An sich sollte man ja Vorurteile bei Seite räumen, da viele ja völlig zu Unrecht bestehen und nicht stimmen. Bei ‚dem’ Italiener an sich ist es jedoch etwas anders. Denn ich finde, ‚der’ Italiener ist fast immer laut. Sei es beim Reden mit Händen und Füssen, beim Telefonieren, beim Autofahren … leise ist definitiv anders. Jedenfalls ist dies meine Erfahrung. Diese Erfahrung ist aber auch nicht negativ zu werten. So sind sie nun mal, so liebe ich sie. Punkt. Basta! Diese Lautstärke habe ich auch immer an vielen italienischen Düften geliebt. Sie haben eine klare Aussage und diese wird deutlich, mitunter auch laut, kund getan. Wir reden hier von einer gut vernehmlichen Silage und einer langen Haltbarkeit über den ganzen Tag hinweg. So soll es sein, so mag ich das. Warum sollte sich hier etwas ändern?
Auf dem an sich schlichten, hellgrauen Karton prangt neben dezenten Angaben einzig das Wort „Uomo“ gross und plakativ. Ähnlich schlicht kommt der Flakon daher. Ein Monolith aus hellem, rauchig-grauem Klarglas mit farbloser Flüssigkeit. Der Flakon geht nahtlos in den Stöpsel über, die waagerechte Riffelung zieht sich von oben bis unten durch. Wieder ist es allein der Aufdruck „Uomo“, der für Aufmerksamkeit sorgt. Diese schnörkellose Schlichtheit weiss zu überzeugen, wäre da nicht die verschwindend geringe Auflagefläche. Standfestigkeit manifestiere ich anders. Aber ansonsten ein Schmuckstück für jede Sammlung.
Der Duft beginnt dann so farblos, wie sich der Flakon gibt. Bergamotte und Zitrusfrüchte sorgen für einen frischen und klaren Auftritt, sind mit ihren zitrischen Noten dabei auch nicht allzu künstlich. Das Veilchen unterstützt es mit klaren und hellen blumigen Akzenten. Dann trocknet der Duft merklich auf, die Zeder gibt holzige Noten dazu, das dezente Vetiver kratzt ein wenig. Und das war es dann auch schon.
Mehr kann ich nicht erkennen. Mehr ist auch nicht zu erkennen. Da kann man an sich schnuppern, wie man möchte. Denn nach der fruchtigen und angenehmen Frischenote zieht sich der Duft immer mehr zurück, wird immer körpernäher. Die Blume erkennt man noch mit Mühe, die Basis wird an mir nur mehr erahnbar. Keine präzisen Noten, nur ein beliebiges Vorbeiwehen. Das ist nicht viel. Wie man aus dieser Flüchtigkeit einen haltbaren Duft zaubern möchte, ist mir schleierhaft. Denn selbst verdoppeln oder verdreifachen der Dosierung hilft nicht weiter. Der Duft verduftet einfach. Man kann zwar etwas Männliches erahnen, es wird jedoch in seiner Beliebigkeit nie greifbar. Schade!
Ich kenne viele dezente Düfte. Doch sie haben neben ihrer geringen Projektion aber eine gewisse Aussage und Standfestigkeit. Nicht so bei Zegna „Uomo“. Abgesehen von einem frischen Start Enttäuschung auf ganzer Strecke. Ich stelle mir die Frage, welcher italienische Mann sich mit diesem beliebigen Leisetreter schmücken möchte. Mir mag keiner einfallen.
Waren die anderen Zegna Düfte schon nicht sonderlich laut, so ist „Uomo“ wahrscheinlich der leiseste von ihnen. Somit ist mein Ärger und meine Enttäuschung über fehlende Attribute darüber auch nicht zu ausgeprägt.
Ich glaub den habe ich heute gesehen. Bin mir aber nicht sicher. Gibt´s den im Müller? muss ich mal testen. Die Duftpyramide ist ja ganz ok.? Lohnt es sich, deines Erachtens?