Kaum freigelassen, springt sie mich an, klammert sich an mir fest und nimmt meine Haut großflächig in Beschlag, um sich dort stundenlang einzurichten und mich dabei ständig zu belauern: die Immortelle!
Hui! Ihre Urgewalt in dieser Duftkomposition sorgt für ein Kratzen im Hals, das dringend einige balsamische Duftstoffe und viel Honig benötigt.
Zum Glück wird Honig in "Bois Lumière" großzügig verwendet; er schmeichelt und glättet sofort die aufgewühlten Duftempfindungen: Eine Spur Tannenbalsam wurde schon daruntergerührt - welch ein Glück: der Hals dankt und ich kann etwas weniger gegen den Strich gebürstet in diesem Kräuterparadies auf Entdeckungsreise gehen.
Denn eigentlich ist es das: ein Paradies voller Würze und Kräuter; wenn nur die Immortelle gezähmt wäre!
Viel unverfälschte Natur steckt in diesem Duftwesen: "Eintauchen, tief Luft holen und Genießen" könnte hier das Motto sein.
Leicht kratziger Wacholder, sowohl in Holz, als auch in Beeren, wird erfrischend untermalt von einer nicht zu synthetischen Mandarine. (Ein wenig haftet ihr dieser Makel immer an: nicht nur als Duftnote, sondern auch als Frucht empfinde ich es so.)
Der kräftig würzige Muskatellersalbei rundet das den Duft eröffnende Trio harmonisch ab.
Dieses trifft erst jetzt auf den tannenbalsamischen sämigen Honig, der eine pure Wohltat nach dem ersten Erschrecken ist und zum Glück der Kopfnote voran eilte. - Gesegneter Eigensinn!
Gartennelke, ganz uneitel und deshalb auch sehr hübsch in ihrem speziellen volkstümlichen Duftgewand, und ein Rosenaroma, das wohl auch von nicht allzu hochgezüchteten Blütenköniginnen zu stammen scheint, setzen sich freundlich plaudernd zu den bereits vorhandenen Duftnoten auf die Wiese - immer im Immortellenschatten.
Sie alle haben es nicht leicht, ihre Plätze in diesem Arrangement zu behaupten.
Es gelingt besser, als Bienenwachs (auch mit einer sanften Honignuance und an duftende Möbelpolitur erinnernd) die Duftlandschaft ebnet.
Ein robuster Duftfluss entsteht, viele Strudel und Untiefen haben sich langsam beruhigt und so können silbrige Zedern und harzig-rauchiges Benzoe diese Kräutermischung doch noch zu einem angenehmen Abschluss bringen.
An "Bois Lumière" ist nichts elegant oder weich, nichts tändelt, nichts flirtet; alles ist kräftig, ungekünstelt: ein rustikaler Naturbursche in festem Gewand - aber leider sehr Strohblumen-lastig!
Für jemanden wie mich, der eigentlich von Kräutermischungen als Tee sehr angetan ist und auch selbst Kräuter sammelt und trocknet, ist deren Dominanz und Anhänglichkeit doch recht befremdlich - ja, sogar störend.
Wie balsamisch stellte ich mir diese Duftmischung nach der Pyramide vor; ich freute mich sehr, eine Abfüllung von "Bois Lumière" zu erhalten, wofür ich mich bei dieser Gelegenheit herzlich bedanke. Denn viele meine würzigen Lieblinge finde ich hier versammelt.
Wäre nur nicht die ungebändigte Leidenschaft der Immortelle!
So muss dieser Duft weiterreisen und ich bin wirklich gespannt, wer den Mut hat, sich als nächster auf dieses Abenteuer einzulassen!
Langweilig wird das mit Sicherheit nicht!
Ich mag ja auch Immortelle,aber wenn sie zu dominant ist empfinde ich sie auch eher als störend. Ich denke der Duft ist auch ein wenig zu grob für Dich. Da muss schnell was feineres her!...;)