(Es ist Spätsommer, irgendwann in den späten 80iger Jahren. Ich drücke mir an der Scheibe einer edlen Parfümerie in Sirmione, am südlichen Gardasee gelegen, die Nase platt )
„… was ist das bloß? Ich kenne weder diese schlanke, hohe Verpackungsform ( damals noch in goldenen Dekor mit schwarzem Kragen ), noch kann ich den Namen richtig erkennen. Scheint ein langer Name zu sein. Was könnte das wohl sein?“
Als Heranwachsender war ich von großer Neugierde getrieben, in jeglicher Hinsicht. Kurz entschlossen betrat ich die kleine Parfümerie, zeigte - da der italienischen Sprache nicht mächtig- auf das oberste Regal. Die freundliche Verkäuferin zog schnell eine Leiter herbei, erklomm die höchste Stufe und holte mir das Objekt der Begierde aus dem Regal.
„Eau de Fleurs de Cedrat“. Was für ein Name ! Was für ein Flakon ! Ich war damals bereits „guerlainisiert“ (dieser Begriff stammt nicht von mir. Olaf, du gestattest dass ich ihn hier verwende?) Aber ich kannte natürlich nur Produkte, die in Deutschland angeboten wurden. Dieser schlanke, hochgezogene Rillenflakon mit aufgesetzter Druckkappe war mir damals völlig fremd. Erst später erfuhr ich, dass diese Flakonform in den 70/80iger Jahren für die Eaux de Cologne der gängigen Parfums in 75 ml und 45 ml Größe angeboten wurden. Die damalige Begeisterung fand noch einen weiteren Höhepunkt : Die Flakons waren aufschraubbar und damit nachfüllbar ohne spezielle Patrone.
Im sonnigen südlichen Klima erstmalig wahrgenommen, fühlte ich mich mit dem Neuerwerb richtig glücklich. Dieser Duft passte in den Süden, passte auf die Terrasse am Gardasee, passte nach Verona, nach Venedig. Dass der Duft keine sehr große Haltbarkeit aufweist, störte mich damals wenig. Ich hatte den Flakon eh überall dabei und legte bei jeder passenden Gelegenheit nach… Aus Deutschland kannte ich das „Eau de Cologne Imperial“ und das „Eau de Guerlain“, die ich beide nicht sonderlich schätzte. Bei „Fleurs de Cedrat“ war es anders. Hier mochte ich die frische, sehr zitronige und belebende Note, die in meinem Empfinden auch etwas Pikantes enthält.
Zurück in Deutschland war ich „stolz wie Bolle“. Auch meine geliebte Stamm-Verkäuferin im KaDeWe kannte „Eau de Fleurs de Cedrat“ nicht.
In Deutschland hielt „Eau de Fleurs de Cedrat“ 1992 mit der Vereinheitlichung der Guerlain’schen Eaux Einzug. Das Etikett war goldengelb gehalten. Seit dem letzten Jahr ziert das Etikett das französische Sonnenemblem sowie den Namen von Jacques Guerlain und das Erscheinungsjahr 1920.
Duftstick schrieb in seinem Beitrag etwas schmunzelnd, dass er wohl auch für den Kühlschrank geeignet wäre. Ernsthaft : ein Flakon steht bei mir in der heißen Jahreszeit wirklich dort. Probiert es aus, der Sommer kommt.