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MisterShaver

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Rezensionen
11 - 15 von 18
Namen sind Schall und Rauch .....
Wann immer ich mich für einen Duft entschieden habe, ohne vorher hier rein zu schauen, mußte ich dann hier lesen, es ist in dieser Community oft ein differenziert kommentierter Duft. Ist das gut, oder schlecht?
Sehr auffällig für mich ist, der Duft gefiel beim Kauf immer sehr gut. Das lesen hier über den dann erstandenen Duft führte meist dazu , das der Duft mir danach noch besser gefiel. Womöglich purer Trotz?
Anyway, so ist es auch hier gewesen. In der hervorragend ausgestatteten Parfümerie Thaler in Bozen wurde ich aufgrund meiner Suche nach einem Duft mit Sandelholz sehr gut beraten und am Ende bin ich über das Acqua di Parma Concentrada Sandalo bei dem Pass zur Hölle gelandet. Ich bin der französischen Sprache nicht mächtig und las erst hier, was ich da gekauft hatte. Ich las auch die Kommentare die sich immer darauf stürzten diesen Namen mit irgendetwas an dem Duft in Verbindung zu bringen. Und ich kaufte diesen Duft, ohne zu wissen was der Name mir sagen will. Nun weiß ich aber zufällig ganz genau, das solche komponierten Düfte , wie alle anderen, auf der Haut entsprechend so reagieren, wie der Hautbesitzer eben chemisch eingestellt ist. Deshalb nahm ich bei mir einen wunderbaren leicht holzigen, aber auch eben warmen Duft wahr. Der ist sehr Körpernah schreibt man hier. Aha ... hat denn mal jemand seine Umgebung befragt ob das so ist? Ich schon. Also, auch meine Mitmenschen nehmen den Duft wahr. Und zwar angenehm. Ich zerlege es nicht weiter, denn es führt zu nichts. Der Duft riecht nicht so, wie man es bei Kenntnis des Namens ins deutsche übersetzt glauben mag. Aber es ist ein sanfter, sandelholziger Duft mit Weihrauch im Gepäck. Keine Kirche, sondern passend zu einem sonnigen Herbst. Und der Name ist einfach Schall und Rauch, tut gar nichts zur Sache und ich bin mir sicher, Olivia Giacobetti wollte genau so den Duft haben und wollte kein Massenprodukt erstellen. Es ist was es ist. Ein sanfter Herbstduft mit dem Hang zum Kaminzimmer und der Ginflasche auf dem Tisch. Daneben eine Ausgabe des letzten Playboys damit dem Thema Hölle Tribut gezollt wird. Wenn das denn wichtig ist.
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Danke Herr Thierry Wasser
Bei diesem Duft muss ich mich wirklich an Apicius Statement dran hängen und mich bei Herrn Wasser bedanken. Denn alleine wie der Duft zu mir kam .... ich hatte Geburtstag und im Vorfeld wird man gefragt, was man sich wünscht. Hier waren meine Frau und meine Tochter die Fragenden. Nun wünscht man sich einen Duft ja oft per Gutschein, aber ich wollte was in der Hand haben. Also schickte ich meine beiden Damen zu der Parfümerie meines Vertrauens mit der Idee dort im Gespräch und Versuch den Duft zu finden, den der Ladenbesitzer - der mein vollstes Vertrauen und meine Duftansprüche hat und kennt - auftischt. Wie ich erfuhr waren einige am Start, aber diesen haben meine Damen auserkoren. Das alleine reicht mir schon als guter Einstieg.
Nun kam aber auch der Tag der Offenbarung, sprich, mein Urteil. Und dieses fiel, ohne das ich hier gelesen habe.
Nun ist dieser Duft mein erster von Guerlain. Daher gibt es für mich nichts, womit ich das vergleichen könnte. Ebenso die anderen hier angesprochenen Düfte kenne ich nicht. Somit bin ich also frei von allem, was mein Urteil auf dem Boden eines, "das dufte wie", Kommentars trüben könnte.

