Macassar (Eau de Toilette) von Rochas

Macassar 1980 Eau de Toilette

Ernstheiter
28.06.2015 - 12:17 Uhr
14
Sehr hilfreiche Rezension
9Duft 7.5Haltbarkeit 7.5Sillage 10Flakon

Der Duft von Dschungel und tropischem Holz

Einen Duft kennenzulernen bedeutet unter anderem auch seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Es bedeutet, die Signale, die uns die Nase sendet mit Hilfe der Vorstellungskraft in Bilder umzuwandeln. Das gelingt bei manchen Dueften nur schwer, waehrend wiederum andere einen mit einer Fuelle an Bildern ueberfluten.

Macassar gehoert fuer mich in die letztere Kategorie. Allein schon der Name "Macassar" weckt in mir Assoziationen von Dschungel und Baumriesen, deren Staemme aus dem undurchdringlichen Urwald-Dickicht emporwachsen und mit ihrem dichten Geaest den Blick auf den Himmel verdecken. Ich kann foermlich das saftige Gruen der Vegetation riechen, nehme aber gleichzeitig den trockenen Duft der Holzstaemme und der feuchten Erde wahr.

Soweit also meine Assoziationen zum Duft; aber riecht "Macassar" wirklich so?

Nach dem Aufspruehen entfaltet Macassar eine ungewoehnlich Frische, nicht zitrisch, sondern gruen. Ja, so stelle ich mir den Geruch von Regenwald vor. Im ersten Moment hat mich das an "Fleur de Liane" erinnert, bei dem der Geruch von gruenem Blattwerk und undurchdringlichem Regenwald gut umgesetzt ist. Waehrend bei "Fleur de Liane" diese gruene Note den Ton angibt, so gesellt sich ihr bei "Macassar" der Geruch von Erde und Fruechten hinzu. Das macht fuer mich den Duft interessant, diese anfaengliche Frische, die fast ohne zitrische Anklaenge auskommt, die nicht hell ist, aber auch nicht dunkel; dafuer sorgen Fruechte und Kiefernnadeln und ich meine auch etwas Minze wahrzunehmen.

In der Herznote ueberlaest diese minzige Frische Platz fuer blumige und holzige Noten, wobei letztere eindeutig den Ton angeben. Der Duft wird in seiner weiteren Entwicklung trockener, behaelt aber seinen gruene Ausrichtung nach wie vor bei.

Die Basisnote ueberrascht dann nochmals mit einer neuen Ausrichtung. Durch das Zusammenspiel von Eichenmoos, Amber und Moschus entsteht eine sanfte Wuerze, die durch das Vorhandensein von Kokusnuss einen Hauch von Suesse erhaelt. Ich kann aber fuer alle, die keine Kokusnuss moegen, Entwarnung geben. Sie ist hier so gut eingearbeitet, dass sie es lediglich schafft, der Wuerze eine gewisse Milde zu verleihen, aber nicht als eigenstaendige Note gross zur Geltung kommt.

Bei einem Blick auf die Duftnoten, schreit einem "Macassar" sofort: "Ja, ich bin ein Eighties Powerhouse" entgegen. Trotzdem finde ich den Duft keinen typischen Vertreter seiner Zeit. Er ist laut, aber nicht schreiend - und er geht nicht die ausgetretenen Wege seiner Zeitgenossen. Mit seiner gruenen Frische will er sich unterscheiden und sagen, ich bin nicht fuer jederman, ich will nur zu denen, die mich verstehen.

Habe ich "Macassar" verstanden? Ich weiss es nicht - er gefaellt mir ausserordentlich gut. Auch wenn er nicht an die Eleganz à la Guerlain kommt, so braucht sich seine Haltbarkeit hinter diesen nicht zu verstecken. Schade, dass der Duft seit vielen Jahren nicht mehr produziert wird und es sehr schwierig bzw. teuer geworden ist ihn zu bekommen.

Ach ja, was bedeutet "Macassar" denn nun? Es ist der Name eines Stadtteils von Kapstadt. Aha, von wegen Dschungel und Baumriesen.....Aber knapp daneben ist trotzdem daneben.
3 Antworten
AchillesAchilles vor 10 Jahren
Hervorragender Kommentar! Nur, der war schon auf meiner Merkliste :)
SeeroseSeerose vor 10 Jahren
Wenn ich die Pyramide lese: Typischer maskuliner Duft der Sorte, die ich nicht liebe, allein das Eichenmoos. Aber Deinen Kommi finde ich großartig: Pokal+
DOCBEDOCBE vor 10 Jahren
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