Lavendel ist einer der klassischsten & feinsten Duftstoffe auf dem Planeten, nicht umsonst sind die französischen Lavendelfelder unsterblich legendär. In allen Formen, Farben & Qualitäten kommt einem die Blume in seiner duften Laufbahn unter die Nase - von edelster Ausführung bis hin zu billigster Synthetik-Plörre. Wenige Duftstoffe haben so eine qualitative Bandbreite. Um herauszufinden, von welcher Qualität der Lavendel in "Wild Lavender" ist, muss man erstmal an eine Menge Gestrüpp vorbei. Nur um im Endeffekt zu der Erkenntnis zu kommen, die einem der Markenname schon vorher hätte sagen können: ein sehr schöner & purer Lavendel. Wie gewohnt von Lorenzo Villoresi.
Der Duft heißt nicht umsonst "Wild", denn dem Lavendel wurden hier gehörig ein paar krautig-grüne Kanten verpasst. Gar nicht so einfach, wirkt Lavendel doch eigentlich auf mich beruhigend & sanftmütig. Hier wird das konterkariert von einer Wald-&-Wiesen-Attitüde, die Aragorn aus der Herr der Ringe-Trilogie gut stehen würde. Ein pudriger (Iris?) Lavendel bildet den Kern, doch im Drumherum geht die Lutzi ab. Ganz zu Beginn die maskuline Bergamotte kann man noch gut abfedern, doch spätestens wenn ein öliger Salbei & ein aggressiver Rosmarin auftreten, kann unser Nasenmerk nur auf ihnen liegen. Der cremig-scharfe Ingwer führt die zitrischen Klänge noch kurz weiter, danach wird der Lavendel grüner als Cem Özdemir. Als ob sich ein Lavendelfeld mitten im Düsterwald breit gemacht hat. Durch seine ätherischen Qualitäten wirkt der Duft oft saunatisch (?) & erinnert an Pinienwälder. Pfeffriger Moschus rundet das Gesamtpaket angenehm ab & dient als Kitt. Kraut aus deutschen Wäldern trifft Lavendel von französischen Feldern - maskuline Feinheit!
Flakon: ich hätte ihn eher lila gemacht. Sillage: aggressiv in der ersten Hälfte, zumindest für einen Lavender. Haltbarkeit: krautige 6 Stunden.
Fazit: ich mag diesen Krawallbürsten-Lavendel - doch so richtig haut er einen auch nicht um. Sehr solide Kost, wie so oft von LV.