Und nun stelle ich fest, das beim ersten aufsprühen bei mir eine kleine, zarte Nasenexplosion statt findet. Die Mischung der ersten Duftkomponenten erinnert mich an einen frischen Ansturm mit einer leicht herben Bremse. Und ich nehme die mir angenehmen Anklänge der Mandel und irgendwie etwas vanilleartiges wahr. Aber eben nicht süß. Gibt es herbe Vanille? Keine Ahnung, eigentlich bringt man damit eher süß, manchmal sogar etwas schwer schwülstiges ein. Aber hier nicht. Es ist wohl die Mischung der Tonkabohne mit der Mandel die dies bei mir auslöst. Und alles was danach kommt ist das was ich so sehr bevorzuge. Etwas lederiges, etwas holziges und etwas orientalisch anmutendes.
Da hat mein Parfumdealer des Vertrauens ganze Arbeit geleistet, meine Damen haben es erkannt, und ich gestehe, der Duft zeigt mir, dass ein irgendwie maskulin gestalteter Duft einen süßen Beiklang haben kann. Und zwar nur so viel davon, das er nicht in das süße Feld abdriftet.
Und von daher ist es bei mir der ideale Duft. Perfekt für den lauen Sommerabend wo man feine Akzente setzen möchte. Die natürlich auch in das Büro passen werden.
Und deshalb kann ich mich bei Herrn Wasser bedanken, denn ohne ihn hätte ich es nicht erfahren dürfen.

Ich freue mich so sehr!
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Es war einmal in Colonia ...
... und da fragte man sich, wie können wir denn unseren Ur Colonia Duft, den es schon lange und mit Recht genauso gibt, anders machen ohne ihn zu verraten?

So könnte es zu Pura gekommen sein. Das startet auch mit einem Citrusduft, aber dafür wäre nur Orange drin. Okay, reicht ja auch. Denn in der Gesamtkomposition ist das Ur Colonia da, aber irgendwie moderner. Pura beginnt nicht so laut wie das Ur Colonia und der Verlauf bleibt auch genau auf diesem Niveau. Der Anfang ist eben frisch und dann wird es etwas, was man bei dem Ur Vater nicht so kennt. Es ist entwickelt sich mit einem leichten Understatement zum einem wahrlich eleganten Duft. Es paßt zum feinen Anzug, dem Lederschuh, der gerne auch locker sitzenden Krawatte mit geöffnetem oberen Hemdknopf. Jedoch, es ist unauffälliger für die Umwelt, der Duft bleibt Körpernah. Es ist so wie eine feine Uhr die etwas teurer war, aber nicht so fett daher kommt (Anschautipp meiner Wahl wäre hier z. B. die Firma Junghans mit der Meister Serie).
Und ist das alles nun schlimm in Richtung ISO-E-Super? Für mich nicht. Es ist vielleicht eine Annäherung an ein anderes Publikumssegment das bisher eher dem modernen und hippen Duftareal verschrieben war. Wenn das überhaupt nötig wäre. Wenn ja, dann ist es die Möglichkeit eine Brücke zwischen diesen Welten zu schlagen. Aber es ist bei weitem keine Anbiederung durch Kopie der Synthetikduftwelt. Bei weitem nicht! Das Pura bleibt sozusagen auf seiner Seite. Es gleitet nie ab in diese klebrige Bonbonwelt oder gar heftiges Festhalten an der Kopfnote. Es ist einfach edler, aber es könnte auf der modernen Seite durchgehen. Wer Pura trägt wirkt immer noch fein, ausgewogen und eben eher elegant. Wenn man am Abend dann die Kleidung auf den Bügel hängt dann ist noch was anderes da. Ein ganz leichter Hauch von frischer Wäsche .... kommt das vom Pura, oder lag das wirklich am Waschmittel? Alleine das ich es für möglich halte es könnte vom Pura kommen macht diesen Duft schon zu etwas feinem.
Ich finde es wunderbar!

.... Da kann mir Chnuddelchatz übrigens gestohlen bleiben. Denn was der so treibt interessiert mich reichlich wenig.
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Zeitreise in Tweed
Da habe ich mich so lange davor gedrückt ... nun ist es doch dazu gekommen.
