Auweia. Wirklich nicht einfach, zu diesem Duft einen Kommentar zu schreiben. Er hat so vieles, was ich so noch nie in einem Parfum gefunden habe, vor allem in so perfekten, ultraweichen Übergängen, die sich immer wieder in eine andere Richtung wenden. Nach 3 Test-Tagen habe ich jetzt aber doch so eine Art Bild vor ihm. Für mich fängt er erst mal eher damenhaft an - hell, recht hohe Tonlage ich würde es als D-Dur bezeichnen, was natürlich komplett subjektiv und schwer nachvollziehbar ist) - sehr fruchtig, die Frucht konnte ich erst beim zweitenmal besser erkennen, nämlich als Pflaume, vermischt mit leicht bitterer Bergamotte. Auch etwas metallisch, schon deutlich süß und alles andere als leise, dieser Einstieg. So bleibt es aber nicht lange - es wird würziger, eine Art trockener Zimt oder vielleicht auch staubige Vanilleschote ohne Mark kommen dazu und bilden so etwas wie ein Geflecht mit der strahlenden Fruchtnote. Das Ganze liegt jetzt 2 Halbtöne tiefer. Als nächstes macht der Blumenladen auf. Es treten auf: Flieder und Rose. Jasmin soll auch dabei sein, ist für mich aber nicht gut erkennbar, der Flieder dominiert im Blumenbouquet. Das hat einen sonderbaren Effekt für mich - plötzlich erinnere ich mich an vergangene Muttertags-Frühstücke. Ich hatte frischen Flieder gepflückt, der stand jetzt in einer Vase auf dem Frühstückstisch, daneben ein Topf mit Pflaumenmus. An beides zusammen erinnert mich Parure in diesem Moment. Ein krasser Gegensatz zur bisher eher glamourös-französischen Aura. Dieses Drama-Prinzip von Gegensätzen steigert sich aber noch, denn ganz weich zieht jetzt eine dunkle, deutlich tiefere Melodie in das Stück, während alles andere gleichzeitig noch vorhanden ist, nur mal lauter, mal leiser zu vernehmen. Dunkles Holz, Eichenmoos und Vetiver spielen zusammen eine ernstere, traurigere Melodie, die alles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Aber - das dunkle Terzett übernimmt nie die Führung, es bleibt gleichzeitig etwas hell-jubilierendes, oberflächlich lebensfrohes bestehen. Das gewinnt mal die Oberhand und wird dann wieder weiter in den Bühnenhintergrund gelenkt. Irgendwie erinnert mich das auch an die Commedia dell Arte mit ihren immer gleichen Figuren, die für die menschlichen Charakter-Archetypen stehen - ernst, lustig, verspielt, melancholisch, draufgängerisch usw. und in deren Spiel wir mit Lachen und Weinen durch jedes Stück geführt werden, das im Grunde das Leben darstellen will.
Parure ist sicher kein Duft für jeden Tag, es ist anspruchsvoll, denn es will in seinen verschiedenen Stimmungen beachtet werden. und das wird es auch, nicht nur vom Träger allein. Sillage und Haltbarkeit meiner großzügigen Probe, die mir die wunder- bare Turandot netterweise zur Verfügung gestellt hat, liegen im allerobersten Bereich. Nach dem Duschen tut Parure einfach, als ob gar nichts gewesen wäre. Es bleibt treu da, und das nicht nut hautnah, sondern mit immer noch wahrnehmbarer Sillage. Obwohl ich Parure allein erst jetzt kennengelernt habe, ist mir der Duft doch schon länger bekannt. Denn in einem sehr frühen Test-Erlebnis hatte ich ihn mal - komplett ahnungslos - mit Knize Ten gelayered. (habe drüber einen Blog geschrieben). Der durch Turandot ermöglichte wissenschaftlich abgesicherte :) Versuch hat das zweifelsfrei bestätigt.
Parure ist ein Duft, den auch Männer gut tragen können, wenn er auch für manche nicht ganz so unisex wirken mag wie z.B. Sycomore. Er ist auf jeden Fall eins der letzten großen Duft-Abenteuer... jedenfalls für mich....
Wow, dieser Duft ist wirklich ein Trip in dropped D, wenn nicht sogar in C - mindestens! Da merkt man schmerzlich, welche Qualität in den Siebzigern abgeliefert wurde. Undenkbar heute.
Eine schöne Hommage an einen zeitlosen Duft! Er macht es mir bei weitem nicht so leicht, aber ich lasse mich gerne nochmals auf dieses Abenteuer ein. Und der Flakon ist einer der schönsten, die ich kenne.