...um einen Duft groß herauskommen zu lassen. Natürlich denkt bei Grès jeder erst einmal an Cabochard. Aber das ist nun mal ein Duft aus einem anderen Jahrhundert. Und was den interessanten Duftablauf betrifft, so braucht sich Cabaret durchaus nicht hinter seiner Vorfahrin verstecken. Ja das ist einfach eine andere Generation, nicht nur die große Schwester.
Interessant, typisch, charakteristisch, das erwarte ich von einem Grès Duft und so beginnt hier auch keine bergamotte-zitrische Kopfnote die Vorführung, sondern trockene Blütendüfte, durch die der Weihrauch aus der Herznote bereits durchschimmert. Das finde ich schon einmal sehr gelungen und aussergewöhnlich.
Vor der Rose braucht auch niemand Bedenken haben, der diese Nuancen nicht so besonders liebt, denn sie ist zwar dunkel, aber sie schlägt nicht zu. Die pudrige Iris, eher herbe Veilchennoten und eben die - zugegeben eher dezente - Harzigkeit des Weihrauchs wissen das zu verhindern. Jetzt erscheint Cabaret direkt mondän.
Während bei vielen anderen Düften die Basis den Duft ausklingen lässt, erfährt Cabaret hier noch eine Steigerung, denn dunkel, weich und fasst männlich bleibt sie - zumindest auf meiner Haut - noch lange erhalten und lässt den Duft nicht aus- sondern nachklingen.
Warum Cabaret nicht zum Erfolg führte kann ich nur vermuten. Das Haus Grès hat ja auch diverse Umbrüche erlitten und so hat hier vielleicht einfach eine durchgängige und nachhaltige Werbestrategie gefehlt. Zum anderen hat der Parfumeur vielleicht gerade einen Tick zu viel Reminiszenz an Cabochard einfließen lassen, denn 2003 war das Jahr, in dem Burberry Brit for Woman, Amor Amor von Cacharel, BOSS Intense, Escada Magnetism und andere fruchtig-blumige Düfte den Markt eroberten. Hier wirkt Cabaret wirklich Cabochard näher zu stehen, als diese süßen Fruchtbomben.
Wie auch immer, es lohnt sich durchaus, dieses Parfum einmal kennen zu lernen und ich danke Flaconetti, die mir das ermöglicht hat.