Als ich mich vor mehreren Jahren der Nassrasur widmete - was mittlerweile zu den unumstößlichen Wohlfühl-Arrengaments des Tages zählt - lief mir bei meinen damaligen Duftrecherchen schon recht früh das Blenheim Bouquet in den Weg. Nicht in "echt", sondern nur als Beschreibung in Foren und Handelsplattformen. Natürlich war auch irgendwie der Querverweis zu Trumper's Wellington gleich gefunden. Allerdings hat mich diese Duftrichtung nie so angemacht. Ich brauchte eine Zeit der Findungsphase. Nun bin ich ja mittlerweile belesener und weiter entwickelt in diesem Sachgebiet. Und jetzt bin ich so kurz vor dem Winter gerade in so einer englisch angehauchten Duftwelt angekommen. Warum ist das so? Nun, einerseits arbeiteten seit Sommer ein paar echte Engländer bei meinem Arbeitgeber und ich hatte die Möglichkeit ein wenig von deren Stil in diesen Dingen zu erfahren. Da war ich dann schon mindestens mal interessiert. Und dann war da irgendwann einmal so ein Bild in meinem Kopf:
Der berühmte Herrenbarbier in einer Geschäftsstraße in London. Man tritt ein und es weht dieser Herrensalon Duft durch diese eigene Welt. Alles wirkt höflich, British und ehrwürdig. Einrichtung in Holz, Glasvitrinen mit einigen Rasur- und Duftutensilien, schön ansprechend präsentiert und eine Person hinter dem Tresen für die Anmeldung. Um einen herum bewegen sich Menschen die aussehen wie ein Lord, ein Duke, ein reicher Aristokrat, Landadel, entsprechend fein gekleidet. Das hat es mir irgendwie angetan, dieses Bild ...
Nun habe ich also ein wenig in diesem Bereich der Düfte recherchiert und das Wellington erschien mir der richtige Partner für diese Liaison in meinem Badezimmer.
Nun kann man alleine von der Präsentation von den Trumper Produkten in der Papprolle schon das Gefühl bekommen, hier etwas edles und besonderes erworben zu haben. Öffnet man die Schachtel wird noch eine kleine Schippe nachgelegt. Der geätzte Glasflakon, die goldene Verschlusskrone, die Reliefartige Beschriftung, das Pappschild ... einfach gelungen.
Dann kommt natürlich die erste Bekanntschaft mit dem Duft. Ich trug es recht großzügig auf. Der erste Eindruck der bei mir kommt ist neben dem zitrischen Start - der übrigens für mich ganz anders ist als bei einem Aqua di Parma Colonia - Staubtrocken. Genau so stelle ich mir etwas vor, das man mit dem Begriff very dry beschreiben möchte. Das ist der erste Moment, und wenn ich nun statt einer Flüssigkeit eine sandartige Substanz auftragen würde, ich wäre nicht verwundert gewesen. Aber das dauert überhaupt nicht lange und schon ist mehr Platz für, tja, das sogenannte zitrisch duftende Stück in diesem Cologne. Aber eben nicht wie die Explosion in einem Zitronenfeld, sondern wie die Zitrone die man am geöffneten Fenster bei sanfter Abendluft in sein Schlafzimmer getragen bekommt. Die Zitrone die sagt, komm, lass uns ein wenig unter die Leute gehen und das Leben genießen. Und gleichzeitig ist da der auch eine Komponente der Strenge, die Einhalt gebietet damit man ja nicht - total untypisch für einen Gentleman - frohgelaunt über die Stränge schlägt. Also, der mahnende Zeigefinger. Immer schön auf dem Teppich bleiben. Somit passt der englische Tweed hervorragend zu dieser Absicht. Ohne nun die ganzen genannten Düfte zu durchschreiten die sich von Kopf über Herz und Basis entfalten, es ist ein Erlebnis. Der Eindruck eines 80iger Jahre Duftes drängt sich auf. Man fühlt sich aus der Zeit gefallen, aber gleichzeitig denke ich, was soll's. Ich bin schließlich in den 80igern jung gewesen und habe dort den synthetischen Massendüften gefrönt. Dieser Duft ist in echt älter