Eigentlich müsste ich mir selbst einen Wecker schicken! Denn dass es diesen Duft schon seit 15 Jahren gibt und ich ihn erst vor etwa einem Jahr entdeckt habe - wo er doch wie für mich gemacht zu sein scheint! Aber ich verzeihe mir mal, denn man kann nicht alles wissen oder kennen oder gar verstehen. Überraschung zu Beginn: Zitrisch-Krautiges eröffnet und doch ist bereits mein Zimt da. Die ungewöhnliche Verpaarung überzeugt mich, wobei sie nur eine kurze, amüsante Episode ist. Und gleich noch ein Drängler mit aufgeblendeten Xenonleuchten: Der Weihrauch. Und der macht sich mit dem Zimt im Gefolge Platz, nach dem Motto : Eingebaute Vorfahrt, steht mir zu! In diesem Falle habe ich nichts gegen die PS-Protzerei, zumal auch mehr als ein bisschen Nelke im Fond ist. Fein gepfeffert, nicht süß, schöne, nicht nur geduldete Beigaben. Auf der weiteren Fahrt sitzen die beiden Hauptpersonen ganz entspannt und lassen schließlich auch die Tonkabohnen zu Wort kommen, die trockenen Witz versprüht. Ähnlich wie in "Gris claire" von Serge Lutens, der aber durch Lavendel natürlich einen anderen Charakter hat , kommt auch hier die Assoziation an gebügeltes Leinen auf. Im Gegensatz zum vollmundigen , sehr aufgeweckten Weihrauch ist die Vanille geradezu ein Langschläfer: Aber das macht nichts, wenn sie ein bisschen geträumt hat, zumal sie sich entschlossen hat, sehr angenehm unsüß zu bleiben. Wenn man auch aus den schönsten Träumen geweckt wird! Sie fasst sich aber schnell und mischt sich nicht gerade diskret , aber sehr stilvoll ein. Ihr geht es wie mir: Eigentlich Langschläferin, dennoch kriege ich mich recht schnell ein, wenn es denn früher sein muss. "Tonka Vanille" - die motorstarke Orientalin gehört in die Gruppe balsamisch-würziger Orientalen wie auch "Oriental Lumpur" von Les Nereides , der freilich anders gewürzzentriert ist oder den heimlich still und leisen , viel leiseren "Myrrhe Ardente" , aus dem Hause Goutal. Tonka Vanille ist ein wunderbarer Duft: Eher extravagant als elegant, warm mit einer gewissen Distanz, einhüllend, aber kein matschig-gatschiger Kuschelduft. Lerche und Eule kommen hier gut zusammen - da sie der Duftpyramide nicht folgsam waren. Disziplinlosigkeit kann manchmal fruchtbare Ergebnisse zeitigen. Ein Unisexduft, der eher in die etwas kühlere Jahreszeit passt und dessen Haltbarkeit geradezu phänomenal ist.
Seltsam, dass mir der Weihrauch da nie auffaellt - Myrrhe Ardente kenne und schaetze ich, und bei intensiveren Varianten sticht er mich ganz unangenehm in der Nase, hier merke ich ihn nicht einmal ...
Ohne Parfumo hätte auch ich die schönen PdN-Parfüms wahrscheinlich nie kennengelernt. Da wäre mir ein großer Genuss entgangen... Vanille-Tonka ist jedenfalls einer der besonders gelungenen PdN-Düfte!