Sortilége war eine meiner ersten Dufterfahrungen als Teenager, allerding hatte ich damals einfach kein Geld, um mir den Duft zu kaufen. Damals, in den 80ern, war laut Recherche im Internet die Firma Le Galion schon perdu, und nur Sortilége und Megara wurden noch vertrieben, durch die Firma Biodroga. Ich wusste von Le Galion zu dieser Zeit nichts und kannte mich natürlich mit Düften auch überhaupt nicht aus. Meine bisherigen Anschaffungen hatten sich auf Teenager-, Avon- und Drogeriedüfte beschränkt. Sortilége eröffnete mir eine völlig neue, andere und zauberhafte Welt: Ich roch zum ersten Mal einen Duft, der Charakter hatte! Von da an war nichts mehr wie vorher. Meine Erdachse hatte sich verschoben, ich war geflashed, hooked, trapped, angefixt. (My Melody? Pah!!! Spülwasser!) Beim Kaufhof schlich ich mich regelmässig an den Tester heran, um meine Dosis Zauberei einzuatmen, wohl wissend, dass der Duft für mich eine Nummer zu erwachsen war, aber nicht von ihm lassen könnend, wollend. Sortilége entstand im Jahre 1937, als jeder Dufthersteller, der etwas auf sich hielt, Aldehyde verschwenderisch zum Einsatz brachte. Le Galion wollten einen pudrigen Duft, in der Klasse von Arpége, Chanel No.5, Liu, und sie bekamen ihn. Auch wenn Habanita mir in den Sinn kommt, mit der Zigeunerin hat Sortilége ausser meiner Zuneigung und in etwa die gleiche Epoche nicht viel gemeinsam. Ach doch, beide können zaubern! Wobei ich mich dann sofort wieder frage, wer von beiden die böse Hexe - und wer die white witch ist, denn auch Sortilége hat viel dunkle Magie inne, vor allem in der Basis... Die Kopfnote ist klassisch-aldehydlastig, leicht seifig, aber auch schon samtig-pudrig. Die Herznote entwickelt bereits eine unglaubliche Pudrigkeit, eine blumige, würzige Wärme, rosenlastig, jasminig, wie ich sie seitdem kaum irgendwo anders in dieser Schönheit und auch Intensität gerochen habe. Sortilége ist mindestens in dieser Phase ein Meisterstück in der Liga alter Guerlain-Klassiker. Die Basis tut ein Übriges: Eine Hymne an das Eichenmoos, schwer und erotisch, ein wenig harzig, samtig und düster. In der Ära Sortilége war Oud nicht gebräuchlich, aber wie man am Duft sieht, kommt man auch ohne dieses aus, wenn man einen Duft kreieren möchte, der Köpfe verdreht. Noch andere Le Galion Düfte haben ähnliche Qualität, sind aber leider noch schwerer zu bekommen.
Du hast ihn ausgezeichnet beschrieben, diesen wirklich sehr schönen Klassiker. Dunkle Magie entwickelt er zwar, aber da er (mir) so viel Freude macht, kann es sich doch nur um einen white witch Duft handeln :-)) Die Auszeichnung findest du oben!
ENDLICH mal ein Kommi. Hab schon lange darauf gewartet und beobachte das Extrait schon seit einiger Zeit, traute mich aber nicht ran, da ich es nicht kenne. DANKE Nelly für Deinen tollen Kommi!