Ein unbeschwerter Abend auf der Cranger Kirmes
Dieser Duft erweckt ein tiefes Gefühl der Nostalgie. Erinnert ihr euch noch an die Traubenzuckerketten oder -uhren, bei denen man das große Medaillon immer bis zum Schluss aufbewahrt hat?. Diese synthetische Nuance verleiht dem Duft eine Art Politur – er riecht nicht einfach nach den einzelnen Komponenten in der Auflistung, sondern wie eine kunstvolle, aber synthetische Interpretation der Aromen. Diese Synthetik ist jedoch angenehm und keinesfalls aufdringlich. Genau so riecht er – ein Duft, der Erinnerungen an unbeschwerte Kindheitstage wachruft.
Für mich verkörpert er eine jugendlich-leichte Komposition, was nicht überraschend ist, da er von einer Influencerin kreiert wurde, deren Zielgruppe überwiegend junge Menschen und Kinder umfasst. Dennoch hat dieser Duft eine gewisse Raffinesse, die mich durchaus positiv überrascht hat. Die Birnennote sticht deutlich hervor und bleibt nicht nur im Opening präsent, sondern durchzieht den Duft auf eine wohltuende Weise. Dabei wirkt die Birne erfreulicherweise aus einzige Komponente der gesamten Komposition nicht künstlich, was sie zu einem besonderen Highlight macht.
Allerdings gibt es eine synthetische Komponente, die den Duft von einer rein natürlichen Note hin zu einer bewusst „verarbeiteten“ Komposition lenkt
Für mich erweckt dieser Duft Erinnerungen an einen unbeschwerten Abend auf der Cranger Kirmes – eine süße Brise, die einen umhüllt, während man mit seinem Highschool-Sweetheart am Greifautomaten steht und gemeinsam unvergessliche Erinnerungen schafft. Ein Duft, der die Leichtigkeit und die Romantik jugendlicher Abenteuer perfekt einfängt.
Einsamer Opa auf einer Sitzbank im nebligen Entenpark
Ein Duft, der jedoch seinem Namen nicht ganz gerecht wird. Die erwartete „Dullness“ ist kaum spürbar – vorausgesetzt, man nimmt die trockene Sandelholznote außen vor. Tatsächlich hatte ich zunächst den Eindruck, dass sich unter den holzigen Akkorden eine frische, grüne Clementine verbirgt.
Romano Ricci beschreibt die Komposition selbst folgendermaßen:
„I imagined this new fragrance as a tribute to blandness.
A floral musk with a minimal and creamy composition, like a break in the tumult of a fast-paced world. This fragrance, indisputably comforting, wraps the senses in a veil of softness and invites introspection.
‘Ode to Dullness’ celebrates the apparent banality of everyday life and the poetry of small nothings, simplicity in art, and the ordinary in sublime.
Velvety notes of Star Anise, Cashmere Flower, Sandalwood and Tonka Bean complement each other and form a soothing trail.“
Ich erwartete, dass der Duft Assoziationen an eine trockene, sandige Wüstenlandschaft erwecken würde. Doch stattdessen überraschte er mich, da er für mich vielmehr das Bild einer einsamen Parkbank an einem kalten, nebligen Tag in einem Entenpark hervorruft.
Lange habe ich nach einem Duft gesucht, der mir das Gefühl von Einsamkeit vermittelt – nicht im negativen Sinne, sondern auf eine kontemplative Weise.
Während ich zahlreiche spritzige Düfte besitze, die mich fröhlich stimmen, wünschte ich mir einen, der Emotionen auslöst, ähnlich wie der Anblick eines alten Mannes, der im Park Enten füttert. Und genau das gelingt diesem Duft: Er macht mich nachdenklich und emotional.
Ein cremiger Moschus mit einer trockenen, aber keineswegs stumpfen Komposition, wie man sie vielleicht erwarten würde. Er schenkt einen Moment der Ruhe im Chaos einer schnelllebigen Welt, die uns oft entfremdet. Obgleich er individuell auf jeden unterschiedlich wirken mag, strahlt er für mich eine unvergleichliche Beruhigung aus.
auch wenn man es dem Namen eigentlich entnehmen kann, möchte ich mich nicht davon abhalten, darauf hinzuweisen, dass er keineswegs aufdringlich ist.
Romano Ricci hat es geschafft, mich an „die Schönheit der alltäglichen Banalität und die Poesie der kleinen Dinge“ zu erinnern. Ein Duft, zu dem ich immer wieder gern greife.