TenderPoisons Parfumblog

16.09.2020
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Wechselnde Begleiter oder wieso meine Nase plötzlich meine Treue in Frage stellt

Ich bin eine treue Seele. Anaïs AnaïsAnaïs Anaïs und Paris von YSL waren die erste Düfte meines Lebens, und bis zur Reformulierung von Anais Anais hatte ich zeitlebens immer einen Flakon im Bad. Immer. Und mein Leben geht schon ziemlich lang, glücklicherweise. Genausolang besaß ich - und besitze noch - immer einen Flakon Paris. Seit über 30 Jahren. Seit nur etwa 25 Jahren habe ich immer einen Flacon Bijan, meine Signatur, zur Hand. Meist war es EdP, das gibt's aber nicht hier bei Parfumo. Auch Cabotine und 24 Faubourg begleiten mich seit 28 Jahren.

Zu diesen liebgewonnen Freunden gesellten sich immer wieder neue Wegbegleiter. Viele davon schafften es kein zweites Mal in mein Einkaufskörbchen. Die Hochphase wechselnder Begleiter erlebe ich, seit ich bei Parfumo bin. Es ist aufregend, aber auch anstrengend. Diese Phasen, in denen ich, angetrieben von der Suche nach dem ultimativen neuen Duft, ja vielleicht dem anderen Duft, Stunden in der Parfümerie verbringe. Ich habe viele schöne neue Düfte kennengelernt, meine Sammlung erweitert. Sogar um Düfte, die vor 4 Jahren noch unvorstellbar für mich gewesen wären. Heute sind Habanita l'Esprit und Armanis Rose d'Arabie Düfte, die großes Potenzial auf einen dauerhaften Wohnsitz bei mir haben.

In meinem ersten Parfumo-Sommer habe ich einen neuen Sommerduft für mich gesucht, da mein Liebling von Dior, Tendre Poison, eingestellt wurde. Ich habe nach intensiver Suche schöne neue Schätzchen gefunden. Allen voran Sur L'HerbeSur L'Herbe, ein Traum bei über 36 Grad. Auch VersenseVersense ließ mich die letzten beiden Sommer in Verzückung geraten. "La Tulipe" durfte einziehen, ein wirklich sehr besonderer Duft. Vielleicht liegt es daran, dass wir dieses Jahr einen echten deutschen Sommer haben, also Sommer, wie er früher einmal war - mit viel Wolken und Regen. Aber ich habe in den letzten Monaten überraschenderweise keine Freude mehr an Versense gehabt. Er wirkte plötzlich herb an mir. La Tulipe erscheint mir plötzlich unrund, nicht mehr so tragenswert wie im Jahr des Erwerbs, und da habe ich ihn geliebt. Als ich die Tage an meinem neuen Flakon von Paris schnüffelte, war da so ein Unterton, wo ich mich fragte, ob ich den Duft nach 30 Jahren wirklich immer noch toll finde. Statt dessen finde ich "Rose Pompon", den ich noch vor ein paar Monaten in der Parfümerie als zu süß strikt abgelehnt habe, ganz erquicklich.

Ich bin gespannt, wie es mir in den Wintermonaten ergehen wird. Ob ich da auch so wankelmütig werde. Und ob aus neuen Bekannten Wegbegleiter werden wollen.

Kennt Ihr das auch? Für mich als treue Seele ist das echt ein neues Erlebnis.

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