Nach einer Kunstführung entlang der schönsten Flakons in einer kleinen Parfümerie übern Teich, die ich ohne jeden Hintergedanken mit einer Erwähnung meiner Vorliebe nicht nur für Penhaligons'sche Düfte sondern auch deren Behältnisse gegenüber der sympathischen Verkäuferin angestoßen hatte, fanden einige eigentlich ungefragte Duftpröbchen den Weg in das kleine Tütchen, darunter auch dieser relativ neue Gucci.
Obwohl ich bei besagter Führung die Gucci-Flakons der neuen Serie recht wohlwollend kommentiert habe, hielten sich meine Erwartungen an den Duft selbst in Grenzen. Diese niedrigen Erwartungen sah ich nach meinem gestrigen Test des Rosenduftes aus der Serie ein Stück weit bestätigt.
Das ermöglichte es diesem Duft, mich umso mehr zu überraschen - positiv.
Der Oud spielt die Hauptrolle und kommt ganz ohne liebliches Geblümel daher, eher schroff, und wird von recht bittrem Safran und tiefdunklem, trocknem Patch als Statisten unterstützt. Man könnte meinen, daß diese Kombination ohne Konterpart vielleicht etwas einseitig ist, doch den interessanten Part übernimmt in diesem Falle die Lautstärke. Er kommt nicht trampelnd samt Baggage in die Bar gestürmt, lautstark nach einem Getränk verlangend und erstmal alle Anwesenden aufs vulgärste beleidigend, nein, er ist der Fremde mit dem grimmig-stolzen Blick und der bedrohlichen Ausstrahlung, der schon den ganzen Abend alleine in der dunklen Ecke sitzt und den hereinstürmenden Neuankömmling mit einem stummen Blick zum schweigen bringt. Dieser Kerl weiß was er hat, und alle anderen wissen es auch, ohne dass er es hinausschreien muß.
Knarzig-trocken, bitterböse, und trotzdem ganz still.
Gefällt mir ausgeprochen gut!
"...der Fremde mit dem grimmig-stolzen Blick..." - oh weh! Du ahnst nicht, was Du da angerichtet hast! Mein Bankberater wird mir endgültig die Freundschaft kündigen...
Habe ich gern gelesen, aber mit Oud habe ich endgültig meinen Frieden geschlossen. Bis auf sehr wenige Ausnahmen ist das nicht meine Richtung. Beim Flakon bin ich aber bei dir. Der sieht toll aus.