als alle Menschen die ich kenne (1887). Nun bin ich weiter, ich erkenne Qualität und dieser Duft ist wohl durchdacht, ausgewogen und wirkt edel. Ein wenig "erfahren und ehrwürdig" auch, aber das sollte man sich einfach leisten. Das darüber stehen gegenüber der schnellen Welt ist hier die Richtung. Man kommt an, man fühlt sich wohl, man ist erhaben über den meisten FastWorldStuß der heutigen Zeit. Und so fühle ich mich dann auf einer Art Wolke mit diesem Duft, habe hin- und wieder passende Bilder dazu vor dem inneren Auge. Und wenn ich das alles ordentlich genossen habe beginnt das sanfte entschwinden des Duftes. Er verläßt mich einfach, ganz unspektakulär klingt er ab und läßt doch hier und da eine kleine Fährte zurück ... wenn ich mir durch das Haar fahre, wenn ich abends wieder in meine Auto steige und den dort vom Morgen eingesperrten Duft noch wahrnehmen kann ... die zarte Erinnerung setzt ein und schon gewinnt Wellington noch einmal ein wenig Gestalt. Erinnere dich, sagt es, ich bin einer von vielen, aber du erkennst mich trotzdem unter allen wieder heraus. Also bin ich für dich doch der einzigartige.
Und so lasse ich den Gedanken einfach mal stehen ... so wie der Duft in meiner nahen Umgebung stehen blieb um mich zu erinnern. An englischen Stil, an Tweedanzüge, feine Lederschuhe und das seltene Winterlicht auf einem gereiften Feld in der Morgensonne. Eine Morgensonne die den Tag mit einem neuen Elan und einer Wellington Duftwolke ankündigt ...
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Neapel mit Hut
Der Duft könnte Ihnen gefallen sagt die Meraner Verkäuferin in dem wunderschönen Parfümeriegeschäft mit den schmucken und sehr alte Holzkommoden. Und in der Tat, ich war direkt angetan von diesem Duft. Beschreiben kann ich den Duft nicht als einen mir bereits bekannten. Und wenn, dann sind die möglichen Bekannten die Nachahmer dieses Duftes. Das Panama 1924 ist dann das Original.
Jedenfalls, ich ließ mir den Duft auftragen und ging durch die Stadt. Das Treiben inMeran empfinde ich schon immer als angenehm und belebend, die Laubengänge und Geschäfte inspirieren meine Sinne. So vor mich hintreibend erwische ich immer wieder eine Duftfahne des Panama, und immer durchfährt mich eine wohlige Welle dabei. Es ist irgendwie warm, weich aber nicht feminin, hat etwas süßes das aber direkt in etwas leicht holzartiges abdriftet. Es kommt auch ein cremiges Bestandteil dabei, alles gleichzeitig. Und eben diese leichte süße verführerische Umrahmung des Ganzen. Einfach herrlich! Und dieser Duft passt so gut zu einer Art Dolce Vita. Nicht das perfekt frische eines Acqua di Parma Colonia Duftes. Es ist wie ein Spaziergang am Meer an einer Promenade auf dem Weg zu einem Rendovouz in einem schönen Lokal mit edlem Holz und gut ausgestatteter Bar. Man trägt eine leichten Sommeranzug aus feinem Tuch und drapiert seinen Panamahut auf der Garderobe. An der Bar sitzt eine elegante Dame an einem Gin Tonic nippend. Man gesellt sich dazu, bestellt einen guten Brandy und kommt ins Gespräch ... der Abend nimmt seinen Lauf.
So, oder so ähnlich bildeten sich Bilder in meinem inneren als mir immer wieder der Duft in die Nase wehte.
Was soll ich sagen, ja, nun ist es auch meiner. Und er ist einfach edel, zurückhaltend und kein Brite. Sondern ein feiner Italiener der sich fein entwickelt und nicht im Vordergrund hantiert, sondern vornehm zurückhaltend seine Duftarme um sein Umfeld schlingt, es mit der Süße durchzieht und mit dem cremig leicht holzigen Schmelz abrundet.
Damit fühlt man sich einfach gut "angezogen".
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