"Id" wird "Iddu" ausgesprochen. Das Wort ist neapoletanisch. Gekauft habe ich mir dieses Parfüm jedoch in Norditalien, wohin es ausgezeichnet passt. Es ist ein würzig-kühler, durchscheinender Sommerduft. Das mag überraschen angesichts der vielen warmen Gewürze in der Duftnotenliste, aber Id ist kein herbstlicher Kuschelschal. Die Qualität des Duftes erscheint mir hochwertig. Auch die Präsentation in einer Holzkiste fand ich ansprechend. (Obwohl ich so eine Kiste nicht mitnehmen konnte, denn sie hätte mein Handgepäck gesprengt.)
Die Duftnoten sind spannend und gegensätzlich, würzig-harzig-blumig in veränderlichen Anteilen, schließlich hell-holzig mit süßlich-fluffiger Aufwertung und balsamischer Unterlage. Orientalisch finde ich Id nicht, denn es gibt keinen Amber. Glücklicherweise gibt es auch nicht zuviel Zimt, jedoch ist dieser auf trockener Haut im kühleren Westdeutschland deutlicher wahrnehmbar als auf leicht schweißfeuchter im warmen Italien. Im warmen Wetter gefiel er mir besser, da machte er auf mich einen blumigeren und stimmigeren Gesamteindruck. Ravensara kannte ich noch nicht: R. anisata hat nach Anis duftende Blätter, ist auf Madagaskar anzutreffen und auch bekannt als Nelkennussbaum. Trotz der überraschenden und besonderen Duft-Kombinationen erscheint Id mit dem süßlichen Holz gefällig. Zum Schluss leider sogar etwas beliebig. Auf Papier ist Id animalischer als auf meiner Haut. Das Ambroxan ist auf der Haut gut dosiert, wie Salzlakritz. Es gibt der relativ dichten Basis mehr Leichtigkeit. Auf dem Streifen erscheint eine stechende Zusatznote, wahrscheinlich irgendein Amberholz, die mir auf der Haut glücklicherweise nicht auffällt.
Wegen der dezenten Sillage darf man nicht zu schüchtern dosieren: mindestens 8 (!) Sprühstöße sind angezeigt, jedenfalls bei mir. Dann rieche ich auch am Anfang deutlich ein freundliches, grün-ätherisches Oud. Es wirkt auf mich nicht wie ein stereotypisches synthetisches Oud, vielleicht ist ja sogar ein kleiner Tropfen echtes dabei. In hoher Dosierung fällt allerdings auch das Zimt-Ambroxan wieder mehr auf, man muss ein wenig mit der Einstellung experimentieren.
Die Entwicklung des Duftes von herb-würzig zu seidig-holzig findet im Wesentlichen in den ersten 2 Stunden statt. danach passiert nicht mehr viel. Vielleicht deswegen die Statements, die den Duft als "langweilig" bis "ganz nett" einstufen. Meine Nachbarin sagte: "Den kennt man doch", findet ihn also offenbar auch nicht so speziell wie ich. Ich freue mich trotzdem über den schönen Fund. Auch deshalb, weil ich Mendittorosa selten in Parfümerien sehe und mir gerade von Id aufgrund der Papierform nicht einmal eine Probe bestellt hätte.
Auf Parfumo finde ich Id leicht unterbewertet. Die Sillage finde ich sehr dezent und die Haltbarkeit mittel, d. h. Nachsprühen nach ca. 6 Stunden. Als angenehm salzig-schweißigen, seidigen Hautduft kann ich Id noch nach 14 Stunden schwach erahnen, schön zum Aufwachen.
Wie schön, dass er dir so gefällt und du Freude daran hast. Darauf kommt es doch nur an. 8 Sprühstöße sind schon ganz ordentlich. Ich habe es sehr gerne gelesen.