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Hommage à l'Homme Voyageur von Lalique

Hommage à l'Homme Voyageur 2014

Agathon81
25.05.2015 - 19:43 Uhr
9
Top Rezension
9Duft

Frische Brise ohne Südseeklischee

Ja auch ich sehe eindeutig die Parallele zum Oud-Wood. Allerdings konnte ich diesen bis jetzt nur im Vorbeigehen und unter Bedrängnis des zuständigen Mitarbeiters im KaDeWe testen. Aber die Kopfnote bei beiden ist nahezu identisch.
Ich denke es liegt hauptsächlich an der Kardamon-Bergamotte-Kombi, ich finde Anklänge davon auch in D.STRICT von Strellson und bei Tabac Man. Ursprünglich gekauft hatte ich ihn, weil er mich an den Fünf Uhr Tee von Serge erinnerte- mir da, beim Impulskauf, wie die weniger süße Alternative erschien. Der Strellson ist jedoch würziger und durch die Minze plus die hochgezogenen Pfefferkräuter aromatisch-orientalischer, wie der Tabac Man aus der Drogerie ganz schnell ins seifige umschlägt, bevor er wie sein Kumpel beim süßen Vanilleherz linear ausklingt. Die bergamottige Kopfnote und Sillage beim Lalique hält wesentlich länger(bei mir 2 Stunden) an und ist mächtig, der Grund warum ich hier zugreifen mußte. Man könnte sie ebenfalls in Anklängen beim Bergamottekönig Zegna wiederfinden, dessen stechendes Sandelholz mich allerdings schnell nervt. Farblich würde ich eben dieser sagenhaft schönen Kopfnote auch das dunkelblau der Flasche zuordnen, da hat Lalique ganze Arbeit geleistet und ich finde sie dadurch besser als die des Hommage Bruders. Nach der ersten halben Stunde kommt langsam ein Rauch durch, der sich bei näherem hinriechen ins tabakig-dunkel aber Trockene verschiebt. Ab da geht die offensive Sillage zurück und es bleibt ein recht hautnaher Rauch übrig, ihn allerdings mit EN zu vergleichen, halte ich für übertrieben. Es ist vielleicht diese rauchige Herznote, die den Reisenden mit der feigigen Gourmet-Bombe Hommage verbindet. Die Messerschärfe, die Flui bemerkte, würde ich unterstreichen, für mich aus diesem Grund auch etwas chices, eher nicht zu kurzen Hosen und Hawai-Hemd, sondern vielleicht ein dunkler Sommeranzug mit hellem Hemd und offenem Kragen, gegeeltes Haar, keine Krawatte (!)- gern auch mit einem Gimlet in der Hand, denn etwas Gin-haftes begleitet für mich fast alle Laliques. Das ganze bei einer Diskussion über den künstlerischen Wert Hemmingways oder The Rum Diary von Hunter S.Thompson, bei dem es eher auf die Qualitätder Zigarren und den Hochprozentigen ankommt als auf Düfte, vor dem Hintergrund eines Holzverschlages mit Deckenventilator am Pazifikstrand Mexikos im schlechten Viertel Puerto Vallartas. Hafennähe mit schmutzigem Brackwasser, in der die Ferne Positionslichter der großen Containerschiffe die vor Anker gegangen sind, als der letzte Orkan vorüberzog.
Aus diesem Grund kann ich mir diesen Duft auch nicht so richtig an einer Frau vorstellen (obwohl ich kein Fan der gegenderten Duftkategorien bin). Die rauchige Note, wahrscheinlich die Papyrus-Patch-Kombi ist dann auch recht linear im Ausklang und zieht sich nach sechs Stunden zurück, was ihn für heiße durchtanzte Nächte oder gar Abschleppduft gänzlich ungeeignet erscheinen lässt. Mir gefällt der Rauch jedoch um einiges besser als die süß-vanilligen drydowns der preiswerten Brüder im Geiste oder die stechende Sandelholzchemie, die anscheinend bei Zegna und Wonderwood das gehypte Oud ausmachen sollen. Bliebe noch zu prüfen ob das beim teuren Tom so ähnlich ist, allerdings wage ich da kein Urteil drüber abzugeben, auch kann ich sie nur auf der Haut wahrnehmen: auf dem Papier verschwindet sie vollkommen. Als reiner Office-Scent, meine ich, jedoch zu schade und Perlen vor die Säue- man sollte sich also bewußt sein und die zwei Gesichter des Reisenden in die Planung des Abends miteinbeziehen. Will man die Kopfnote und Sillage, sollte man in der Lage sein nachzulegen, bevor man sich der Dame nähert, die solche Kaschemmen gelegentlich betritt und über José Revueltas oder John Reed nachsinnt, während sie sich einen Mezqual bestellt. Der Reisende zwischen den sozialen Schichten, geläutert am Leben,etwas älter und derangiert vielleicht, aber jung geblieben im Geiste- nichts zu tun mit Orient Express. Der bessere Abenteurer, postimperiale Feier auf den Trümmern der Moderne, lean und direkt ohne Schnörkel, aber abgründig, wie ein Gedicht von Mario Benedetti.
4 Antworten
TerFumTerFum vor 10 Jahren
Hab mich extra eingeloggt um noch nen Pokal zu vergeben. Bin auf der Such nach Ihm konnte noch nicht probieren aber nutze den vorherigen hommage täglich. Die passen wohl gut zusammen. Bin mal gespannt.
DaveGahan101DaveGahan101 vor 10 Jahren
Sehr guter Kommentar..mag den auch sehr..aber mich schlussendlich gegen einen Kauf entschieden!
Agathon81Agathon81 vor 10 Jahren
Thx a lot...beim nächsten geb ich mir zwecks übersicht mehr mühe!
DOCBEDOCBE vor 10 Jahren
Sehr informativer Kommentar - man muss nur sehr genau lesen, worauf du dich jeweils beziehst. Und: starke Bilder. Pokal.