Warme, welkende Rosen versprühen spätsommerliche Melancholie, in die sich perfekt eine wunderbare, tiefe Tabaknote gelassener „gentility“ fügt. Zum meditativen Charakter tragen auch Harze wie das Styrax der Kopfnote und Weihrauch und Zypresse in der Basis bei. Neroli und Petitgrain vom Orangenbaum flackern wie eine Erinnerung an den Frühling und vermeiden das Abgleiten in allzu düstere Grübelei. Domenico Caraceni verlangt entweder nach sehr formeller Kleidung oder aber einem gepflegten englischen Country Stil – passend zum Raucherzimmer eines Manors an einem wolkigen Herbsttag im Lake District.
Zur Genealogie des Duftes ist zu sagen, dass er aus dem selben Hause wie weiland Czech & Speake No. 88 und Washington Tremlett Black Tie stammt, der leider nicht mehr existenten Firma Forester in Milano. Forester benutzte eine geniale tiefgründige Geranium-Rosenbasis, die bei allen Unterschieden diese drei Parfüms deutlich prägt und miteinander verbindet - nicht zuletzt deshalb gehören sie zu meinen Lieblingsdüften. Vintage No. 88 ist der prä-raffaelistischste der drei, Caraceni der kombinatorisch interessanteste (wo findet man sonst Weihrauch, Tabak und Rose in einem Duft?), Tremlett der zugänglichste und dezenteste. Unverzichtbar sind alle drei.
Ich empfinde den Duft ebenso, wunderbar beschrieben. Czech&Speake verwendet für No.88 ja nicht mehr die Forester-Basis, Tremlett wohl auch nicht mehr für Black Tie? Das würde einiges erklären...