Jas0Ns Parfumblog

14.12.2018
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Die Probleme eines Parfumos Teil 1: Der Kauf

Seit Wochen arbeite ich an diesem Schriftatz. Ich habe editiert, gelöscht, neu hinzugefügt und ja: ich habe sogar zweimal von vorne angefangen weil mir das Ganze nicht stimmig erschien. Mittlerweile habe ich den Grad der Zufriedenheit erreicht mit welchem man einen Blog veröffentlichen kann.

Parfum gehört ja (wie bei so vielen Sachen) zum Leben dazu. Ich denke man kann hier von einem Luxusgut sprechen, da es etwas ist, dass nicht zwangsläufig im hauseigenen Inventar zur Verfügung stehen muss. Als stiller Mitleser und dann auch als aktiver Verfasser von Statements und Kommentaren habe ich festgestellt, dass Parfum für mich mehr als nur ein kleines Hobby ist. Es ist eine Art Leidenschaft, mit positiven als auch negativen Facetten, mit Grübelei und Schmerz und einer gewissen Portion Wahnsinn. Dank dieser tollen Community komme ich jeden Tag aufs neue in den Genuss persönlich gefärbte Momentaufnahmen zu erleben. Sei es in Form eines Fotos oder eines Kommentars. Beides emotional als auch sachlich-konstruktiv. Per Zufall stolperte ich über Xerjoffs "Amber Star" und da merkte ich (das Ganze ist schon ein paar Monate her) was eigentlich in meinem Kopf passiert, wenn ich einen Duft finde, der ein potentieller Kaufkandidat werden kann. Angemerkt sei, dass ich nur die aller wenigstens Käufe (bezogen auf alles, nicht nur Parfum) aus dem Affekt tätige. Ich bin da eher konservativ unterwegs und weniger intuitiv, sodass ich eher analytisch als emotional vorgehe. Ich stelle die Behauptung auf, dass die meisten hier sich jeden Kauf gut überlegen: Es wird mehrmals getestet, der Preis verglichen etc. Natürlich gibt es auch diese AHA- und WOW-Momente. Erst ist mir das gar nicht richtig aufgefallen, dass unterbewusst "Kaufmechanisen" in meinem Schädel ablaufen. Irgendwann bemerkte ich aber diese dauerhafte Routine, ja quasi ein Prozess der greift. Die entscheidenen Kriterien nach denen ich einen Kaufkandidaten bewerte, sind die folgenden:

