"Die Lebenskunst ist eine Kultur, die von Lebensart, von Respekt und von Toleranz genährt wird. Die Kunst, eine Zigarre zu geniessen, ist dasselbe." Zino Davidoff
Der Name Zino Davidoff steht weltweit als Synonym für vollendeten Genuss, Individualität und kompromisslose Qualität. Geboren wurde Zino Davidoff als Sussele-Meier Davidoff am 11. März 1906 in Nowgorod-Sewerski. In Zuge der (judenfeindlichen) zaristischen Progrome floh seine Familie aus Russland in Richtung Amerika. Nach dreimonatiger Flucht fanden sie in Genf eine neue Heimat, wo sein Vater wenig später ein Tabakgeschäft am "Boulevard des Philosophes" eröffnete. Dieses wurde zum Treffpunkt der dort ansässigen russischen Gemeinde. Hier lernte der junge Davidoff früh, Tabakmischungen für Zigarren und Pfeifen herzustellen, verspürte jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt eine kosmopolitische Neigung. Dementsprechend zog es ihn, nachdem er 1924 die Schule beendet hatte, für mehrere Jahre nach Argentinien, Brasilien und vor allem Kuba. Hier lernte er den Tabakanbau, studierte das Trocknen und Fermentieren und erwarb wichtige Kenntnisse für das richtige Mischen und Degustieren. Zurück in Genf eröffnete er 1929 im Geschäft seines Vaters eine eigene Zigarrenabteilung. Seine profunden Kenntnisse, sein Geschick als Kaufmann, seine erstklassigen Handelsbeziehungen, sein Charme und nicht zuletzt die kosmopolitische Ausstrahlung machten ihn und seinen Laden bald über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Er war der Erste in Europa, der in seinem Laden einen Humidor einbauen ließ. Dadurch konnten die Tabakblätter und Zigarren bei gleichbleibender Temperatur und Luftfeuchtigkeit auch über längere Zeit fachgerecht gelagert werden. Davidoff gehörte deswegen zu den wenigen, die während der Zeit des Zweiten Weltkriegs hochwertige Zigarren liefern konnten und avancierte zur besten Adresse für Zigarren der Stadt. Nach Kriegsende konzentrierte er sich auf die Produktion eigener Mischungen. Daraus entstand ab 1946 die legendäre „Chateau-Linie“: Havannas, die nach großen Bordeaux-Weinen benannt waren: So insbesondere 1946 die "Château Latour". Als weitere Serien entstanden die berühmte "Dom Pérignon" und "Thousands". 1967 schloss Zino Davidoff mit der staatlichen kubanischen Zigarrenfirma "Cubatabaco" einen Vertrag, nach dem die Kubaner eine exklusive Zigarre unter dem Namen Davidoff für ihn produzierten. So kreierte 1967 Davidoff auf Kuba die „Davidoff No. 1“ . Sie wurde weltweit eine der populärsten Zigarren. 1970 tat sich Davidoff mit seinem langjährigen Freund Ernst Schneider, Chef des traditionsreichen Familienunternehmens Oettinger aus Basel, zusammen. Gemeinsam bauten sie Davidoff zu einer global erfolgreichen Marke aus, zu der heute auch Lederwaren, Kosmetika, Düfte, Brillen und Uhren gehören. Als die Zusammenarbeit mit Cubatabaco 1989 mit einem Eklat endete (Kuba lieferte keinen Tabak mehr an Davidoff, der daraufhin kubanische Zigarren im Wert von drei Millionen US-Dollar öffentlich verbrannte), verlegte man die Produktion im März 1990 in die Dominikanische Republik und brachte schon wenige Jahre später folgende Serien heraus: „Aniversario“, „Classic“, „Mille“, „Grand Cru“, „Special“ und „Millennium Blend“. Bekannt ist dabei Davidoff vor allem für seine Qualitätskontrolle: Diese erfolgt nämlich bei seinen Zigarren in mehreren Stufen: Nach dreimaligem Qualitätscheck in der Manufaktur unterliegen die Produkte einer weiteren Endkontrolle, bevor die Zigarren in die Vertriebszentren in Weil am Rhein, Basel und Stanford (Connecticut) versandt werden. Dort werden sie zusätzlich während der Konfektionierung begutachtet und im Anschluss zu den Vertragshändlern geliefert. Davidoff ist der einzige Zigarren-Hersteller, der mit den Händlern schriftliche Vereinbarungen über Präsentation und Behandlung der Ware trifft. Die Philosophie des Genusses "Zino Davidoff" starb am 14. Januar 1994 in Genf. In seiner Biographie „Zigarren-Brevier oder Was raucht der Connaisseur“ schreibt er über sein Leben: „Die Zigarre war mein Leben. Ihr verdanke ich alles: Meine Ekstasen und meine Qualen, die Freuden meiner Arbeit und meiner Mußestunden, und wenn ich im Laufe der Jahre ein wenig mit Philosophie gewürzte Wissenschaft erworben habe, so verdanke ich auch dies der Zigarre.” Am Ende bleibt sein Rat für die Freunde des blauen Dunstes: „Rauchen Sie weniger, aber besser und länger – machen Sie einen Kult daraus, eine Philosophie!”
