alle diese Stufen durchsteht und alle Höllenqualen durchlebt, kommt ins Paradies - vielleicht!
Na gut, so ein Höllentrichter ist Inferno von Nocturne nicht und es reißt mich auch nicht so vom Hocker wie unseren guten Axiomatic. Das kommt vielleicht auch daher, weil ich die Donnerchypres der 80er liebte und immernoch liebe. Da bin ich völlig schmerzfrei.
Aber immerhin ist es ein Versuch einen klassischen Chypre mit allen seinen Ecken und Kanten herzustellen. Da kam mir ja in letzter Zeit manchmal Gebräu unter die Nase, welches irgendwelche Hilfsalchimisten zusammen geschustert haben, Chypre grölten und 400 Dukaten verlangten.
Der Auftakt ist ein seifenschaumiger mit Bergamottenzesten gespickter fast schon pudriger Prickelprozeß und ich dachte :“ Na ja, doch, auch...
Inferno? Hier ist nicht mal ein Flächenbrand in einer Steppe.“
Gut, Geduld – machmal habe ich die, oft auch nicht – er entwickelt sich.
Ahhhh, ein Blumenflash, narzissig, fast schon schwülstig durch leichten Gardenienoverkill. Die können – wenn man sie als Zimmerpflanzen hat – Heerscharen von Stubenfliegen ohnmächtig werden lassen durch ihre dekadente Süße. Aber Inferno kriegt die Kurve und drifted nicht in zu viel liebliche Blumigkeit ab. Er brennt nicht er glimmt.
Wo haben die Eichenmoos her? Ist mir auch egal, denn endlich dreht er in die Chyprebasis ab. Feucht, grünlich, erdig. Eines guten Chypres würdig und natürlich kein Sumpf von Kot wie oben beschrieben.
Eine gelungene Kreation, aber ich brenne nicht dafür.
16 Antworten



Kopfnote
Aldehyde
Bergamotte
Gewürznelke
Herznote
Narzisse
Gardenie
Jasmin
Ylang-Ylang
Iris
Basisnote
Eichenmoos Absolue
Moschus
Santalol
indisches Sandelholz
Patchouli

Seejungfrau
Axiomatic
Eggi37
Floyd
FrauKirsche















