Bold, ausgerechnet einen der weniger beliebten Salums zu variieren. Die trauen sich was, naja. Jedoch: Üüsch feiere Cocoyster ganz übelst, und so war klar, dass ich die neuen Wörschns schnell testen muss.
Spoiler, von BANANITA wurde ich schonmal nicht enttäuscht - höchstens davon, w i e ähnlich diese Variante dem Original ist… Ein paar Unterschiede mehr hätte ich mir schon gewünscht. Trotzdem ist Bananita, dessen Name m.A.n. höchstens zur Kopfnote passt, eindeutig nochmal eine qualitative Steigerung. Guckst du: Bananita entspricht seinem an peinsame Baströckchen erinnernden Namen n i c h t , ist hingegen sogar weit unisexer als das weichere, süßere Original. Jedoch ist es zugleich auch echt irre. Also, dem Wahnsinn anheim gefallen…
Ja wie…! Moment gleich.
Also. - Diesmal ist alles dick unterstrichen und mit fetten Strichen gemalt. Das hier ist keineswegs die dicke, gemütliche, ein bisschen einfache kleine Cocoyster, die ich letztes Jahr oft mehr geliebt hab als alle anderen Flakons und Proben in meiner Sammlung.
Das hier ist eher die weit ältere Teenie-Schwester. Oder besser, der erwachsene, große Bruder -
Ein Duft wie ein Writing in Neonfarben; der Start geht einher mit einer Wagenladung Bananengelee. Man kann das leuchtende Eiergelb, in dessen Mitte eine Discokugel pulsiert, förmlich riechen, und es ist so künstlich, dass es glitzert. Unmittelbar nach diesem heftigen, Kinderparfüm-mäßigen Start, von dem ich mir gewünscht hätte, dass er viel, viel länger dauert, weil er echt witzig ist, tauchen erstmal gewohnte Cocoyster-Vibes auf.
Allzu schnell, wie gesagt. Der Kontrast zum „Mittelteil“ ist nämlich enorm, vom augenzwinkernden Witzchen zum Erwachsenen-Sommerduft … da wäre die Überraschung besser gelungen, wenn die Kopfnote etwas länger hielte als nur wenige Minuten.
Ja, ja. Hätte mich gern noch viel länger abgefeiert, über diese kindisch freche Geleebanane - aber, nööö…
OK. Zurück zum Verlauf. Wer genau hin riecht, nimmt nach der auf die Kopfnote folgende Original-Cocoyster-Phase ganz allmählich realistische, knackend grüne Bananenschalen wahr.
Diese sehr natürliche Nuance hat jetzt sowas von gar nix mehr mit der Synthi-Riesengeleebanane vom Anfang zu tun.
Plus: Wahrscheinlich ist es diese natürliche, grüne, knackend frische Bananenschale, die die Hauptrolle spielt bei einem ganz komischen Phänomen, das ich beim ersten Testen für Einbildung hielt:
Nach etwa einer Stunde weißt der Duft eine fast unirdisch perfekte Cremigkeit auf, die ich kaum beschreiben kann.
Gut, gut, ich machja schonn. Sagen wir mal: Es ist, als nehme man an einem hektischen Tag vor einem absolut schönen Gemälde Platz, und nähme es in Augenschein, für einen Moment fast vollkommener Ruhe.
Als entpuppe sich das, was durch eine optische Täuschung wie die eingangs besagte Wandsprayerei gewirkt hat, beim Verändern des Blickwinkels als fotorealistische Abbildung einer durch und durch harmonischen Landschaft in Weiß, Gold, Grün; als das Land, wo der Pfeffer wächst, und die Kokosnüsse freien Auslauf haben.
Als verwandele sich ein wuseliges Großrestaurant urplötzlich ganz kurz in ein - Ballett… Leider währt diese Geschichte nicht lange.
Der Drydown kommt meiner Beobnasung nach früh, dauert ewig lang - zum Glück - ist wummsiger als die meisten Drydowns, und qualitativ nicht im Geringsten (!) mit den üblichen Örks-DD`s der älteren Salums zu vergleichen.