Daher wollen wir jetzt auch -entsprechend diesem Rat- keine Zigarre rauchen, sondern uns an den Düften erfreuen, die Zino Davidoff uns geschenkt hat. Obwohl das einige sehr schöne Düfte waren fällt mir immer spontan "Zino" aus dem Jahre 1986 ein: Der Duft beginnt fruchtig-würzig. Ich nehme eine Bergamotte wahr. Eine reife und sehr natürlich wirkende Frucht. Doch sie ist nicht alleine gekommen. Sie ist nämlich würzig untermalt. Mit mediterranem Lavendel und würzigem Salbei. Insbesondere der Salbei lässt mich kurz an Chanel's "Antaeus" aus dem Jahr 1981 denken. Aber nur kurz. Und der Lavendel ? Ich kann es nicht anders sagen: Der ist irgendwie schön hell und strahlend. So richtig sexy. Ich finde, dieser "hell-strahlende" Lavendel steht zu dem würzigen Salbei in einem sehr interessanten Spannungsverhältnis Darüber hinaus haben wir hier sogleich eine Rosen-Note. Es ist eine dunkle, eine knorrig-holzige, Rose. Eine stolze und aufrechte Rose, die sich uns hier zeigt. Nach wie vor würzig und (leicht) fruchtig (von der reifen Bergamotte) untermalt. Auch diese tritt in Kontrast zu dem hellen Lavendel, dem würzigen Salbei und der fruchtig-reifen Bergamotte (die allerdings inzwischen doch sehr in den Hintergrund tritt). Doch schon bald tritt -zumindest nach meinem Eindruck- bei unserer Rose das Rosenholz immer mehr in den Vordergrund und es gesellt sich eine stattliche Anzahl weiterer edler Hölzer hinzu: Sandelholz und Zeder bilden nunmehr mit dem würzig-(leicht) fruchtigen Rosenholz ein Trio. Das Ganze rauchig untermalt durch würziges Patchouli. Hier gelingt es Zino Davidoff und seinem Parfumeur Michel Almairac, bei dem im Jahre 1986 kreierten "Zino" hervorragend, im positivsten Sinne das Duftbild einer edlen "Zigarren-Lounge" zu malen: Man stelle sich einen abgedunkelten Raum mit schweren Leder-Sesseln vor. An der Wand hängen bereits etwas vergilbte Schwarzweiß-Fotos berühmter Raucher: Ernest Hemingway, James Dean, Fidel Castro, Klaus Kinski und Helmut Schmidt. Draußen tobt ein eiskalter Schnee-Sturm. Im Inneren des Raumes ist es jedoch angenehm warm. Das beruhigende Knistern der liebevoll im eingemauerten Kamin aufgestapelten Holzscheite ist deutlich im Hintergrund zu hören. Der bereits etwas verschlissene Leder-Bezug der tiefen Ohrensessel ist in schwarzen und dunkelgrünen Leder gehalten. Gut gekleidete, zum Teil bereits grauhaarige, Herren sitzen dort, unterhalten sich angeregt, aber distinguiert über Dies und über Jenes. Und genießen vor allem die von ihnen geradezu zelebrierte Zigarre. Über ein langen Zeitraum hinweg. Über einen sehr langen Zeitraum hinweg. Dazu trinken sie einen gereiften Single-Malt Whisky: Einen medizinalen "Laphroaig" (am ausdrucksstärksten hinsichtlich der für ihn so typischen Jod-Note ist nach meiner Meinung immer noch der 10-Jährige) oder einen dickflüssig-öligen "Talisker" von der Insel "Skye" in Schottland. Vielleicht aber auch einen edlen Cognac ("Hennessy XO") ? Oder einfach auch nur ein Glas eines gereiften französischen Rotweines namhaftester Herkunft: So etwa ein würziger "Châteauneuf Du Pape", ein voluminöser Côte-Rôtie "Brune & Blonde de Guigal" oder ein tanninstrenger Bordeaux aus dem Médoc. Vielleicht ein 1990er "Château Lagrange" aus dem St.Julien ? Gegen Ende klingt der Duft dann leicht süßlich -nach Vanille duftend- wärmend (Amber) aus. Der holzig-rauchige Grundcharakter bleibt jedoch erhalten.