Preis, Duft, Marke, Dupe

Über die Jahre habe ich festgestellt, dass der preisliche Aspekt nur eine bedingte Rolle spielen kann, aber dennoch eine feste Größe hat. Beziehe ich mich auf Klamotten, wage ich zu behaupten, dass das G-Star T-Shirt die gleiche Qualität hat wie das 7 Euro T-Shirt der NoName Marke. Es steht halt nur nicht das Label G-Star drauf. Andersherum ist der Preis bei einer Uhr für mich schon ein Gradmesser. Dort weiß ich, dass ich für mein Geld auch gute Qualität bekomme. Was Düfte angeht, bewege ich mich subjektiv auf einem Mittelweg. Ich glaube, die wenigstens Düfte sind ihr Geld wert. Aber trotzdem gibt es einen spürbar und vor allem messbaren Unterschied in der Qualität. Den Preis lasse ich bei einem Kaufkandidaten immer bis zum Schluss offen. Es ist die "letzte" Hürde. Der Duft in seinen Facetten ist für mich der wohl wichtigste Faktor. Ob er gut riecht ist die eine Sache. Wie lange kann ich ihn wahrnehmen? Wie strahlt er aus? Kommt er auch gut an? (Dieser Punkt hat nur einen nebensächlichen Charakter, aber wer will schon, dass alle auf einen zeigen und sagen: "Schau mal der riecht wie eine Mülltonne oder ein Pfefferminzbonbon"). Entscheidend ist für mich, ob ich den Duft tragen kann. Verkleide ich mich oder finde ich mich in ihm wieder? Passt er zu mir? Ist es eher ein saisonaler Duft oder ein Allrounder? Eher ein Typ für das Date oder der klassische Büroduft? Habe ich einen ähnlichen Duft oder bin ich in diesem Segment schon gut versorgt? Reicht auch eine Abfüllung? Kann ich den Duft mehrmals tragen, ohne dass er mir beim fünften mal auf den Geist geht? Hier teste ich wirklich genau und schaue in meine Sammlung oder schon getestete/getragene Düfte. Marke? Hat für mich nichts mit dem Status zu tun. Vielmehr geht es mir hier um Vorurteile. Ich habe da immer zwei Beispiele im Hinterkopf. Creed und Paco Rabanne. Ich liebe Aventus. Trage ihn richtig gerne. Hat hier aber keinen leichten Stand. Einerseits wird er in den Himmel gelobt, andererseits komplett zerrissen. Manchmal gehen Personen sogar soweit, zu sagen, dass die Leute die diesen Duft tragen, hochnässig und arrogant sind. (OK!, Danke) Paco Rabanne muss ich nur lesen. Der Duft hätte nie eine Chance. Der ganze Kommerz mit billigen Duftstoffen, mit Lügen gefüllten Werbungen und falschen Versprechungen. Bin nicht ich, will ich nicht, versuch ich nicht. Gibt es aber auch im Nischenbereich. Tom Ford hat meines Erachtens so viele Düfte, die im untersten Preissegment mitspielen, dass ich mir die Frage stelle: Wieso traut er sich solche Preise aufzurufen. (Ausnahmen gibt es immer) Klar, Düfte trägt man nur für sich und für niemand anderen, aber manchmal wenn ich gewisse Leute mit einem gewissen Duft sehe und rieche, denke ich mir: Jop, dass passt so richtig und verkörpert deinen Charakter. Etwas, was nie zu mir passen würde. Wie One Million Dupe ist für mich dass intressanteste Thema. Zwei Kategorien habe ich in meinem Kopf angelegt. Die Düfte, die wirklich kopieren und nichts anderes seien wollen als das Original. Lehne ich komplett ab. Es gibt aber Düfte, die sich das Original als Vorbild nehmen und gewisse Merkmale neu definieren und interpretieren. Es entsteht eine eigenständige Daseinsberechtigung und eine neue Duftinterpretation. Hier komm ich immer ins Grübeln. Vorangegange Punkte spielen nun eine wichtige Rolle für mich. Vor allem der Preis und der Duft selber sind nun entscheidend. Ist der vermeidliche Klon 50% günstiger, so noch nicht in meiner Sammlung zu finden und passt zu mir wie Arsch auf Eimer, würde die rational denkende Hälfte meines Gehirns sicher den Weg mit dem Dupe gehen. Emotional habe ich aber eine Blockkade im Kopf. Den Original ist Original und irgendwo verschmähe ich Leute, die in welcher Form auch immer, kopieren. Letzendlich will ich nur ausdrücken, dass all diese kleinen Stellschrauben miteinander harmonieren müssen, damit ich einen Duft kaufe. Bei dem kleinsten Unwohlsein kaufe ich zu 95% nicht. Manchmal führe ich gleiches Schema auch an zwei unterschiedlichen Tag durch um zu analysieren, ob ich mich nicht irre. Klar, es gibt auch viele Überschneidungen in den einzelnen Punkten. Die meisten Leute gehen in ein Geschäft, lassen sich kurz beraten, nehmen das Erstbeste mit und sind glücklich. Das Gegenteil wird auf dieser Seite gelebt und geprägt. Durch den regen Austausch, die vielen Bewertungen, Blogs, Bilder und Statements zeigt sich, was für eine enome Auswirkung ein Hobby haben kann, wenn man sich intensiv damit beschäftigt. Nicht nur für einen selber, sondern auch für Personen um einen herum. Manchmal schaue ich mir einfach Fotografien an, weil sie mich inspirieren. Oder ich lese Kommentare des gleichen Autors, weil ich ein Freund seiner Semantik und seines Schreibstils bin. Mit Recht behaupte ich sagen zu können, dass das hier kein Hobby ist sondern Liebe. Und das ich dankbar bin, dass es noch viele andere Verrückte und Wahnsinnige gibt, die genau so ticken wie ich.

An dieser Stelle wäre es schön, wenn andere Nutzer und Nutzerinnen ihre Erfahrungen teilen würden. Es gibt sicherlich Dinge, die für den ein oder anderen eine viel wichtigere Rolle spielen als für mich. Oder sie sind für mich !aktuell! noch garnicht relevant. Ich möchte mich nocheinmal ausdrücklich für alle die tollen Bewertungen (in welcher Form auch immer) bedanken und wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit. Ein besinnliches Fest mit vielen duftenden Geschenken und einen guten Rutsch ins das neue Jahr. Rutscht bloß nicht zu tief ;)

Euer Jas0N

Fortsetzung folgt....

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