Auf der Bühne erscheint dieser ruhige, gleichmäßige Wumms wie eine langsame Riesenwelle, die zunächst ganz kurz immer schärfer, aufbrandender, gischtiger, eisig-pfeffriger wird, und dann noch lange konstant bleibt. Je länger er dauert, dieser wuchtige, harzige Gischt-Drydown, desto deutlicher wird ein ernst zu nehmendes Drama, in dem ein bärtiges, khakifarben-türkises Seeungeheuer im schwarzen TüTü die Hautrolle spielt. (Könnt ja selber mal googeln, wie man TüTü wirklich schreibt.)
Jedenfalls: Alles andere war nur Vorgeplänkel!
Besagte Wucht lässt sich Zeit. Die Brandung rollt langsam, macht die Atemwege frei, zerschlägt unterwegs ein paar grüne Kokosnüsse, und besinnt einen aufs Wesentliche… Irgendwie, so.
„Irgendwie/So“… Klingt lustig. Ist aber das, was philosophierende Kinder fast jedes Mal in genau dem Moment sagen, wo ihnen die klugen Wörtchen dann doch ausgehen - weil ihre reifenden Gedanken beginnen, erstmalig am Großen, Ganzen zu kratzen…
Yup, auch dieser Drydown hat was von Größe, von Ganzheit. Ohne Mist, jetzt…! Zumindest für mich.
Ja gut. Und genau dieses lange, eisbärenstarke Ende macht Bananita auch um eine weitere Nuance unisexer (wenn nicht sogar „maskuliner“). Und ich gestehe, als Flakon hätte ich lieber d i e s e n Duft als das Original. Und das will angesichts meiner großen Sympathie für die pummelige, gemütliche, kleine Schwester wüürklich was heißen.
Ja, ja. Bei so viel Ähnlichkeit hab ich natürlich hier die Pyramide beguckt. Also. Die Auster ist wieder mit drin, was beiden Cocoysters diesen eigenartigen, aber gelungenen „Kokosnuss dümpelt in Brackwasser“-Vibe gibt. (OK, das deutsche Wort BRACKWASSER klingt eklig, ich meine es jedoch semantisch korrekt: Mischung aus Süß- und Meerwasser im weitläufigeren Strandbereich.)
Die diesmal nicht aufgeführte Salznote ist für mich vorhanden, ich mag solche Düfte.
Weihrauch ist tatsächlich ja auch im Original mit im Spiel; wusste ich gar nicht, hat mich überrascht, als ich eben geguckt happ. Bei Bananita jedoch hätte ich angeriechs der erfrischenden, kalten Schärfe gegen Ende eher sowas wie roten Pfeffer vermutet, statt des besagten Weihrauch.
„Elemiharz“ (was auch immer das ist) wird in Bananita von „Kopaivabalsam“ (was immer das sein mag) ersetzt, KokosMILCH wurde gekickt, und - Amber durch Ambra ersetzt…
Neu hinzu kommen Moschus, Papyrus (das RIECHT nach was ??), Myrre, Veilchenblatt und - Vetiver. Daher die gewisse kalte, mit Schärfe einhergehende, härtere Gischt-Wucht am Ende, nehm ich mal an.
OK nun bleibt einzuordnen, wo, wann, und wer.
Für Büro und Öffis ist dieses für mich reine Sommerparfüm echt jetzt nicht wirklich, das verrückte Zeug wird besser am Halfter spazieren geführt. Und zwar, forelast, but not least sei es bemerkt, von Ego-bewussten Menschen, die gern ihre Reviere markieren. Trotz alle dem würde ich sagen, der eindeutige ZweiSprutzDuft Bananita ist gefälliger als Cocoyster, weil: Sich Auster und Süße schneller verdrücken, und die Ambosswolke aus Kokosstaub nicht ganz so dominiert - hinzu kommt der reizvoll kontrastreiche, auch von Anfänger:innen wie mir zu beobnasende Verlauf… Schlusswort gefällig?
- Yaringa kann einpacken.
Und zwar sowas von!
Aktualisiert am 23.05.2025 - 09:39 Uhr