Ich liebe diesen Duft ! Er steht zwar in der heutigen Zeit schnell-lebiger Designer-Düfte zunehmend, jedoch völlig unverdient, in den unteren und damit unattraktiveren Bereichen der einschlägigen Parfümerien . Aber immerhin ist er noch erhältlich. Das ist doch schon mal was. Ich wünschte, das würde für Davidoff's "Good Life" auch noch gelten. Aber, das ist eine andere Geschichte ...
Wir sind nämlich mit unserer Geschichte noch nicht ganz am Ende. Denn: "Zino" zu besprechen heißt zwingend auch, Guerlain's "Héritage" (aus dem Jahre 1992; kreiert als EdT und als EdP) erwähnen zu müssen, der im Allgemeinen als "Zino's Sohn" angesehen wird: Nun, eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen. Doch -so finde ich- unterscheiden sich diese Düfte grundlegend: Während "Zino" für mich in Richtung "coole Raucher-Lounge" geht stellt (der von mir übrigens über alles geliebte) "Héritage"einen -vielleicht auch etwas leicht holzig-rauchigen- Gentleman-Duft dar. Beide Düfte haben ohne Frage ihre Existenzberechtigung nebeneinander. Auch wenn Jean Paul Guerlain 1992 die Idee von "Zino" aufgegriffen haben soll. Soll er doch ! "Zino" passt mit seiner "coolen Raucher-Lounge-Flair" zu (dem Zigarren-Hersteller) Davidoff wie der (diesem nicht ganz unähnliche) edle "Gentleman-Duft" Héritage zu Guerlain.
So, jetzt habe ich alles über "Zino" erzählt, was mir am Herzen lag. Mein Schlusswort überlasse ich daher heute (ausnahmsweise) der Werbeabteilung von Davidoff: "Mit seinem unaufdringlichen Charme ist der Duft geschaffen für charakterstarke Männer, die das Leben zu genießen verstehen."
Dein Kommentar übertrifft meine Erwartungen. Du weckst schöne Erinnerungen an meinen ersten (richtigen) Herrenduft. Danke sehr.
---Kann man eigentlich auch mehr Pokale vergeben als bloß einen ?---
herzlichen dank auch für das schreiben dieser Biografie, habe ich mit vollem Interesse gelesen und verfolgt.
-habe mir vor kurzem das 200ml Fläschchen gekauft,grins-
für gerade mal 37€, bei Karstadt!!!
Toller Kommentar zu einem meiner ewigen Top 10 Düfte. War einer der ersten die ich mir damals neben Aramis und Tabac selber gekauft habe, und zwar weil ich die dunkelrot-beige Farbkombination des Flacons ansprechender fand als das Cool Water Blau.
Danke für die Anregung.
---Kann man eigentlich auch mehr Pokale vergeben als bloß einen ?---
-habe mir vor kurzem das 200ml Fläschchen gekauft,grins-
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