Weihrauchcola, silbern. Lebendig wie flüssige Nacht
Jetzt mal richtig getestet: Ah - hier mag Augsta Safran. Gar nicht backstubig, sondern sehr würzig, gleich zu Beginn; holziger Schweiß auf süßer Haut. Und das vermischt mit einer sehr schönen Bergamotte Note, von mir aus auch Limette, siehe Pyramide. Das ist mal eine Kopfnote für AugustA!
Und gleich wirkt der Duft sooo anziehend.
Flüssig, liquide, vielleicht wie ein Öl, das Tröpfchen bildet oder auch Quecksilber, jedenfalls leicht dickflüssig, keinesfalls wässrig und sehr beweglich.
Und dunkel ist der Duft, aber nicht ohne Lichtpunkte.
Eine leichte Süße kommt jetzt über die Zitrusnote, aber auch etwas ätherisch Krautiges, möglicherweise Lavendel.
Bei aller Beweglichkeit wirkt der Duft einhüllend, man möchte in dieser Phase am ganzen Körper damit überzogen sein. Klebrig? Was soll’s. Ein ätherisches Bitzeln auf der haut? Mehr davon!
Und jetzt kommt dazu eine Holznote, die einen grau-braunen Rauchschleier mitbringt. Der Duft ist mehr olfaktorischer Zustand denn Riechstoff.
Die Nase kommt von Duft nicht los, es beginnen sich Kerzenscheinbilder vor dem inneren Auge zu bilden, flackernd, undeutlich.
Vanille, Moschus, geschenkt, das ist die perfekte Unterlage für die warme Stimmung, die der Duft hervorruft. Aber Spannung bringt erst dieser silbrig-harzige Weihrauch mit Süße und Säure zugleich, erst agrumisch-sauer und dann wie ein Salbeibonbon, das einem das Wasser im Mund zusammenzieht. Und das wird wiederum gewärmt duch den Safran mit seiner rötlichbraunen Textur, würzig und weich zugleich. Wenn das so bleibt, ist der Duft wirklich abgefahren gut.
Ein großer Schluck Cola schwappt vorbei.
Hinokiholz hatte ich bisher noch nicht bewusst wahrgenommen. Mal nachlesen - Hinoki Scheinzypresse: In Japan wird daraus u.a. ätherisches Öl gewonnen und es duftet nach Zitrone. Das Holz wird zum Tempel-, Schrein-Palast- und Theaterbau verwendet.
Meditativ, reinigend, erfrischend für den Geist, würde ich denken. All das finde ich in dem Duft wieder, als er seine Herznote entfaltet im Zusammenfallen der Komponenten, das nun zunächst große Ruhe auf mich ausstrahlt. Zugleich macht der Duft lebendig wie die Großstadt bei Nacht. Meine Wahrnehmung dezentriert sich wieder etwas. Diese Lebendigkeit bleibt, silbrig schwebend mit holziger säuerlicher Süße. Kratzt auch ein wenig im Hals, der Rauch steigt in die Augen, seltsam. So lebendig ist dieser Duft. Lebendig wie flüssige Nacht.
In der Basis drängen sich Moschus und Vanille in den Vordergrund, auch der Safran wärmt wieder würzig, aber seidenweich jetzt. Wenn man an der Kleidung riecht, bleibt ein Hauch von der speziellen ätherisch-weihrauchigen Silberspannung mit Colanote. Aber der Duft wird nun völlig trocken, weich und pudrig.
Ein Duft, umhüllend und zugleich bewegend, öffnend. Fremdartig und bekannt.
Er riecht einfach sensationell gut und bewegt sich deutlich abseits der ausgetretenen Duft-Pfade!
Vielen Dank an die Parfuma von der ich diesen Blindtest-Duft erhalten habe!
Einmal habe ich einen Duft getestet, der Hinoki enthalten sollte, aber das roch mir nicht gut, nicht nach Zitrone. Wer weiß, was das wieder war? Hier bin ich skeptisch wegen Salbei und Lavendel. Safran kann sehr schön sein, wenn er nicht im Essen ist. Genau, so liest sich das verlockend. Aber ich las schon vieles Verlockende und dann war es nichts damit - für mich, nur mich betreffend. Wie immer, testen, was einem unter die Nase kommt, nur dann kann man es wissen.