Nachdem ich diesen Duft angesprüht hatte, verfiel ich zusehends in Gedanken. Zuerst erinnerte ich mich daran, als ich ihn zum ersten Mal sah, ca 2007: No. 18, dachte ich, was für ein dummer Fake. Jedes Kind weiss doch, dass es No. 19 heissen muss, wenn es sich nicht um No. 5 handelt. Und No. 46 ist längst ausgestorben. Und No. 22 gibt es nur in USA. Und No. IV ist von Jil Sander. Zugegeben, meine Gedankensprünge waren etwas holprig. Dann aber kamen mir schon Zweifel. Was ist, wenn irgendein Scherzkeks bei Chanel nun doch ein No. 18 kreiiert hat? Vielleicht ist es ja ein Prequel zu No. 19, sozusagen die Vor-Form? Oder einfach ein No. 19 ohne die fiese grüne Note, die mich so stört? Alles falsch. Monsieur Polge, der Meister persönlich, hat sich gedacht: Ambrette riecht schon so gut und facettenreich, da muss ich gar nicht mehr viel daran tun. Husch - noch ein paar Früchte, und voilá! Ein neuer Chanel-Duft in der Reihe der Exclusifs, und mal etwas ganz anderes. Und, Genie, der er ist, hatte er mal wieder recht. Anfänglich rieche ich wirklich nur das, was Ambrette ausmacht: Kräuterwürzige, leicht alkoholische Süsse. Nach und nach mischen sich frische Fruchtnoten darunter. Rumtopf! kommt mir in den Sinn. Sehr wohltuend! denke ich ebenfalls. Weihnachten! schwirrt mir ausserdem im Kopf herum. Ein schöner, würziger Edelduft, wie geschaffen für kühlere Tage, aber durch die doch recht leichte Süsse auch an wärmeren Tagen tragbar, und das alles nicht nur für Mädchen! Ich würde sogar sagen, eher noch für Jungs!