Der Titel ist eine Anspielung auf die Übersetzung seines Namens aus dem Französischen: Reitgerte. Was für ein merkwürdiger Name für einen Duft, zumal kein Leder im Spiel ist. Vielleicht ist er besonders „streng“ oder „klassisch“ oder „vornehm“? Ich war also gespannt, ob ich irgendetwas entdecken würde, was auf diesen Namen schließen ließ.
**Duftverlauf:**
Er startet zitrisch mit fast unmittelbar einsetzender, sanfter Lavendelnote. Die Mandarine gibt der Zitrone dabei eine weiche Fruchtigkeit. Die hesperidischen Noten verschwinden aber zügig und der Lavendel wird schnell dominant und die ersten herben, grünen Gewürze brechen sich langsam ihre Bahn. Nach wenigen Minuten hat sich dieser Duft zu einem deutlich vernehmbaren frischen, lavendelig-herb-grün-würzigen, klassischen Herrenduft entwickelt, mit der typischen, gepflegten – verzeiht mir den Ausdruck - „Opa-Note“. Er hat den kennzeichnenden Dreiklang einiger frischer Herrendüfte der damaligen Zeit (50er und 60er Jahre): Zitrone – Lavendel – Eichenmoos bzw. hier übernimmt das Patchouli diese Rolle. Vor allem die dominante Verwendung des Lavendel gepaart mit Eichenmoos/Patchouli sorgt bei mir für diese klassische „Opa-Note“-Assoziation. Wer den „Monsieur de Givenchy“ von 1959 kennt, weiß was ich meine. „Monsieur de Balmain“ (1964) und „Moustache“ (1949) gehen auch in diese Richtung. In der Abstrahlung bleibt über den weiteren, ausdauernden Verlauf eine sehr angenehme, charaktervolle frisch-lavendelig-würzige Note bestehen. Bei näherem Herangehen stellt sich diese recht weiche Würzigkeit als ordentlich herbe, grünkrautige heraus, die ordentlich Dampf hat und am Ende mit einem minimalen süßlichen Einschlag aufwartet. Dies ist übrigens einer der wenigen Düfte, in der mir der Patchouli-Bestandteil nicht auf den Geist geht :)
**Haltbarkeit und Sillage:**
Bei mir hielt der Duft überragende 12 Stunden+ mit guter Wahrnehmbarkeit. Die Sillage ist angenehm zurückhaltend, in den ersten Stunden mit wahrnehmbarer, aber dezenter Abstrahlung.
**Fazit:**
Für die damalige Zeit sicher kein besonders strenger Duft, weshalb die Namensgebung für mich ein kleines Rätsel bleibt. Dieser Duft züchtigte weder damals, geschweige denn tut er es heute. Allerdings erlegt er dem Träger durch seinen klassischen Charakter eine gewisse Vornehmheit und innere Haltung auf, die in dem Zusammenhang als im positiven Sinne „führend“ wahrgenommen werden kann. Er bewirkt im besten Fall ein überlegtes, rücksichtsvolles Verhalten. Der Duft wurde im Jahr 2007 neu aufgelegt und in diesem Zuge etwas modifiziert. Evtl. wurde ihm dabei der Zahn gezogen, weshalb er früher doch die „Reitgerte“ gewesen sein könnte. Ich kenne leider die Originalversion nicht. Alles in allem ein deutlich der Vergangenheit verhafteter, frisch-würziger Duft in bester Qualität! Trotzdem auch in der heutigen Zeit mit Stolz tragbar :)
Der Duft wurde seltsamerweise völlig verändert. In der alten Originalversion war er ein satter Lederduft. Seit den 2000er Jahren hat er die Minz-Zitrus-Formulierung.