Von Kollegen, die dachten, alle Parfums zu lieben...
... also, eigentlich nur von einem Kollegen. Er liebt Parfums, ehrlich, und seit er sich für Narciso Rodriguez for her begeistert hat, schnuppert er, sobald er mich sieht - seit Jahren (nein, keine Belästigung - das passt schon...) Und heute? Heute lockt er mich erst und zuckt dann zurück: Nein, das - das mag er jetzt nicht, das sticht, das zwickt ihn in die Nase...
Hä? Wie jetzt. Wie - das zwickt ihn. Wie - das sticht. Mein Lalique? Mein superschöner, dicker, gläserner Lalique-Le-Parfum-Flakon, der als Geschenk getarnte Totschläger, den man stets auf dem Nachttisch stehen haben sollte, falls sich ein Einbrecher im Schlafzimmer verirrt? Das verirrt, nein, verwirrt mich! Wie kann das sein?
Wenn ich Lalique benutze, rieche ich eher wenig, deshalb hielt ich den Duft für die Arbeit so geeignet. An mir zeigt er sich lammfromm, sehr mild, zart mandelig und ziemlich zügig sehr pudrig. War also für mich der Gepflegt-am-Arbeitsplatz-Duft. Und ehrlich, sehr viel mehr nehme ich nicht wahr, doch das kenne ich inzwischen von mindestens zwei anderen Düften. Lorbeer? Wo. Patchouli? Nie. Lediglich eine süße, zarte Note, ja, die schon, die macht sich nach längerer Zeit bemerkbar, aber da hätte ich auch eher nur auf Vanille als auf das Dreamteam Vanille-Tonka getippt. Vor allem Jasmin und Heliotrop und später eben die Süße bestimmen für mich den Duft, dessen Sillage im Übrigen ja auch eher schwach ist. Das macht ihn wieder für den Job geeignet, denn normalerweise schmeißt sich ja kein Kollege an mein Ohrläppchen. Von Weitem zeigt sich Lalique anscheinend nicht. Auch finde ich, dass er nicht den ganzen Arbeitstag durchhält, nicht einmal an meinem sorgfältig präparierten Schal - falls man also damit in ein Fettnäpfchen getreten ist, kann man Stunden später nochmal mit einem Snickers beim entsprechenden Kollegen/ Klienten/ Chef vorbeischauen und so tun, als wäre nie was gewesen. Denn da ist dann auch nix. Könnte also auch alles nur Einbildung gewesen sein. Mag ich den Duft nun also, der doch erst vor Kurzem hier eingezogen ist? Ich bin mir nicht sicher, ich finde ihn einfach zu unauffällig, um wirklich Position zu beziehen. Was habe ich da nur für eine Flasche erwischt? Andererseits: Der Kollege hat da ganz anderes wahrgenommen. Ich muss Lalique mal im Nahkampf testen lassen, am besten von meinem Mann. Der sagt meistens, wenn ich ihn frage, wonach ich rieche, ganz prosaisch: "Nach Parfum?"
Den teste ich erst... Aber den empfinde ich auch als sehr zurückhaltend an mir - der ist wunderschön - genau wie du beschreibst, ich würde gerne mehr und länger riechen. Ist das falsche Selbstwahrnehmung? Hast du neue Erfahrungen, wie es bei anderen ankommt?
Den habe ich zuerst genau wie Du wahrgenommen: warm, weich, pudrig, süßlich, kuschelig. Das war mir zu wenig, er durfte gehen. Und erst dann habe ich gelernt, das Lorbeerblatt zu merken - und der Duft wurde plötzlich würzig. So gefällt er mir viel besser, nun habe ich ihn aber nicht mehr :) Dein Arbeitskollege hat eine gute Nase!
Ich fand ihn nett, kuschelig, alles richtig, geschenkt würde ich ihn gerne entgegennehmen. Auch Verschenken wäre eine Option. Jedoch finde nicht den innovativ, nichts mit Alleinstellungsmerkmal. Nichts was mich zum Finger auf: "Wunschliste" hat klicken lassen.
Ich bin mir bei meinem Dickerchen auch noch nicht so ganz schlüssig, wo ich ihn verorten sollte. Mal zu madamig, mal zu nervig und manchmal oh là là. Auf jeden Fall ist er das schönste Wurfgeschoss ever... falls ich mal die Contenance verlieren sollte. Feiner Kommentar!
Es ist immer wieder spannend, wie unterschiedlich unsre Nasen wahrnehmen.