Intense Iris / Intense So Iris von Montale

Intense Iris
Intense So Iris
2017

Augusto
22.07.2018 - 13:33 Uhr
11
Top Rezension
8.5Duft 9Haltbarkeit 8Sillage 7Flakon

So - so, so, so, so ... so Iris

Kurz vorweg, wenn es auch ein wenig ablenkt: Für alle, denen Iris Rebelle von AC zwar gefallen hat, aber sie viel viel zu schwach fanden, so wie ich: Den hier probieren. So kriegt das Substanz! - Und jetzt bitte gleich wieder vergessen.

Bei Montale bekommen wir: Frisch frischer Iris! Und die mit dem berühmten Möhrchen, so als hätte man gerade eine frische junge Karotte auseinandergebrochen und mit dem Knacken der Möhre spritzt ein bisschen Saft ins Gesicht. Zu dem hätte der name Iris Rebelle gepasst, der kommt einem mit Power entgegenund ist doch die typische Möhren-Iris am Anfang verfeinert mit etwas Zitrus und frischem Grün. Ganz hinreißend holzig dabei. Holz mit hellgrauer Maserung.

Nach ca. einer Viertelstunde hat sich der Duft gesetzt und bleibt. An einer Haaspraynote mogelt er sich gerade so vorbei - zum Glück, denn die braucht AugustA gar nicht.
Leicht cremig, aber nicht butterig bleibt der Duft und bleibt und bleibt. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, mit was man den toll layern könnte, so puristisch ist diese Iris. Puristisch, nicht puderistisch. Nach Stunde zwei noch immer keinerlei Puder.

Die Reize, die Iris in der Kombination mit anderen Blumen und besonders Hölzern ausspielen kann, gehen diesem Duft erst mal völlig ab. Das verwundert einen fast, weil man geneigt ist, den Duft in Gedanken zu ergänzen, sich was dazu vorzustellen, was dann aber nicht da ist. Leerstelle, offenes Feld. Das ist aber gerade der Reiz der Komposition. Frische Iris pur, wenig, das die Assoziationkette vervollständigt - keine edle Eleganz, keine Strenge, keine pudrige Sinnlichkeit, auch keine verträumte Melancholie. Und doch - das gehört schließlich alles zur Iris.

Die Iris: Regenbogen, Götterbotin, schillernd, Windgestalt, stets auch ein bisschen jenseitig. Obgleich Wurzel, nicht Blüte, entzieht sie sich den direkten Zugriff. Sphärisch. Holzig und trocken. Hier findet man sie so direkt vor, wie nur möglich. Dieser Irisduft ist ganz - nackt. Nicht Vorstellungen von Nacktheit oder dergleichen. Sondern nackte Iris, unbedeckt von anderen Düften oder Duftnotenkonzepten. Ich könnte nicht mal sagen, zu wem der Duft passen würde, nicht ob zu jung alt oder Mann oder Frau oder was. Kein durchgetylter Zielgruppenduft, kein Grüner und auch kein Orientale. Eine Iris, wie man sie zwar (er)kennt , aber bisher immer nur in Kombination. Als mir das auffällt, hat der Duft mich gefangen und er kann noch stundenlang so bleiben wie er ist.
Was er zunächst auch tut.

Dann, nach ca. 3 Stunden wir der Duft unmerklich weicher, Moschus verändert die Oberfläche und gibt ewas Flor, sehr weichen Flor. Das Pure wird nun doch eine Spur cremiger, und sinnlicher. Der Moschus ist zart und weich, erinnert nicht (!) an Waschmittel oder Seife, sondern gibt der Iris eine Anmutung, die an Hautwärme erinnert und die eine Berührung evoziert, die im Duft vorher nicht vorhanden war, gerade weil er so nackt war. Jetzt ist er haptischer geworden. Viel mehr wollte der Parfumeur da wohl nicht draufsetzen.
5 Antworten
YataganYatagan vor 7 Jahren
Bin ja kein Iris-Fan, aber der hatte was.
PlutoPluto vor 7 Jahren
Der hat mir auch recht gut gefallen, obschon ich es mit Montale oft nicht so habe.
SeeroseSeerose vor 7 Jahren
Wegen der genannten Ingredienzen hatte ich es bisher nicht für Wert erachtet, den zu testen. Bei Gelegenheit muss ich das nun nachholen.
Irisblüten, wenn sie überhaupt blumig duften, haben dennoch auch immer etwas von dem Duft der Wurzeln, wie ich es natürlich nur aus Düften kenne. Ich konnte mal ein Stück aus meinem Topf zum Testen schneiden...sie hat manche Jahre duftende Blüten.
SüchtigSüchtig vor 7 Jahren
Oh, wie schön geschrieben. Bin ja neugierig auf den Duft und jetzt noch mehr. Klasse und Pokal abstell und DANKE
AventurinAventurin vor 7 Jahren
Sehr feiner und interessanter Kommentar!